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Westhalle gesperrt!
© R. RossnerWesthalle gesperrt!

Als Pfarrer Beutel eines Morgens Putzbrocken auf dem Boden der Westhalle in der Gemeindekirche der Salzwedeler Neustadt entdeckte, war das Entsetzen groß, war doch die Kirchengemeinde bisher im Glauben, dass die Sanierungen gut verlaufen würden. Doch der schmiedeeiserne Zuganker, der bereits im 15. Jahrhundert nach der Fertigstellung der Kirche eingebaut wurde, hielt die starken Temperaturschwankungen der letzten Monate nicht aus. Er zog sich zusammen und gab schließlich nach, wodurch tiefe Risse im Gewölbe entstanden.

 

Die dreischiffige Backsteinbasilika wurde bereits 1280 erstmalig urkundlich erwähnt. Unter Verwendung älterer Bauteile wurde sie jedoch hauptsächlich erst im 14. und 15. Jahrhundert errichtet, da die Hansestadt zu dieser Zeit eine wirtschaftliche Blüte erlebte. Doch die Kirche, ganz in der Nähe des ehemaligen Hansehafens liegend, wurde wahrscheinlich auf sumpfigen Grund erbaut. Dadurch traten vermutlich bereits kurz nach der Fertigstellung die ersten Schäden auf und es mussten Zuganker im Gewölbe eingebaut werden, um ein Abdriften der Außenwände zu vermeiden.

 

 

Wegen ihrer reichen mittelalterlichen Ausstattung gehörte St. Katharinen jahrhundertelang zu den bedeutendsten Kirchen der Altmark. Zu den kunsthistorisch bedeutenden Ausstattungsstücken zählte unter anderem der prächtige spätgotische Hochaltar, der den Chor bis Mitte des 19. Jahrhunderts schmückte. Doch wegen einer dringend benötigten Restaurierung wurde das Stück an den Dom in Frankfurt am Main verkauft, wo er bis heute zu sehen ist. Seit 1981 steht im Chor von St. Katharinen wieder ein spätgotischer Altar, der aus der Klosterkirche von Dambeck stammt. Zu den weiteren bedeutenden Ausstattungsstücken gehören die gotischen Glasmalereien im Chor, welche die Schöpfungsgeschichte erzählen. Da sie in den 1930er Jahren ausgelagert wurden und erst 1978 wieder in die Kirche zurückgelangten, sind sie im Zweiten Weltkrieg nicht beschädigt worden. Dennoch war die Kirche in keinem guten Zustand, da seit der purifizierenden Instandsetzung 1844 nichts Wesentliches an dem Gebäude getan wurde.

 

Zuganker gerissen.
© R. RossnerZuganker gerissen.

In den 1950er Jahren begann man mit einer ersten notdürftigen Sicherung. Doch der Verfall war damit nicht aufzuhalten, da die Schäden im Dach bereits weit vorgeschritten waren. Die Bedeckung des Turmhelms war zerfetzt, Teile des Gebälks stachen heraus, einige Fenster waren zerstört, teilweise offen, oder mit Brettern vernagelt. Eine umfassende Restaurierung wurde begonnen und trotz der fehlenden staatlichen finanziellen Unterstützung schritt die Restaurierung schnell voran: Die benachbarte Marienkirche trat ihre Zuteilungen an die Katharinengemeinde ab, um das Kirchenschiff mit Ringankern sichern zu können und viele freiwillige Helfer unterstütze die Sanierung tatkräftig. 1975 konnte die Gemeinde schließlich im notdürftig wiederhergestellten Chorraum den ersten Gottesdienst nach vielen Jahren feiern. Der finanzielle Aufschwung für die Restaurierungen kam nach der Wende, als das Land, die Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt und im Jahr 2000 auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz Fördersummen bereitstellten. Die Sanierung des Baus war somit auf einen guten Weg gebracht worden. Doch obwohl das Zugsystem 2003 durch Fachleute kontrolliert wurde musste die Westhalle gesperrt werden, als der Zuganker unerwartet riss. Dies hat nicht nur Auswirkungen für die Kirchengemeinde, sondern auch für die gesamte Abiturientia in Salzwedel, die traditionell durch die Westhalle schreitet um ihre Zeugnisse im Chor entgegen zu nehmen.

 

Der Rückschlag bei den Arbeiten ist nun enorm – aufwändige Maßnahmen sind notwendig, um das Gewölbe zu sichern.  Helfen Sie nun mit Ihrer Spende die Kirche zu bewahren.

 

 

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