Bei der Oberkirche handelt es sich seit dem 16. Jahrhundert um die Hauptkirche des thüringischen Ortes Arnstadt im Ilm-Kreis. Einst gehörte sie zu einem Franziskanerkloster, das nach 1246 von Bettelmönchen aus Gotha gegründet wurde. Bis zur Reformation lebten und wirkten die Mönche in der Stadt. Mitte des 16. Jahrhunderts mussten sie das Kloster verlassen. In der Folgezeit wurde das Ensemble wechselnd zu schulischen Zwecken, als Notunterkunft oder als Alterswohnsitz genutzt. Heute ist hier das evangelische Gemeindezentrum mit Kindergarten und Senioren-Begegnungsstätte untergebracht.
Die Schönheit der schlichten Kirche erschließt sich momentan erst auf den zweiten Blick. Es haben sich hier zahlreiche originale Ausstattungsstücke erhalten. Doch sind der eindrucksvolle Altarraum mit dem dreigeschossigen Hochaltar des 17. Jahrhunderts, mächtigen Epitaphien und Grabsteinen aus dem 14. bis 18. Jahrhundert dringend restaurierungsbedürftig. Auch das Kirchenschiff erscheint unvollendet: Die Böden der Empore an der Südseite sind zum Teil entfernt, die Kanzel von 1624 steht unvollständig im Raum und ein großes Kruzifix ist lediglich gegen die Trennwand gelehnt.

Zur Ausstattung der Kirche gehören auch vier Evangelistenfiguren des Altars, von denen insbesondere die Lukas-Figur traurige Berühmtheit erlangte. Nur mit Hilfe einer Mullbinde um den Kopf konnte die angeschlagene Holzfigur notdürftig verarztet werden. Auf den Fotografien, die dies festhalten, wirken seine Gesichtszüge ungewohnt ausdrucksvoll. Lukas scheint mit Sorge in die Zukunft zu blicken. Für eine dringend notwendige Restaurierung der Figur fehlte zunächst – wie für viele andere Maßnahmen – das Geld. Eine Spende machte die Mullbinde nun überflüssig und Lukas kann bald wieder in seiner ursprünglichen Gestalt den Altar schmücken. Doch, wie der gesamte Sakralbau, benötigen auch die übrigen Evangelistenfiguren noch Hilfe.
Die damals günstige Lage der Kirche scheint heute zu ihrem Verhängnis zu werden. Die Franziskaner bauten sie aufgrund der besseren Versorgung am Stadtrand. An der Nordseite der Kirche liegt ein mittlerweile trockengelegter Laufbrunnen aus dem Mittelalter. Wasser gibt es im Untergrund aber immer noch: Es wird vermutet, dass unterirdische Wasserläufe in der Nähe den Boden unterspülen und aufweichen, so dass die Nordwand langsam wegkippt. Bereits 1461 wurde die nördliche Chorseite mit dem Bau eines Turmes stabilisiert. Aber der Kirchenbau verformt sich dennoch allmählich weiter. Mit dem 2007 neu gegründeten Verein "Oberkirche Arnstadt e.V." bekommt der Gemeindekirchrat nun Unterstützung, um die Kirche zu erhalten. Die frühgotische Oberkirche bietet beste Voraussetzungen für eine kirchliche und kulturelle Nutzung. Ideen gibt es viele und die Sanierungsarbeiten schreiten zusehends voran, doch bis sich die Schönheit der Kirche auch wieder direkt ins Auge fällt, wird noch viel Zeit, Geld und Mühe nötig sein.
Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz möchte helfen, die Ideen für die Weiternutzung der Kirche zu verwirklichen. Helfen Sie mit!