
Beinahe wäre die Stadt Schmalkalden 1547 dem Erdboden gleichgemacht worden. Die Stadtbewohner hatten vom Schmalkadischen Krieg 1546 bis 1547 nichts gespürt, denn er wurde in Süddeutschland und Kursachsen ausgefochten. Doch der katholische Kaiser Karl V. war so sehr darüber erzürnt, zumal in der Stadt die Fürsten und Vertreter der Reichs- und Hansestädte tagten und ihre Position gegen die Katholiken und das Papsttum festlegten, dass er die Stadt völlig zerstören wollte. Ob dann das älteste Haus in der Weidebrunner Gasse 13 die Wirren der Geschichte überstanden hätte, steht in den Sternen.
Heute ist das ehemalige Handels- und Wohnhaus in einem ganz bedauerlichen Zustand, und die vielen Besucher des Thüringer Waldes und des nahegelegenen Rennsteigs gehen erschüttert oder kopfschüttelnd an dem im Erdgeschoss verbretterten, schon seit vielen Jahren leerstehenden Fachwerkgebäude vorüber. Denn das geschichtsträchtige Haus, das die Schmalkaldener nicht aufgeben möchten, weil sie an ihrem ältesten "Stück" sehr hängen, lässt sich nicht verstecken. Es steht direkt an einer der Durchfahrtsstraßen inmitten vieler bereits restaurierter Gebäude der Altstadt. Rund 90 Prozent der spätmittelalterlichen Fachwerkgebäude sind in Schmalkalden erhalten geblieben und viele davon, darunter auch das so genannte Lutherhaus von 1530, sind heute restauriert.
Das gibt Hoffnung auch für die Weidebrunner Gasse 13, ein Haus, dessen durchlässiges Dach wegen seines großen kulturhistorischen Wertes gleich nach der Wende mit öffentlichen Mitteln gesichert wurde. Das Gebäude gehört inzwischen der städtischen Wohnungsbau GmbH. Mittlerweile erarbeitete die Eigentümerin gemeinsam mit dem Architekten ein schlüssiges Konzept zur Nutzung des Hauses. Das überzeugte auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) und die treuhänderische Ernst-Ritter-Stiftung in der DSD, ab 2007 zu helfen. Es soll zunächst mit der statisch-konstruktiven Sicherung und der Reparatur der Dachkonstruktion, des Fachwerkgerüstes und der Decken, einer umfassenden Entrümpelung und dem Abbruch von Bretterwänden und Lattenverschlägen begonnen werden. Der Wohnungsbau GmbH schwebt eine Mischnutzung vor: Im Erdgeschoss könnte sie sich ein Geschäft vorstellen, das qualitätsvolle Handwerkserzeugnisse aus der Region anbietet, zusammen mit einer kleinen "Schauwerkstatt" hinter dem großen Ladenfenster.
Das Haus sollte als Museum öffentlich zugänglich sein und bei Stadtführungen als Station eingebunden werden, die anschaulich Auskunft über die Geschichte des Wohnens in Thüringen gibt. Im Obergeschoss wird eine Wohnung zu mieten sein.

Die bewegten Zeiten, als Schmalkalden Schauplatz der Reformation war und Martin Luther dort 1537 seine Schmalkaldischen Artikel - die abgesehen von den beiden Katechismen einzige protestantische Bekenntnisschrift - niederlegte, sind lange vorüber, und nur der Name der Stadt klingt bei Geschichtsinteressierten nach. Im Kern stammt das weit zur Straße vorragende, dreieinhalbgeschossige Gebäude aus dem 14. Jahrhundert (1369/70), damit zählt es zu den ältesten deutschen Häusern überhaupt. Die Mixtur von Ständer- und Stockwerkbauweise zeichnen das Fachwerkhaus als seltenes Zeugnis der Baukunst aus. Die an der Hofseite anschließenden Kellergewölbe gehen auf eine noch ältere Vorgängerbebauung zurück, die auf 1270 datiert wird.
Das Gebäude besaß ursprünglich ein Hallen-, ein Wohn- und ein Speichergeschoss und wurde nach den Bedürfnissen der jeweiligen Bewohner mehrfach umgebaut. Weil es den Eigentümern an finanziellen Mitteln mangelte, wurde immer nur schrittweise umgestaltet und das Haus niemals ganz entkernt. Zur Freude der Denkmalpfleger und Fachleute sind daher die verschiedenen historischen Zustände und auch die Überformungen deutlich ablesbar. Das hochmittelalterliche Fachwerkgefüge blieb erhalten, während die Geschosse neu eingeteilt wurden. Aufmerksamkeit erregen Wandmalereien aus dem Mittelalter, eine dem Verkauf dienende Fensteröffnung und eine Bohlen-Balken-Decke aus dem 16. Jahrhundert.
Wir bitten Sie um Ihre finanzielle Unterstützung, damit das älteste Fachwerkhaus in Schmalkalden für die Zukunft erhalten bleibt!