

Das Landgestüt Redefin gilt als einer der Höhepunkte der rund 70 Spielstätten der Musikfestspiele Mecklenburg-Vorpommern und begeistert Zehntausende auf seinen berühmten Hengstparaden. Das Zusammenspiel von Mecklenburger Landschaft, prachtvollen Hengsten und dem Picknick auf dem Rasen inmitten der Gestütsanlage entfaltet den Charme britischer Noblesse. Ganz wesentlich trägt zu der Stimmung die elegante Harmonie der klassizistischen Gestütsgebäude bei.
Gegründet wurde das Gestüt unter Herzog Friedrich Wilhelm von Mecklenburg-Schwerin. Pferdezucht war eine existentielle Sache für einen Fürstenhof, die Marställe von Schwerin und Ludwigslust wollten schließlich mit edlen und gleichzeitig brauchbaren Tieren gefüllt sein. Nach den Napoleonischen Kriegen waren die Gebäude heruntergekommen, doch Großherzog Friedrich Franz I. wagte 1812 in Redefin einen Neuanfang. Kontinuierlich wurde an einer Landgestütsordnung gearbeitet, qualitätsvolle Zucht betrieben, bis das Mecklenburger Reitpferd als charakterstarke, leistungsbeständige und gesunde Rasse weit über die Grenzen begehrt war. Ab 1820 wurde der Entwurf des mecklenburgischen Oberlandbaumeisters Carl Heinrich Wünsch verwirklicht, der in strenger Symmetrie eine Ansammlung von einem Dutzend Gebäuden um eine längsrechteckige Parkfläche — zum Teil als Reitplatz genutzt — vorsah. Abgeschlossen wird die Mittelachse von dem imposanten Reithallenportal. Es hat die mächtige Form eines griechischen Tempels, mit zwei dorischen Säulen, zwei reliefierten Eckblöcken und dem von einer Pferdestatue bekrönten Giebel. Die Restaurierung des Portals wurde 1999 auch von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gefördert; so kann es wieder in würdevollem Weiß über der Anlage ruhen. Zwei lang gelagerte Ställe, ein loggiageschmücktes Inspektorenhaus und ein gegenüberliegendes Rossarzthaus in gleichen Formen sowie das Landstallmeisterhaus vervollständigen die Anlage. Dazu kommen jede Menge backsteinerne Wirtschafts- und Wohngebäude. Schließlich leben bis zu 50 Personen auf der gesamten Gestütsanlage.

Der Zweite Weltkrieg läutete einen lang währenden Tiefpunkt in der Redefiner Gestütsgeschichte ein: Der Ort lag in der Einflugschneise britischer Bomber auf ihrem Weg nach Berlin. Um die Stallungen unkenntlicher zu machen, strich man die Gebäude grau und überzog sie mit Heringslake. Von dieser Prozedur erholten sich die Mauern die nächsten Jahrzehnte nicht mehr. Auch die vielfältige Züchtung der Pferde war gefährdet: 1949 wurde das Landgestüt Redefin zum volkseigenen Gut. Ab 1972 gab es offiziell keinen Mecklenburger mehr, da unterschiedliche Rassen nicht mehr erlaubt waren. Im ganzen Land wurde nur noch das so genannte Edle Warmblut gezüchtet. Dieses jedoch so gut, dass Redefiner Pferde und die Ausbildung zum Bereiter weiterhin hochgeschätzt waren. Daran hat sich auch nach 1990 nichts geändert. Die große Redefin-Freundin Christel Petersen-Vahle engagierte sich lange Zeit finanziell in dem aktiven Förderkreis Landgestüt Redefin e.V. Dieser kümmert sich seit zehn Jahren unermüdlich um das Gestüt. Der Förderkreis hat sowohl züchterische Aktivitäten in Gang gesetzt als auch Baumaßnahmen unterstützt. Viola Francke-von Zitzewitz ist die Initiatorin und mit anderen treibende Kraft des Förderkreises, der mittlerweile 500 Mitglieder stark ist. Ihren Tatendrang bringt sie nun als Vorsitzende in die 2004 gegründete „Stiftung Landgestüt Redefin“ ein. Frau Petersen-Vahle gab das Gründungskapital für die Stiftung, die in der Obhut der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ist. Die Kapitalerträge sollen zukünftig zur Erhaltung der historischen Gebäude beitragen.
Visionen, die es zu verwirklichen gilt, gibt es viele: So bedürfen zahlreiche Gestütsbauten dringend durchgreifende Maßnahmen, bevor weitere Substanz verloren geht. Hierbei müssen die Anforderungen einer modernen Nutzung stets achtsam mit der Besonderheit der denkmalgeschützten Substanz in Einklang gebracht werden. Um dies alles zu ermöglichen, werden Zustifter gesucht, die einen Beitrag dazu leisten können, den kulturellen Geheimtipp Mecklenburgs für die folgenden Generationen zu erhalten. 2011 ist die Rekonstruktion einer historischen Brücke im Park der Gestütsanlage in Vorbereitung.