Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Spenden & HelfenProjekteTermineBücher & mehrJugendDie Stiftung
Abgestütz und mit Nägeln fixiert.
© R.RossnerAbgestütz und mit Nägeln fixiert.

Wer war Freiherr Friedrich von Meder? Die Antwort auf diese Frage könnte das Geheimnis um das Simonetti Haus in Coswig (Anhalt) lüften. Zwischen 1699 und 1705 wurde der zweigeschossige Fachwerkbau mit hohem Walmdach für den Berliner Adeligen Friedrich von Meder errichtet. 1709 stand das Landhaus bereits wieder zum Verkauf. Nach dem Verkauf blieb es zunächst Adelssitz. Im 19. Jahrhundert wurde hier der Gasthof "Zum schwarzen Adler" eingerichtet, später Arbeiterwohnungen und ein Altenheim. Seit den 1990er Jahren stand es leer. Obwohl die Stuckdecken fast unversehrt die unterschiedlichen Nutzungen des Hauses überstanden haben, sollte das Gebäude 2007 zum Abriss freigegeben werden.

 

Friedrich von Meder war ein undurchsichtiger Mann, von dem man heute weiß, dass er die größte Loge in der Coswiger Stadtkirche St. Nicolai besaß und einige wohltätige Stiftungen an die Kirche machte. Und dass er sich für die Ausschmückung seines Privathauses einen vielbeschäftigten Hofstuckateur und Baumeister leistete: Giovanni Simonetti, geboren 1652 im Kanton Graubünden. Simonetti arbeitete in Böhmen, Schlesien, Kurbrandenburg, Kursachsen und eben auch im Fürstentum Anhalt-Zerbst. Leider sind seine Hauptwerke im Stadtschloss Berlin, in der Leipziger Handelsbörse und im Zerbster Schloss zerstört. Auch von seinem übrigen Schaffen ist wenig erhalten. Daher kommt es einer Sensation gleich, dass Simonetti und seiner Werkstatt auch die Stuckdecken im Wohnhaus des Freiherrn von Meder zugeschrieben werden. Zudem sind die hochbarocken Decken so gut erhalten, dass sie heute dem Fachwerkhaus den Namen geben. Auch der Verein Schloss Coswig (Anhalt) e.V., der das Gebäude 2007 in letzter Sekunde vor dem Abriss rettete und seither unermüdlich um seine Restaurierung kämpft, wird sich nun nach Simonetti umbenennen.

 

Mehrfach übertüncht, wirkten die qualitätvollen Reliefszenen und Ornamente zwar immer gröber, doch sind die Themen aus der griechischen Mythologie weiterhin gut erkennbar: Perseus, der Andromeda rettet, Götterbote Hermes, der den Riesen Argos besiegt, die vier Jahreszeiten und die fürstlichen Staatstugenden. Auch die Symbolsprache der Alchimie wurde im Bildprogramm der Stuckaturen aufgegriffen, wodurch ein direkter Bezug zu Friedrich von Meder hergestellt wurde: Der Auftraggeber verkehrte offensichtlich in Alchimistenkreisen. Nach den mageren Notizen und den Baubefunden hatte sein Haus "einen Feuerherd" – ein Laboratorium, wo er im Auftrag des Zerbster Fürsten "aus dem Silber Gold imprägnieren" sollte. Zudem befand sich auf dem Dach seines Hauses eine Sternwarte.

 

Wie der Künstler dazu kam, für Freiherrn Friedrich von Meder tätig zu werden, ist eines der Rätsel. Aber manches deutet darauf hin, dass der Freiherr ihn über seine Beziehungen zum Fürstentum Anhalt-Zerbst und nach Brandenburg Preußen kennenlernte.

Einst ein stilvolles Entree: die Amorettendiele.
© R.RossnerEinst ein stilvolles Entree: die Amorettendiele.

Obwohl der Coswiger Verein die Restaurierung des Gebäudes vorantreibt, treten doch immer wieder unerwartete Schwierigkeiten auf: So sollten im letzten Jahr eigentlich die Fassaden fertiggestellt werden, um mit den Barockdecken fortfahren zu können, doch wurde vom Bauordnungsamt ein Baustopp verhängt. Nach der Aufhebung konnte im letzten Herbst endlich weitergearbeitet werden. Nun sind auch die Stuckdecken an der Reihe. Angesichts der dramatisch aussehenden Metallverstrebungen wird deutlich, welcher Schatz hier vor dem Verfall bewahrt wird. Teilweise neu eingebrachte, bis zu 30 Zentimeter lange Nägel fixieren den schweren Stuckdekor – ein Löwenrelief wiegt zum Beispiel rund 60 Kilo – an den Decken aus Holz und Schilfrohr.

 

Auf diese Weise gut abgefangen, wird derzeit der prächtige Stuck im repräsentativsten Raum von seinen Farbschichten befreit. Es ist die erste der sieben reichgeschmückten Decken. Wann die Restaurierung der sechs weiteren folgen kann, ist ungewiss. Um die Restaurierung des Denkmals mit Eigenmitteln finanzieren zu können, finden hinter dem Simonetti Haus in einem ebenfalls denkmalgeschützten, nicht minder restaurierungsbedürftigen Tanzsaal von 1888 ausgewählte Konzerte und kulturelle Veranstaltungen statt.

Um bei der Restaurierung der barocken Stuckdecken weiterhin helfen zu können, bittet die Deutsche Stiftung Denkmalschutz um Ihre Spende!

 

Helfen auch Sie mit Ihrer Spende dieses Gebäude zu bewahren! 

 

 

zurück zur Übersicht

 

Spenden Sie Online

Gerne stehe ich Ihnen bei Fragen zum Thema Spenden zur Verfügung:

Elsbeth Rütten
Tel. 0228 / 9091-250

ruetten@
denkmalschutz.de


305 555 500
Commerzbank Bonn
BLZ 380 400 07

 

Kennziffer 1006311