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Reichenbacher Turm

© Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Ab Ende des 13. Jahrhunderts umschloss ein doppelzügiger Mauerring mit zahlreichen Mauertürmen, Wiekhäusern und Tortürmen die Stadt Görlitz, das bedeutendste Mitglied des Lausitzer Sechsstädtebundes. Das Ensemble von Reichenbacher Turm und Kaisertrutz am Obermarkt, bis 1848 durch hohe Schildmauern miteinander verbunden, sicherte einst den westlichen Stadtausgang. Beide Festungswerke bilden heute die markantesten Überreste der mächtigen Verteidigungsanlagen, die im 19. Jahrhundert nach und nach abgetragen wurden. Die Bastei ist um 1490 begonnen und 1541 fertig gestellt worden, der Reichenbacher Turm dagegen stammt aus dem 14. Jahrhundert und damit aus der Zeit, in der alle vier großen Tore des Befestigungsrings entstanden.
Ursprünglich war der Reichenbacher Turm ein in die Stadtmauer einbezogener niedriger Torturm auf quadratischem Grundriss, dessen Ausmaße am heutigen Erdgeschoss ablesbar sind. Den spitzbogigen Durchgang schuf man erst 1869 nach Abbruch der Toranlage, schon 1484 erhielt der Turm sein zylindrisches, mit einem leicht vorkragenden, achteckigen gedeckten Wehrgang vom älteren Bauteil abgesetztes Obergeschoss. Über dem zweiten oberen Umgang errichtete man damals einen steilen gotischen Spitzhelm. Dieser wurde 1782 durch den heutigen Turmabschluss ersetzt: Eine barocke Laterne mit einem Schlagwerk, dessen Glocke der Görlitzer Glockengießermeister Benjamin Körner angefertigt hat. Wer den Turm bis hier oben hinaufsteigt, wird nicht nur mit einem schönen Ausblick auf die Görlitzer Altstadt belohnt, sondern kann auch einiges über mittelalterliche Verteidigungsanlagen und die Geschichte der Stadt erfahren, denn der Reichenbacher Turm ist heute Teil des Kulturhistorischen Museums der Städtischen Sammlungen Görlitz.
Weil die kupferne Dachhaut des barocken Turmaufbaus im Laufe der Zeit undicht geworden war und Wasserschäden verursachte, die auch die Konstruktionshölzer angriffen, wurde Ende der 1990er Jahre eine Sanierung unumgänglich. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat Fördermittel zur Neueindeckung des maroden Dachs, der Instandsetzung des Tragwerks und des schadhaften Glockenschlagwerks sowie zur Restaurierung der vergoldeten Turmbekrönung beigesteuert.

 

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