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Von Baugerüsten gehalten.
© R. RossnerVon Baugerüsten gehalten.

Von einem Gerüst gehalten, stemmt der Bau seinen dunkelgrauen Basaltstein fest in die Uferböschung der Lahn. Der Hausherr versucht, sein desolates Baudenkmal, das über die Grenzen des hessischen Landkreises Gießen hinaus kaum bekannt ist, zu restaurieren. Dazu braucht es viel Elan, denn Schloss Friedelhausen hat gebündelte Hilfe dringend nötig: Die schadhafte Dachfläche ließ über Jahrzehnte unbemerkt Feuchtigkeit eindringen, die sich bis zum ersten Obergeschoss ausgebreitet hat. Fäulnis und Hausschwamm setzen dem Denkmal zu. Es wäre schade um das trutzig-verspielte Schloss, das für die hessischen Lande ein ungewöhnliches Bauwerk darstellt. Sein Architekturstil ist eine Reminiszenz des historistischen 19. Jahrhunderts an die englische Tudorgotik, dem britischen Übergang von Gotik zur Renaissance. Wie es für Bauten dieses Stils typisch ist, flankieren schlanke, achteckige Türme das breitgelagerte Gebäude, welches durch einen reichen Fassadenschmuck gegliedert wird.

 

Erbaut wurde das Schloss 1852–56 von Freiherr Adalbert von Nordeck zur Rabenau. Als Abgeordneter in Frankfurt am Main lernte er die Engländerin Clara Philipps, Korrespondentin der "London Times", kennen. Um seiner jungen Frau, die eine wohlhabende Vollwaise war, das Leben in der neuen Heimat leichter zu machen, holte er für sie ein Stück England nach Hessen. Mit dem Bau wurde der englische Architekt John Dobson (1787–1865), in Nordengland berühmt für seinen neugotischen Tudorstil, beauftragt. Er schuf dem Paar ein Schloss in mittelalterlichem Ambiente, erbaut aus örtlichem Londorfer Lungstein, einem witterungsbeständigen und gut zu bearbeitenden grauen Basalt. Dobson wurde zudem auch mit der Gestaltung der Innenräume betraut, beispielsweise der Haupttreppe die durch einen großzügigen, dreiläufigen Aufgang und ein kunstvolles schmiedeeisernes Geländer besticht. Die große Wandfläche des Treppenhauses, von Reinhard Hochapfel mit einer illusionistischen Loggia und einem Durchblick auf eine Blumenwiese gestaltet, wird von einem gemalten Sternenhimmel überspannt.

Wandmalereien im Treppenhaus
© R. RossnerWandmalereien im Treppenhaus

Nur ein Jahrzehnt sollte das Paar hier verleben, bis Clara Philipps 1867 verstarb. Damit aber war die Geschichte des Schlosses noch nicht zu Ende. Der berühmteste Gast war ohne Zweifel Rainer Maria Rilke. 1905 hatte die verwitwete Luise von Schwerin, eine Tochter Claras und Adalberts, den Dichter während eines Kuraufenthalts in Dresden kennengelernt. Die kunst- und literaturbewusste Gräfin lud den armen Poeten mit seiner Familie gleich drei mal zu erholsamen und kreativen Wochen an die Lahn ein.

Besonders schützenswert ist das Schloss nicht nur wegen des besonderen Architekturstils, auch wegen seiner über 160 Jahre bewahrten Authentizität, denn das Bauwerk wurde kaum verändert. Das größte Problem ist jedoch das flache Dach. Um das gotische Erscheinungsbild nicht zu stören, verzichtete Dobson auf Traufen am Zinnenrand. Durch diese mangelhafte Entwässerung drang über Jahrzehnte unbemerkt Feuchtigkeit in den Dachstuhl ein.

 

Zur Zeit können mit Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und mit Mitteln des Landes Hessen die durch Fäulnis stark angegriffene Holzkonstruktion an den Tragwerken des Daches und des Dachstuhls instand gesetzt, die Anschlüsse der Ecktürme und die wackeligen Schornsteine gefestigt und eine vernünftige Entwässerung angebracht werden. Damit ist ein erster wichtiger Schritt für die Erhaltung des Denkmals getan.

 

Doch um auch die Innendekorationen restaurieren und den Altan am Eingangsportal, der wegzubrechen droht, sichern zu können, sind viele Helfer gefragt. Helfen auch Sie das unbekannte, "englische" Schmuckstück zu erhalten.

 

 

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