
Eine verwunschene Aura umgibt Schloss Türnich bei Kerpen. Umschlossen von einem weitläufigen Landschaftspark liegt das spätbarocke Herrenhaus an einem malerischen See. Bei schönem Wetter wird auf der Terrasse im Schloss hausgebackener Apfelkuchen serviert. Das Obst stammt aus der biologisch bewirtschafteten Parkplantage. Denn die Grafenfamilie von und zu Hoensbroech, der das Anwesen seit 1850 gehört, fühlt sich dem respektvollen Umgang mit der Natur verpflichtet. Wie ein wilder Garten Eden mutet der englische Landschaftspark mit seinem alten Baumbestand an. In den Heckenquartieren reifen 140 Obstsorten wie Äpfel, Johannisbeeren, Mispeln und Schlehen.
Mit der gewaltigen Aufgabe, die wertvolle Bausubstanz des Schlosses zu retten, sind die Besitzer jedoch überfordert. Was auf den ersten Blick kaum jemand ahnt: Das 1757-66 errichtete Schloss ist vom Einsturz bedroht. Kunsthistorisch bedeutend verbindet es die rheinische Tradition des barocken Wasserschlosses mit der Eleganz eines französischen Maison de Plaisance. Als Baumeister wird der Franzose Michael Leveilly vermutet. Besonders kostbar sind die erhaltenen Rokokostukkaturen, Holzvertäfelungen und Marmorkamine im Inneren. Die 1890 errichtete Kapelle beeindruckt mit byzantinisierenden Glasfenstern, Wandmalereien und Mosaikböden.

Ursache für den maroden Zustand des Bauwerks ist unter anderem der nahe Braunkohletagebau, der dem Schloss seit den 50er Jahren das Wasser abgrub und die ohnehin instabilen Fundamente unterminierte. 1980 drohte das Gebäude buchstäblich auseinanderzubrechen und wurde durch stählerne Zuganker notdürftig gesichert. Seither leistet jahrzehntelanger Leerstand eindringender Feuchtigkeit und Schädlingsbefall Vorschub. Dieses Bauwerk zu retten, bedarf es der gemeinsamen Anstrengung vieler: Damit das verwunschene Schloss Türnich eines Tages wieder aus seinem Dornröschenschlaf erwacht, hilft die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hier seit vielen Jahren.