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Ein Schloss im Dornröschenschlaf -
Schloss Türnich bei Köln

Schloss Türnich bei Köln
© R. RossnerDie Idylle trügt: Der Zustand von Schloss Türnich ist Besorgnis erregend.

Umrankt von herrlichen Rosenbüschen, bezaubert westlich von Köln ein verfallendes Dornröschenschloss, Schloss Türnich. Eine angenehme Aura umgibt das verwunschene Wasserschloss. Doch die Idylle trügt, seit 28 Jahren ist das Schloss unbewohnt und verschlossen.

 

Schloss Türnich ist ein typisch rheinisches Wasserschloss aus dem 18. Jahrhundert, von Kunsthistorikern in einem Atemzug genannt mit Falklenlust, dem berühmten Jagdschloss des Kurfürsten Clemens August bei Brühl. Als Baumeister wird der in kur-kölnischen Diensten stehende Franzose Michael Leveilly vermutet.

 

Das Ensemble liegt auf einer Insel, die ringförmig von zwei Wassergräben, natürlichen Nebenarmen der Erft, umfasst ist. Das Schloss selbst ist ein zweigeschossiger Rechteckbau aus hell verputztem Backstein, der sich auf einem Rustikasockel erhebt. Es ist ganz der Eleganz der französischen Maisons de Plaisance verpflichtet. Eine freitragende Treppe verleiht dem lichtdurchfluteten Treppenhaus eine verspielte Leichtigkeit. Die eigentliche Kostbarkeit aber ist der erhaltene Raumschmuck aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Leichte Rokokostukkaturen überziehen Wände und Türen. Tapisserien und kunstvoll geschnitzte Holztäfelungen zieren die Räume. Alles ist erhalten, von den Griffen an Fenstern und Türen über marmorne Kamine bis zu Holz- und Parkettböden.

Streben tragen die reich verzierte Stuckdecke.
© ML PreissStreben tragen die reich verzierte Stuckdecke.

Ein Juwel des rheinischen Rokoko

Bauherren des Wasserschlosses waren die Freiherrn von Rolshausen. 1757-1766 ließen sie das jetzige Herrenhaus errichten, das sie bereits 1850 an die Grafen von und zu Hoensbroech, ein altes rheinisches Adelsgeschlecht, verkauften. Diese wurden mit dem Schlosskauf zu Besitzern der größten Braunkohlengrube in Türnich, einem Erwerbszweig, den sie erfolgreich betrieben, bis das Brikettgeschäft zu Beginn des 20. Jahrhunderts stagnierte.

 

Um 1890 begann Reichsgraf und Marquis Franz-Eugen von und zu Hoensbroech mit Umbauten am Herrenhaus. Das Schloss ließ er mit weiteren Stukkaturen und Boiserien im Stil des sogenannten zweiten rheinischen Rokoko prachtvoll ausstatten.

 

Doch um diese Kostbarkeiten der Öffentlichkeit wieder zeigen zu können, bedarf es einer großen gemeinschaftlichen Anstrengung. Das von Wasser umgebende Gebäude steht auf einem teils weichen, teils festeren, kiesigen Untergrund. Und ganz nah am Rande des Braunkohlentagebaus. Der Abbau der Braunkohle erforderte in den fünfziger Jahren die Absenkung des Grundwassers. Das Schloss bekam dadurch so starke Risse, dass es auseinanderzubrechen drohte. 1980 wurde es mit stählernen Zugankern notgesichert. Der Zustand des Schlosses ist heute besorgniserregend. Der jahrzehntelange Leerstand, undichte Stellen im Dach und fehlende finanzielle Mittel tun ihr übriges. Was an Mobiliar und Raumschmuck nicht ausgelagert werden konnte, wurde abgedeckt. Seit Jahren durchzieht ein Wald aus hölzernen Stützstreben die Beletage. Mit Polstern versehen, schützen sie  den wertvollen Rokokostuck – bis der Tag kommen mag, an dem er restauriert werden kann.

 

Die gräfliche Familie sieht es als ihre Pflicht an, das Schloss zu bewahren und später für das Publikum zugänglich zu machen. So ist sie mit der Stadt Kerpen einen Treuhandvertrag eingegangen, der es der Stadt ermöglicht, auch mit öffentlichen Mitteln die Restaurierung des Schlosses zu fördern. Würde das Wasserschloss untergehen, wäre das ein tragischer Verlust.

 

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