

Vor gut 25 Jahren erfüllten sich zwei ehemalige Lehrerinnen in Hachenburg im Westerwald einen Traum. Sie retteten ein bedeutendes Baudenkmal und schufen sich gleichzeitig ein außergewöhnliches Heim. Dabei wollte die Stadt das herrschaftliche dreigeschossige Gebäude mit der barocken Fassade 1979 eigentlich abreißen, bot es doch wahrlich keinen einladenden Anblick mehr. Lange hatte sich niemand um das Haus gekümmert. Auch die letzten Mieter waren alles andere als pfleglich damit umgegangen. Der lange kalte Winter, kaputte Fenster und die offene Tür taten ihr Übriges. Unrat und Gestank machten sich breit. Doch die beiden Lehrerinnen Rosemarie Goeke und ihre Schwester Elisabeth van den Berge sahen das Haus mit ganz anderen Augen. Sie konnten hinter der schäbigen Fassade den eigentlichen Wert erkennen. Sie nahmen Kontakt zum Landesdenkmalamt in Mainz auf, wo man an der Erhaltung des Denkmals außerordentlich interessiert war. Schließlich konnte man die Stadt überzeugen, das Gebäude zu versteigern.
Ab Herbst 1979 konnten die neuen Besitzerinnen mit der Arbeit beginnen. Jeden Tag nach der Schule gingen sie daran, den Unrat zu beseitigen, den die letzten Mieter sowie viele ungebetene Gäste hinterlassen hatten. Dann kamen die Feinarbeiten am Treppengeländer, an Türen und den vielen anderen Details. Damals war es noch schwierig, geeignete Handwerker für ein solches Gebäude zu finden. Doch gerade weil die Schwestern alles taten, um Besonderheiten wie die alten Dielenböden oder die gusseisernen Ofenklappen in den Fluren zu erhalten, atmet das Haus noch heute viel von seiner reichen Geschichte.
Damit das auch in Zukunft so bleibt und dieses bedeutende Baudenkmal auf Dauer erhalten werden kann, suchen wir Zustifter für die Stiftung von Beust'sches Haus. Die von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz treuhänderisch verwaltete Stiftung wurde von den beiden Schwestern selbst ins Leben gerufen.

Nach dem großen Stadtbrand von 1654 war das vermutlich aus dem 14. Jahrhundert stammende Burgmannenhaus über den alten Kellern wieder aufgebaut worden. Die Gräfin von Pöttingen machte es, als junge Witwe nach Hachenburg zurückkehrend, zu ihrem Wohnsitz und ließ das Haus nach ihren Bedürfnissen umbauen. Aus dieser Zeit stammt wohl das Treppenhaus mit dem beeindruckenden Holzgeländer. Von hier aus teilte sie sich mit ihren Schwestern die Herrschaft über die Grafschaft. Im 18. Jahrhundert kam das nach der Gräfin benannte Pöttingische Haus in den Besitz des Kanzleirats Detmar Henrich von Grün. Ihm, der es um 1766 erheblich umbauen und erweitern ließ, ist das barocke Erscheinungsbild der Straßenfront des Gebäudes zu verdanken. Der heutige Name des Hauses geht auf Geheimrat Ludwig August von Beust zurück, einen Schwiegersohn des Kanzleirats von Grün. Seine Familie wohnte hier bis 1813. Nach dieser zweiten Blütezeit begann der Niedergang des Hauses, der erst 1979 durch das Engagement der Schwestern gestoppt wurde.
Liebevoll mit alten Möbeln eingerichtet, ist es nun zu einem Vorzeigeobjekt geworden. Doch in letzter Zeit trieb die beiden Schwestern die Frage um, wie es mit dem Haus weitergehen soll, wenn sie sich nicht mehr selbst darum kümmern können. So entschlossen sie sich, den Besitz mit einem angemessenen Vermögen testamentarisch einer Stiftung anzuvertrauen, die von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz treuhänderisch verwaltet wird. Die spätere denkmalgerechte Nutzung soll vor allem öffentlich sein – etwas für kleine kulturelle Veranstaltungen. Doch auch für Gästewohnungen, ein Café oder eine Weinstube wäre Raum. Die beiden Schwestern sind sich nun ganz sicher, dass ihr Haus, das sie mit so viel Einsatz gerettet haben, bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in guten Händen ist und der Stadt Hachenburg als ein Schmuckstück erhalten bleibt.