Das Jagdschloss "Fröhliche Wiederkunft" in Trockenborn-Wolfersdorf hat eine sehr wechselvolle Nutzungsgeschichte. Es wurde 1548-51 für Johann Friedrich I, Förderer Martin Luthers und Anführer der protestantischen Fürsten im Schmalkaldischen Bund erbaut. Noch während seiner Gefangenschaft, nach dem Sieg der kaiserlichen Truppen bei Mühlberg an der Elbe im April 1547, beauftragte er den Baumeister Nickel Grohmann mit den Bau dieses Wasserschlosses. Den Namen "Fröhliche Wiederkunft" erhielt es bereits 1552 als Johann Friedrich nach seiner Freilassung mit seiner Ehefrau Sibylle hier ihr Wiedersehen feierte.
Die "Fröhliche Wiederkunft", idyllisch im Thüringer Holzland gelegen, wurde in den folgenden Jahrzehnten intensiv als Jagdschloss genutzt. Als man Anfang des 18. Jahrhunderts die nur wenige Kilometer entfernte Jagdanlage Rieseneck bei Hummelshain errichtete, verlor Schloss Wolfersdorf an Bedeutung und verfiel zusehends. Erst Herzog Joseph von Sachsen-Altenburg (1789-1868), der während der Revolution 1848 zurücktrat und seinem Bruder Georg die Regentschaft überließ, entschloss sich, Wolfersdorf vor dem drohenden Verfall zu retten. Durch Anbauten an das ursprüngliche Schloss entstand die heutige dreiflügelige Anlage. Auch das 20. Jahrhundert zeigte sich in der "Fröhlichen Wiederkunft" als ein Zeitalter voller Umbrüche. Ab 1922 wurde das Schloss zum ständigen Wohnsitz des 1918 abgedankten Herzogs Ernst II. von Sachsen-Altenburg (1871-1955). Er studierte in Berlin, beschäftigte sich mit Astronomie und ließ eine Sternwarte auf dem Südflügel des Schlosses installieren. Auch eine Zentralheizung und ein noch heute funktionstüchtiger Fahrstuhl wurden eingebaut. Bemerkenswert ist ein begehbarer Tresor, in dem er nach dem Ersten Weltkrieg seine Wertgegenstände unterbrachte. Vermutlich aufgrund seiner russischen Verwandtschaft wurde ihm nach 1945 von der sowjetischen Kommandantur gestattet, bis zum Tod im Schloss zu wohnen.
Ab 1948 nutzte erst die Friedrich-Schiller-Universität Jena das Wasserschloss als Erholungsheim und anschließend bis 2006 ein Jugendwerkhof. Fast hätte das Schloss danach das Schicksal einiger anderer thüringischer Schlösser geteilt, die an unseriöse Investoren veräußert wurden und nun zu verfallen drohen. Doch 2007 fand sich glücklicherweise ein Käufer, dem das Anwesen bereits seit vielen Jahren ans Herz gewachsen war. Dank der Unterstützung durch engagierte Denkmalpfleger fand der gebürtige Jenaer den Mut, sich dieser gewaltigen Aufgabe anzunehmen. Er gründete die Schloss Wolfersdorf Verwaltungsgesellschaft, die inzwischen mehrere Mitarbeiter beschäftigt. Ihr Ziel ist es, das Schloss der Öffentlichkeit als Museum und als Begegnungsstätte für die Jenaer Universität sowie für kulturelle und private Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen. Inzwischen finden bereits Trauungen hier statt, ein Café und verschiedene Werkstätten sind eingezogen.
Doch der Weg der Sanierung ist lang: Die Dächer waren undicht, die Heizung völlig veraltet und manche Gebäudeteile von Schwamm befallen. Mit großem persönlichen Einsatz wurden zunächst Sicherungsmaßnahmen durchgeführt und so die notwendigen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Restaurierung des wertvollen Baus geschaffen. Unterstützung erhielt der Eigentümer danke der Arbeitsagentur und des Bildungswerks BAU Hessen-Thüringen auch durch Langzeitarbeitslose, sowie durch Jugendliche, die ein freiwilliges Jahr in der Jugendbauhütte oder beim Internationalen Bund leisten. Doch bei den Arbeiten blieben negative Überraschungen wie etwa verdeckte Baumängel, die zu unerwarteten Mehrkosten führten, nicht aus. Vor kurzem hat man dann zu allem Überfluss im Untergeschoss entdeckt, dass die Gewölbe vom Einsturz bedroht sind: So haben sich die eine Betondecke tragenden Säulen gesenkt, da sie nicht, wie das gesamte Gebäude, auf den Eichenpfählen ruhen, die Nickel Grohmann acht Meter tief in den sumpfigen Boden treiben ließ. Um die Standsicherheit des Gebäudes wieder herzustellen, müssen die schweren Betondecken dringend entfernt werden. Erst dann kann die Sanierung der Dächer, Fassaden und Innenräume weitergehen. Es ist das große Ziel, das Wasserschloss 2017 zum 500-jährigen Jubiläum von Luthers Thesenanschlag wieder nahezu vollständig nutzen zu können. Denn das trotz der sichtbaren Bauarbeiten gut besuchte Anwesen gehört zu den wichtigsten, im Zusammenhang mit der Reformation stehenden Denkmalen in Thüringen.
Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz möchte die dringenden denkmalpflegerischen Arbeiten gern weiterhin fördern. Unterstützen auch Sie mit Ihrer Spende das große Engagement aller Beteiligten – damit dieses historisch bedeutende Schloss eine gute Zukunft hat.