Eine Kirchenruine ist ein schmerzlicher Anblick. Mit der Zeit wird ihr Verfall jedoch oft durch Alltagssorgen und Gewohnheit soweit verdrängt, dass das einst intakte Gotteshaus nur als wunder Punkt in der Erinnerung des Menschen zurückbleibt. Wenn dann noch die Bemühungen der Kirchengemeinde, ihre Kirche zu bewahren, an Geld, Baumaterial oder Ignoranz scheitern, gewinnt die enttäuschende Realität Oberhand.
Die nachfolgende Generation nimmt die Narbe kaum mehr wahr, denn sie kennt nur die trostlose Ruine. Bis jemand kommt, für den der Anblick keine Selbstverständlichkeit ist. Im Fall der Dorfkirche von Herrmannsacker nahe dem thüringischen Nordhausen schien schon alles zu spät. Nach der endgültigen Schließung 1972 war das Kirchendach über dem Chor eingebrochen und hatte dort den Dachstuhl und das Gewölbe mit sich gerissen. Auch ein Teil der Nordseite stürzte ein. Über die Jahre legte die Natur ihren Mantel um das verfallende Bauwerk.
Schließlich kam die Wiedervereinigung und die Menschen orientierten sich neu. Dass die heruntergekommene Dorfkirche nun wieder in neuem Glanz erstrahlen soll, ist der Unteren Denkmalschutzbehörde in Nordhausen, einem Architekturstudenten auf der Suche nach einem Thema für seine Diplomarbeit und einigen engagierten Dorfbewohnern zu verdanken. Zusammen wurde der Kirchenbauverein Herrmannsacker gegründet und man bestritt gemeinsam den mühseligen Weg, die Kirchengemeinde, die Bewohner des Dorfes und die Vertreter der Kirchenprovinz Sachsen wieder auf die Ruine aufmerksam zu machen und um finanzielle Unterstützung zu bitten. Seitdem wird Schritt für Schritt unter der Anleitung eines in der Denkmalpflege erfahrenen Architekten das gesammelte Geld für die Restaurierung der kleinen Kirche eingesetzt.
Seit 1999 steht im Innern ein kunstvolles Gerüst, das den Dachstuhl, das noch nicht abgestürzte Tonnengewölbe und die Emporen abstützt. Es hat mehrere Ebenen, auf denen Handwerker arbeiten können – wenn wieder genügend Geld da ist. Obwohl noch weit davon entfernt, ein festes Gotteshaus zu sein, wurde St. Mauritius in den vergangenen Monaten wieder in das Leben der Menschen einbezogen. Weihnachten 2001 fand der erste Gottesdienst inmitten des Baustellengerüsts statt – nach fast dreißig Jahren. Seit 1999 unterstützt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die Restaurierung der Kirche mit bislang 87.000 Euro. Wir bitten Sie, uns bei der Rettung dieser kleinen Dorfkirche in Herrmannsacker zu helfen.
Anfang des 18. Jahrhunderts konnte dank Kollektengeld und Spenden der umliegenden Gemeinden sowie des Grafen Christian Friedrich zu Roßla die 1672 erbaute Kirche im Innern mit umlaufenden Emporen und hölzernem Tonnengewölbe barock umgestaltet werden. 1716 wurde St. Mauritius geweiht, im Jahr 1750 der Altar aufgestellt. Erst 1798 gönnte sich die Kirchengemeinde eine zehnstimmige Orgel. 1862 fand die einzige vollständige Restaurierung der Kirche statt.
Sie verlieh dem Kirchenraum seine heute noch erkennbare klare klassizistische Note. Danach setzte der schleichende Verfall ein: 1873 wurde der Chorturm abgetragen und im Westen im neoromanischen Stil wieder aufgebaut. Bald neigte sich der Turm jedoch so stark zur Seite, dass er auf das benachbarte Grundstück zu stürzen drohte. 1934 wurde er schließlich abgetragen und ein hölzerner Glockenstuhl neben dem Gotteshaus errichtet. Nach der Trauung eines Brautpaares aus Herrmannsacker wurden 1972 die Kirchtüren endgültig verriegelt.