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Alle Register gezogen

© Vereinigte Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatsstiftes Zeitz, Bildarchiv Merseburg

Wie drei Stiftungen historische Orgeln bewahren

Als die Merseburger Domorgel, mit 81 Registern und vier Manualen seinerzeit die größte in Deutschland, am 26. September 1855 mit seiner großen "Prophetenfantasie" eingeweiht wurde, brach für den Komponisten Franz Liszt und die gesamte Musikwelt eine neue Epoche an. Die neuartige Intonation und der Wohllaut waren Friedrich Ladegast (1818–1905) aus Weißenfels zu verdanken, der mit dem Auftrag, die große Merseburger Domorgel neu zu schaffen zu Chance erhielt, sein Talent und seine handwerkliche Perfektion unter Beweis zu stellen. Mit der Merseburger Domorgel entstand ein Schlüsselwerk der Hochromantik und Ladegast machte eine international erfolgreiche Karriere als Orgelbauer. Durch einen dem Zeitgeist entsprechenden neobarocken Umbau im Jahr 1962 blieben der Aufbau und ein großer Teil der originalen Register zwar bestehen, das einst hochgerühmte Klangbild hingegen war verloren. Als die Orgel dann zwischen 2000 und 2004, auch mit Beteiligung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, umfassend restauriert wurde, hat man diese neobarocken Veränderungen beseitigt und so die Ladegastschen Klangeigenschaften zurückgewonnen. Um dieses musikgeschichtlich bedeutende Instrument dauerhaft zu bewahren, wurde 1998 in der Deutschen Stiftung Denkmalschutz die treuhänderische Dietrich Herfurth-Stiftung errichtet. Da die Kosten für Wartung und Pflege der Merseburger Ladegast-Orgel allerdings meist höher als die Zinserträge aus dem eingebrachten Kapital sind, sind Zustiftungen notwendig, damit diese große Aufgabe bewältigt werden kann.

 

© Dr. Sixtus Lampl

Wie ungeliebt die Klangästhetik von Orgeln der Romantik über lange Zeit waren, weiß auch der ehemalige Oberkonservator im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Dr. Sixtus Lampl. Als in den 1980er Jahren eine der letzten romantischen Großorgeln Bayerns in St. Martin zu Landshut, obwohl funktionsfähig, aufgegeben wurde, verhinderte Lampl gerade noch die Versteigerung der Pfeifen.

Mit der Gründung eines privaten Orgelmuseums im Alten Schloss im oberbayerischen Valley südöstlich von München, haben er und seine Frau Orgeln, Spieltischen und Originalteilen aus ganz Deutschland seither Asyl gegeben. Raritäten von besonderer kulturgeschichtlicher und orgeltechnischer Bedeutung gibt es inzwischen viele in Valley: Die Bandbreite und Klangvielfalt der rund 60 Ausstellungsstücke reicht von Großorgeln mit 85 Registern bis hin zur kleinen Prozessionsorgel. Aber Sixtus Lampl ist kein Sammler im klassischen Sinn: Ein Instrument, das am angestammten Ort eine Überlebenschance hat, reizt ihn nicht als Exponat. Tatsächlich hat manche Orgel inzwischen auch wieder einen Platz in einer Kirche gefunden, denn für die Instrumente, die Lampl restaurieren ließ, mussten die Gemeinden sehr viel weniger investieren als für eine Neuanschaffung. Damit die wertvollen Instrumente und die Gebäude des Orgelzentrums auch nachfolgenden Generationen erhalten bleiben, hat das Ehepaar Lampl unter der Federführung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz die Stiftung Altes Schloss Valley errichtet. Ohne Zustiftungen wird es jedoch kaum möglich sein, diesen einmaligen Schatz zu erhalten.

 

© R. Rossner

Im Dezember 2007 inspizierte Sixtus Lampl in Zemitz-Bauer/Wehrland eine einmanualige, handwerklich perfekte und harmonisch intoniert Orgel von Wilhelm Remler (1824–96), die im 19. Jahrhundert von Berlin aus nach Ostvorpommern an den Peenestrom gelangt war. Das Engagement der Gemeinde für die kleine Feldsteinkirche und ihre wertvolle Orgel ist groß. 2005 wurde ein Förderverein zur Erhaltung von St. Nikolai gegründet, der seither regelmäßige Veranstaltungen organisiert. Allerdings musste die Orgel, die eben nicht nur für den Gottesdienst, sondern auch für Konzerte genutzt werden sollte, dringend restauriert werden. Mit dieser Aufgabe wäre die kleine Gemeinde alleine restlos überfordert gewesen.

Mit einem Zuschuss für dieses kostspielige Vorhaben begann die 2005 in der Obhut der Deutschen Stiftung Denkmalschutz errichtete Stiftung Musik im Denkmal ihre aktive Förderarbeit. Die Stifterin wollte damit eine Initialzündung geben: Profitieren sollen sowohl Baudenkmale, die einen besonderen Bezug zur Musik haben, als auch wertvolle Musikinstrumente oder Musikaliensammlungen. Gerade bei der oft komplizierten und kostenintensiven Instandsetzung von Orgeln könnten die Erträge dieser Aufbaustiftung die Rettung sein. Dafür ist sie aber dringend auf Zustiftungen angewiesen.

 

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Gerne stehe ich Ihnen bei Fragen zum Thema Stiften zur Verfügung:

 

Dr. Steffen Skudelny

Tel.: 0228 / 9091 - 201

skudelny@
denkmalschutz.de

Dietrich Herfurth-Stiftung

Konto 263 616 506

Commerzbank (ehemals Dresdner Bank)

BLZ 370 800 40

 

Stiftung Altes Schloss Valley

Konto 10 277 582 34

SEB-Bank

BLZ 380 101 11

 

Stiftung Musik im Denkmal

Konto 10 277 582 27

SEB-Bank

BLZ 380 101 11