

Wie die kleine mecklenburgische Stadt Crivitz, die 18 Kilometer östlich von Schwerin liegt, so musste auch ihre Stadtkirche oft wechselnde Herren in Kauf nehmen. Viel wurde an dem Gotteshaus in den vergangenen Jahrhunderten erneuert, aber gepflegt wurde sie leider wenig. So konstatierte man bereits um 1795 bei einer Kirchenvisitation, dass "sie ihrem gänzlichen Verfall schon wieder nahe" sei und "man fast nirgends, selbst auf der Kanzel nicht trocken sitzen oder stehen" könne.
Bei der Sanierung hatte man leider die falschen Dachziegel verwendet, die zu leicht für die stattlichen Ausmaße des Daches waren. Die Folge war, dass immer wieder neue Reparaturen notwendig wurden, um weitere Nässeschäden zu verhindern. Nach den umfangreichen Restaurierungsarbeiten an der Dachkonstruktion und den Gewölben, welche die Deutsche Stiftung Denkmalschutz seit 1997 mit insgesamt 160.000 Euro förderte, sind die Dächer nun dicht, die Dachkonstruktion stabil, das Mauerwerk gesichert und neu verputzt. Inzwischen erfolgte auch die Sanierung der Gewölbe und Arbeiten an Wandflächen und Fußböden.
Die Tatsache, dass die Restauratoren nicht nur im Chor, sondern im gesamten Kirchenraum ornamentale und figürliche Malereien aus der Spätgotik und der Renaissance entdeckten, beflügelt die Bürger von Crivitz. Nun könnten die von dem strengen weiß-roten Farbanstrich verdeckten Fresken wieder ohne Gefährdung durch Feuchtigkeit freigelegt werden und in leuchtenden Farben von der lebendigen, volksnahen Frömmigkeit des 14. und 15. Jahrhunderts erzählen.
Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bittet deshalb um Mithilfe, damit die Rettung und die Freilegung der verborgenen Schönheiten der Stadtkirche von Crivitz zu einem glücklichen Ende gebracht werden können.

Um 1350 wurde die dreischiffige Backsteinhallenkirche auf den Fundamenten einer älteren Kirche aus dem 13. Jahrhundert errichtet. Ihre Proportionen wirken schwer und gedrungen. Dieser Eindruck wird jedoch durch den zwischen 1370 und 1380 in der Breite des Mittelschiffs angebauten polygonalen Chor aufgefangen, dessen hohe Maßwerkfenster die Kirche erhellen.
Anfang des 15. Jahrhunderts setzte man ihr den charakteristischen querrechteckigen Westturm vor und baute an der Nordseite eine zweigeschossige Sakristei ein. Bei zwei verheerenden Stadtbränden in den Jahren 1610 und 1660 wurden die Dächer und Teile des Langhausgewölbes zerstört. Bis ins 18. Jahrhundert hinein hat man sie immer wieder geflickt.
Mitte des 19. Jahrhunderts entschied sich die Gemeinde für eine grundlegende Neugestaltung der Kirchenhalle. Der gesamte Innenraum wurde optisch umgewandelt: Das nachhaltig geschädigte Langhaus erhielt Arkadenbögen und ein verputztes Scheingewölbe aus Holz. Da die Kirchengemeinde gewachsen war, baute man eine dreiseitige Empore ein und vergrößerte das Gestühl. Einen Backsteinrohbau imitierend versah man die rotgestrichenen Achteckpfeiler und Bögen mit weißen Fugenstrichen und tünchte die Wände und Gewölbekappen einfarbig grau.
Von 1952 bis 1955 erfuhr die Kirche erneut einen Schönheitsanstrich. Dabei entdeckte man im Chor spätmittelalterliche Fresken. Acht lebensgroße Apostelfiguren sowie verschiedene Bibelszenen – auf 1380 beziehungsweise 1430 datiert – wurden behutsam freigelegt und gesichert. Leider war der Restaurator zu begeistert von den kostbaren Schätzen an den Wänden und so retuschierte er bisweilen kräftig und interpretierte einige der dargestellten Bibelmotive neu. Die Retuschen an dem 1952 freigelegten Lutherbildnis, den gemalten Spruchtafeln oder der Weltkugel aus nachreformatorischer Zeit halten sich zur Freude der Denkmalpfleger in vertretbaren Grenzen.