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Erst in den neunziger Jahren geriet das Schloss Goldenbow in diesen Zustand.

Eine Stiftung gegen den Verfall mecklenburgischer Gutshäuser

Mecklenburg-Vorpommern ist reich an Herrenhäusern und Gutsanlagen. Einige von ihnen sind heute in so ruinösem Zustand, dass ihr früherer Glanz nur schwer vorstellbar ist. Die Steine erzählen dennoch ihre Geschichten über die Menschen, die seit Generationen dort gelebt haben. Eine davon ist die des Schlosses Goldenbow. Das südlich von Wittenburg im Einzugsgebiet von Hamburg, Lüneburg und Schwerin gelegene Schloss gehörte alteingesessenen mecklenburgischen Familien, wie ab 1384 den von Lützows. Der Goldenbower Zweig der Familie von Lützow trat zum Katholizismus über und stand im Dreißigjährigen Krieg auf Seiten Kaiser Ferdinands III., der ihr für ihre Verdienste den Freiherrentitel verlieh. Der Erbauer des Herrenhauses war Kurt Freiherr von Lützow, der 1670 das Gut geerbt hatte. 1696 wurde das kleine, durch die siebenachsige Hauptfassade herrschaftlich wirkende Gutshaus fertiggestellt. Auf einem hohen Granitsockel erheben sich zwei Geschosse, die einst ein Walmdach trugen. Vier Kolossalpilaster mit vorkragendem Gesims gliedern die Fassaden des verputzten Backsteinbaus. Auch in seinem ruinösen Zustand ist zu erkennen, dass die ursprüngliche Raumgliederung des frühbarocken Herrenhauses, das in seiner Bauzier holländische Einflüsse zeigt, kaum verändert wurde. Kurt von Lützow war offensichtlich ein überzeugter Katholik: An der Hauptfassade gab er weithin sichtbar seiner Religiosität Ausdruck, indem er aus glasierten Ziegelsteinen „Omnia ad Maiorem Dei Gloriam“ (Alles zum höherem Ruhme Gottes) und an den Seitenfassaden „Maria“ und „Giosep“ einschreiben ließ. 1756 ging das Herrenhaus an die Familie von Schilden über, die die Eingangshalle mit einer prachtvollen Treppe nach englischem Vorbild versehen ließ. 1852 schließlich erbte Jasper von Bülow die Güter. 1862 ließ er das Goldenbower Gutshaus restaurieren und vier Ziergiebel ansetzen, die in den neunziger Jahren abgetragen wurden. Nach der Enteignung der Familie von Bülow 1945 wurde Goldenbow 1951 zusammen mit 20 weiteren Gebäuden unter besonderen Schutz gestellt und entging dadurch dem Abriss. Mit Schloss Rossewitz zählt es zu den wenigen erhaltenen Herrenhäusern aus dem 17. Jahrhundert in Mecklenburg. Das Gut wandelte man zur LPG „Goldene Ähre“ um, im Herrenhaus, in dem Flüchtlinge wohnten, wurden zeitweise ein Konsum-Markt, eine Poststelle sowie ein Kulturraum eingerichtet. Seit 1980 steht das Gebäude leer. Nach der Wiedervereinigung wurde das Herrenhaus, wie so viele andere auch, von der Treuhand abgewickelt, als Spekulationsobjekt mehrfach verkauft und verfiel rapide weiter. Der letzte Besitzer stellte einen Abrissantrag, um das Grundstück als Bauland ausweisen zu können. Der Antrag wurde genehmigt, doch zum Glück ergriff Claus Vogt Gegenmaßnahmen: Der ehemalige Stadtplaner hat 2003, unterstützt von Gleichgesinnten, eine Stiftung in der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gegründet.

 

Ihr Name "Stiftung Herrenhäuser und Gutsanlagen in Mecklenburg-Vorpommern" verweist auf ihren Wirkungskreis und auf die große Aufgabe, möglichst viele der über 1.000 Herrenhäuser zu bewahren — vor allem diejenigen, die sich in einem besonders traurigen Zustand befinden. Der Stiftung gelang es im Sommer 2005 mit viel Überzeugungsarbeit um den Denkmalwert der Ruine, das Herrenhaus Goldenbow zu erwerben und vor dem Untergang zu retten. Jetzt muss die Ruine gesichert werden, damit sie nach dem Wunsch der Stiftung später wieder mit Leben erfüllt werden kann. Bis dahin ist es noch ein langer Weg, viele Mitstreiter werden gesucht. Dennoch hat für Schloss Goldenbow schon jetzt eine weitere — ermutigende — Episode in seiner jahrhundertealten Geschichte begonnen.

 

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