Vor 25 Jahren wurde die Deutsche Stiftung Denkmalschutz gegründet. Sie hat sich seither zur erfolgreichsten Bürgerinitiative im Denkmalschutz entwickelt. Mehr als 190.000 Förderer unterstützen ihre Initiativen zur Bewusstseinsbildung und ihre Projektarbeit mit Spenden. Seit 1991 erhält sie darüber hinaus auch Mittel aus der Lotterie GlücksSpirale. Rund 3.600 Denkmale konnte die private Bonner Denkmalschutz-Stiftung bislang mit rund 430 Millionen Euro unterstützen. Dazu gehört in Sachsen-Anhalt auch das Ensemble des Feininger-Museums in Quedlinburg.
Direkt unterhalb des Schlossberges, am Finkenherd, befindet sich seit 1986 die Lyonel-Feininger-Galerie. Zu ihr gelangt man durch die Toreinfahrt des Hauses Schlossberg 11 an der Nordseite des Platzes unmittelbar neben dem Geburtshaus Friedrich Gottlieb Klopstocks. Die Galerie wurde 1997 durch einen großzügigen Erweiterungsbau im hinteren Hofteil ergänzt. Diese Erweiterung und Modernisierung sah auch bereits die Einbeziehung des „Entree-Gebäudes“ vor, das ehedem Stiftsdamen als Abteivorwerk diente. Der zweigeschossige traufenständige Fachwerkbau stammt aus der Zeit um 1660. Im Erdgeschoss befindet sich eine zweiflügelige barocke Eingangstür. Einziges Schmuckelement sind die in Pyramidenform geschnitzten Balkenköpfe des Fachwerks. Die Sanierung des historischen Gebäudes Schlossberg 11 ist dem Deutschen Fachwerkzentrum Quedlinburg e. V. anvertraut, das die Sanierung mit den Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten Halberstadt im Rahmen eines Praxisprojektes ausführt.
Mit rund 80 Hektar Fläche innerhalb der mittelalterlichen Stadtbefestigung ist die Altstadt Quedlinburgs das größte Flächendenkmal Deutschlands. An den über 1.200 Häusern niedersächsischer Fachwerkarchitektur sind historische Baudetails der Zeit vom 14. bis zum 19. Jahrhundert in einer Größenordnung erhalten, wie sonst nirgends im Lande. Deutsche Geschichte ist hier geschrieben worden, denn am Finkenherd erfuhr König Heinrich I. von seiner Wahl zum deutschen König.
Unterhalb des Schlossberges befindet sich 1100 Jahre später die Lyonel-Feininger-Galerie, zu der man nur über den Finkenherd gelangt. Die Galerie wurde 1986 erbaut und 1997 im hinteren Hofteil durch einen großzügigen Bau erweitert, der direkt an das Grundstück Schlossberg 11 grenzt. Dieses Vorderhaus ist das ehemalige Abteivorwerk von Stiftsdamen und grenzt an der Nordseite des Platzes direkt an das Klopstock-Haus. Der zweigeschossige traufenständige Fachwerkbau stammt aus der Zeit um 1660. Die zweiflügelige barocke Eingangstür im Erdgeschoss und die mächtige Tordurchfahrt zum Hof im Stil der Zeit prägen die Fassade. Man formte als Schmuckelement die Balkenköpfe des einfachen Fachwerks in Pyramidenform. Auf der Westseite des Innenhofes befinden sich zweigeschossige Nebengebäude aus derselben Zeit, die teilweise im 19. Jahrhundert umgebaut wurden.
In dem Gebäude, das aus Kostengründen beim Bau der Galerie noch nicht in die Planung einbezogen wurde, sollen nun nach der Übernahme durch die Stiftung Moritzburg Künstlerwohnungen eingerichtet werden. Museumsdirektorin Dr. Katja Schneider: „Die Sanierung des Schlossbergs 11 ist für die Feininger-Galerie eine große Chance, die Perspektive des Hauses zu erweitern. Wir wollen neben dem Museumsbetrieb ein lebendiges Künstlerhaus einrichten.“ Vorderhaus, Seitenflügel und Klopstock’sches Gartenhaus sind in dem erweiterten Nutzungskonzept integriert. Sie sollen künftig Ateliers, Ausstellungsflächen und eine Druckwerkstatt für junge Künstler beherbergen.
Sichtbare Feuchtigkeitsschäden in der Fachwerkkonstruktion sowie die Ergebnisse der bauhistorischen Untersuchungen machten den dringenden Handlungsbedarf deutlich. Das 2002 vom Land Sachsen-Anhalt, der Stadt Quedlinburg und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gegründete und getragene Deutsche Fachwerkzentrum Quedlinburg e. V. übernahm die fachliche Leitung der Sanierungsmaßnahmen. Neben den Architektenleistungen koordiniert es den Sanierungsverlauf. Die Maßnahmen werden im Rahmen eines Praxisprojektes zusammen mit den Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten Halberstadt durchgeführt. Jugendliche aus Deutschland und Europa, die in der Jugendbauhütte Quedlinburg ein Freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege absolvieren, bekommen so die Möglichkeit, in den Bereichen der Restaurierung und nachhaltigen Sanierung praktisch in unterschiedlichen Handwerksberufen zu arbeiten, um traditionelle Handwerkstechniken kennenzulernen. So können sie sich über ihre berufliche Zukunft Klarheit verschaffen.
Lyonel Feininger, der deutsch-amerikanische Maler und Graphiker, Mitglied der Berliner Secession und Mitarbeiter des Bauhauses, gehört zu den bedeutendsten Künstlern der Klassischen Moderne. Zur Sammlung in Quedlinburg gehören Grafiken, Radierungen, Lithographien und Holzschnitte aus den Jahren 1906 bis 1937.
Bonn, den 19. August 2010
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