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Stadt- und Dorfkirchen brauchen Ihre Hilfe

In der beeindruckenden Ruine findet jedes Jahr der Zerbster Weihnachtsmarkt statt.
© ML PreissIn der beeindruckenden Ruine findet jedes Jahr der Zerbster Weihnachtsmarkt statt.

St. Nicolai erlitt während des Zweiten Weltkriegs das gleiche Schicksal wie so viele andere Kirchen auch: Bei einem Bombardement 1945 wurden 80 Prozent der Stadt Zerbst und die ehemals größte Hallenkirche Deutschlands fast vollständig zerstört. Die gotische Kirche ist Zeugin wichtiger religiöser Entwicklungen. Ihre Geschichte ist eng mit den Ideen Philipp Melanchthons verbunden, die zu einer Spaltung der evangelischen Christen in Lutherische und Reformierte geführt hat. Die Pfarrer der Nicolaikirche machten aus Zerbst ein Zentrum des reformierten Glaubens in Deutschland. Mit dem Amtsantritt des lutherisch erzogenen Fürsten Johann 1642 nutzten Anhänger beider Glaubensrichtungen St. Nicolai, was zu Streitereien führte. Diese wurden durch einen Vertrag beendet: St. Nicolai stand nun ausschließlich den Reformierten zur Verfügung, doch sie mussten sich finanziell am Bau einer lutherischen Kirche beteiligen. Erst im 19. Jahrhundert verschmolzen beide Konfessionen miteinander.

 

Während die meisten Kirchen im Westen Deutschlands jedoch nach dem Kriegsende wieder aufgebaut wurden, überließ man viele im Osten sich selbst. Manchmal gab man sie sogar, wie im Fall von St. Nicolai, zum Abbruch frei. Der konnte hier zwar durch Privatleute, Pfarrer und Denkmalpfleger verhindert werden. Die der Witterung ausgelieferte Kirchenruine nahm aber in den folgenden Jahren Schaden, das Mauerwerk stürzte an einigen Stellen ein. Um Schlimmeres zu verhindern, stellte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz direkt nach der Wende 300.000 Mark für erste Sicherungsmaßnahmen bereit. Wegen des großen Engagements des Förderkreises St. Nicolai Zerbst e.V. überlebte die Ruine. Bis heute konnten Außenmauern, die Mauerkrone, Fensterlaibungen und die Türme durch eingeworbene Mittel des Förderkreises gesichert werden. Außerdem wurde eine Aussichtsplattform zwischen den beiden Türmen errichtet. Viele haben seither die gesicherte Ruine des Kirchenschiffs besucht, in dem Konzerte und der Zerbster Weihnachtsmarkt veranstaltet werden.

 

Einige Baumaßnahmen sind noch zu bewältigen. 2007 stand die Restaurierung des historischen Geläuts an. St. Nicolai besitzt eine Gloriosa von 1378. Damit sie und vier weitere Glocken aus dem 15. und 16. Jahrhundert bald wieder erklingen konnten, unterstützte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz auch dieses Vorhaben.

 

Engagement für den Erhalt

Die Kirchengemeinden sind mehr denn je auf eine Förderung durch die Stiftung angewiesen, weil der Staat in den letzten Jahren die Mittel für den Denkmalschutz immer weiter reduziert hat. Ohne das große Engagement von Fördervereinen hätten viele bedürftige Kirchen kaum eine Chance. Um Mittel für die Sanierung zu bekommen, veranstalten sie Konzerte und Feste. Sie verkaufen selbstgebackenen Kuchen und manchmal kleine, von ihnen gestaltete Kunstwerke.

Doch selbst wenn dadurch einige Tausend Euro zusammenkommen, reicht das bei weitem nicht, um den Kirchen ihren alten Glanz zurückzugeben. Das kann nur durch die finanzielle Unterstützung von Landeskirchen, Landesdenkmalämtern, Landkreisen, Städten und Gemeinden, Stiftungen und Organisationen gemeinsam geschafft werden. Dank ihrer treuen Spender und der Mittel aus der Lotterie GlücksSpirale konnte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bislang die Sanierung mehr als 1.000 Kirchen unterstützen.

 

Nicht zuletzt wegen der vielen Kirchenaustritte sind auch die westlichen Bistümer und Landeskirchen heute in einer schwierigen finanziellen Situation. Gemeinden werden zusammengelegt, Kirchen geschlossen und manchmal sogar abgerissen. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz fördert daher verstärkt auch in den westlichen Bundesländern.

 

Der Künstler Fritz Risken sensibilisiert jeden Besucher seines Ateliers in der Soester Brunsteinkapelle für die notwendige Sanierung des Baus.
© R. RossnerDer Künstler Fritz Risken sensibilisiert jeden Besucher seines Ateliers in der Soester Brunsteinkapelle für die notwendige Sanierung des Baus.

Brunsteinkapelle in Soest

So möchte sie etwa die Brunsteinkapelle im westfälischen Soest in ihr Programm aufnehmen, die aus grünem Sandstein besteht. Das poröse Baumaterial bedroht die Standfestigkeit der äußeren Stützpfeiler. Außerdem verschieben sich die Deckenträger im Altarraum der Kapelle, und die hölzernen Deckenbalken sind durch Wasser geschädigt.

Von den einst 25 Kapellen in Soest gibt es heute nur noch zwei. Die nach der Stifterfamilie Brunstein benannte wurde wohl Anfang des 15. Jahrhunderts errichtet. Sie gehört seit 1890 der evangelischen Petri-Pauli-Kirchengemeinde, die sie vor acht Jahren dem Künstler Fritz Risken als Atelier überließ. Risken sieht sich als "Seismograph" des Gebäudes und beobachtet genau die zunehmenden Schäden. An Ideen zur Pflege des Gebäudes mangelt es ihm nicht: Die städtische Feuerwehr ist zum Beispiel auf seinen Vorschlag eingegangen, die jährliche Feuerwehrübung an der Kapelle durchzuführen und dabei gleichzeitig kostenlos die Dachrinnen zu reinigen.

 

Die Stiftung möchte gern dazu beitragen, die wertvolle Brunsteinkapelle zu retten. Es liegen ihr aber auch zahlreiche Anträge aus den östlichen Bundesländern vor. Dort stagniert die Sanierung vieler Kirchen, vor allem seit der Streichung des Bundes-Förderprogramms "Dach und Fach" im Jahr 2003. Überhaupt hat der Staat die Förderung des Denkmalschutzes in ganz Deutschland immer weiter zurückgeschraubt. Seither gehen noch mehr Hilferufe bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ein. Da ihr Etat begrenzt ist, muss sie aber inzwischen vier von fünf Förderanträgen ablehnen. Die Stiftung ist daher mehr denn je auf Ihre Unterstützung angewiesen, um den Städten, Dörfern, Kirchengemeinden und Fördervereinen bei der Bewahrung ihrer Kirchen unter die Arme zu greifen.

 

 

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