Ahrtal-Brücken in Gefahr
Abriss droht

Unser Einsatz für die vier denkmalgeschützten Ahrtal-Brücken

Nach der verheerenden Hochwasserkatastrophe 2021 gerieten die vier denkmalgeschützten Brücken im besonders stark betroffenen Ahrtal immer wieder ins Zentrum der Diskussion. Die Fragestellungen reichten dabei von Auswirkungen der Brückenbauten auf die Hochwasserentwicklung bis hin zu Forderungen nach Abriss und Neubau.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat zur Klärung der Sachlage und Zukunft der Denkmale unabhängige Gutachten in Auftrag gegeben: Nun steht fest, dass der Erhalt der Brücken nicht nur aus historischen, sondern auch aus ökonomischen Gründen sinnvoll und machbar ist. Und dass es an den Brücken bei entsprechenden vorbeugenden Schutzmaßnahmen beim Hochwassermanagement nicht zu gefährlichen Aufstauungen der Wassermassen kommt. Deshalb setzen wir uns für die historischen Ahrtal-Brücken ein!
 

Lesen Sie hier die von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Auftrag gegebenen Gutachten


Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz in Aktion


Stellungnahmen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz

Pressemeldung: Deutsche Stiftung Denkmalschutz mahnt echten Schutz für das Ahrtal an vom 22.12.2022

22. Dezember 2022

Deutsche Stiftung Denkmalschutz mahnt echten Schutz für das Ahrtal an
Mahnwache an der Nepomuk-Brücke in Rech will Scheinlösung nicht akzeptieren

Mit einer Mahnwache an der Nepomuk-Brücke in Rech hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz am heutigen Nachmittag mit rund 70 Mitstreitern ein Zeichen gegen den geplanten Abbruch der Brücke gesetzt. Eine Scheinlösung helfe nicht, so Stiftungs-Vorstand Dr. Steffen Skudelny, denn die historischen Ahrbrücken seien nur bedroht, weil eine übergeordnetes Hochwassermanagement bis heute fehle. Nur eine Gesamt-Strategie für das ganze Ahrtal könne die Zukunft und Sicherheit garantieren. Derzeit zeigten unkoordinierte Einzelmaßnahmen die Hilfslosigkeit der Ortsgemeinden, die von den Verantwortlichen in Mainz allein gelassen würden. „Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ruft daher die Landespolitik eindringlich dazu auf, ihre Hausaufgaben zu machen!“

Derzeit ist gerade die Nepomuk-Brücke in Rech akut gefährdet, weil dort die Umsetzung der Abbruch-Genehmigung des Landkreises für Anfang 2023 angekündigt wurde. Laut eines von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz vorgelegten Gutachtens kann die Brücke jedoch ohne großen Aufwand gesichert und erhalten bleiben.

Der Erhalt der Brückenlandschaft und der Hochwasserschutz sind zwei untrennbare Aspekte eines Gesamtkonzeptes, die im Zusammenhang zu sehen sind. Ein solches Konzept muss den gesamten Ahrverlauf in Betracht ziehen und Maßnahmen zur Gefahrenabwehr weit über die eingeschränkten Möglichkeiten der Ortsgemeinden hinaus berücksichtigen. Entsprechend hat sich der Vorstand der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in einem „Brücken-Brief“ direkt an die Bewohner von Rech gewandt.

Erst unlängst hatten sich Recher Bürger an die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer als „letzter Hoffnung“ gewandt, um die 300 Jahre alte Brücke, ein einzigartiges kulturelles Erbe der Region, vor dem unmittelbar bevorstehenden Abbruch zu bewahren. Der Beschluss zum Abriss der Nepomuk-Brücke war auch im Gemeinderat umstritten. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat diesen Einsatz der Bürger vor Ort begrüßt. Nicht der Brückenabriss sei die Lösung, sondern nur ein überregionales Gesamtkonzept, so der Stiftungsvorstand Dr. Steffen Skudelny.

offener Brief: Deutsche Stiftung Denkmalschutz wendet sich in einem „Brücken-Brief“ an die Bürger von Rech vom 21.12.2022

21. Dezember 2022

Deutsche Stiftung Denkmalschutz wendet sich in einem „Brücken-Brief“ an die Bürger von Rech
Brückenabriss ist nur Scheinlösung, nur ein Gesamtkonzept bietet Lebensschutz

Kurzfassung: Die Vorstände der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Dr. Steffen Skudelny und Lutz Heitmüller, haben sich besorgt in einem dreiseitigen Brief an die Bürger in Rech gewandt und sie gebeten, sich nicht mit Scheinlösungen wie einem Brückenabriss zufriedenzugeben. Nur ein inzwischen von vielen Fachleuten gefordertes übergeordnetes Hochwasserkonzept für das gesamte Ahrtal von der Quelle bis zur Mündung könne wirklich Leben schützen. Dafür seien alle Ursachen für die Hochwasserbildung in den Blick zu nehmen. Die Verantwortlichen hätten bereits über Jahrzehnte versäumt, die erforderlichen und bekannten Flutsicherungsmaßnahmen umzusetzen, dieses Nicht-Handeln dürfe sich nicht weiter fortsetzen. Hier sei unbedingt die Koordination der Landesregierung gefordert.

Langfassung: Die Vorstände der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Dr. Steffen Skudelny und Lutz Heitmüller, haben sich in einem besorgten dreiseitigen Brief an die Bürger in Rech gewandt und sie darin gebeten, sich nicht mit Scheinlösungen wie dem Brückenabriss zufriedenzugeben. Nur ein inzwischen von vielen Fachleuten gefordertes übergeordnetes Hochwasserkonzept für das gesamte Ahrtal von der Quelle bis zur Mündung könne wirklich Leben schützen. Dafür seien alle Ursachen für die Hochwas-serbildung in den Blick zu nehmen.

Das Schreiben, das mit dem Hinweis auf die bereits vor Ort geleistete Hilfe der privaten Denkmalschutzstiftung in Millionenhöhe beginnt, ist von der deutlichen Sorge um die Zukunft des Ahrtals und seiner Bewohner bestimmt: „Gemeinsam mit vielen Experten sind wir überzeugt: der Abriss der wenigen noch verbliebenen historischen Brücken im Ahrtal ist ein Fehler, denn er behebt die Hochwasser-Problematik – anders als es oftmals dargestellt wird - NICHT!” Auch wenn es verlockend sei, die Brücken zum Sündenbock zu machen, bedürfe es gegen die Gefahren der auch in Zukunft zu erwartenden Flut- und Hochwasserkatastrophen eines überregionalen Schutzkonzeptes für das gesamte Ahrtal. Das müsse die Landesregierung vorantreiben, die die einzelnen Ortsgemeinden nicht im Stich lassen dürfe.

Alle Ursachen für Hochwasserbildungen müssten in den Blick genommen werden. Denn diese Problematik „kann nicht in einem einzelnen Ort verbessert und geändert werden, sondern muss über den gesamten Flusslauf hin betrachtet werden.“ Notwendige Maßnahmen „wie Flussbetterweiterungen bzw. -vertiefungen oder ausreichende Ausweichflächen wie Auenwiesen“, seien bereits in der Vergangenheit versäumt und ignoriert worden. Dieses unverantwortliche Nicht-Handeln dürfe sich nicht weiter fortsetzen.

Skudelny und Heitmüller weisen dann auf die Bedeutung der zum Abbruch freigegebenen Nepomuk-Brücke in Rech hin. Als Wahrzeichen der Region sei die Brücke „mit ihrer 300jährigen Geschichte eine der schönsten und ältesten Brücken an der Ahr“. Sie ließe sich unkompliziert als Mahnmal erhalten. Daher appellieren die Vorstände an die Bevölkerung: „Bevor diese einzigartige Brücke unwiederbringlich abgerissen ist, sollte sie – auch und vor allem um der Sicherheit der Menschen willen, die hier leben – es uns doch wenigstens wert sein, dass sich mit allen Argumenten und den eigentlichen Hochwasserursachen auseinandergesetzt wird.” Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bietet sich an, die erforderlichen Maßnahmen zur Notsicherung und zum Winterschutz der Brücke finanziell zu tragen, „um Zeit für Überlegungen zu schenken“. Das ist der Bonner Stiftung auch deswegen wichtig, damit die Geschichte des Ortes nicht zum Bauernopfer wird.

In der Diskussion über den zügigen Abriss der Nepomuk-Brücke in Rech hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz Rückendeckung von Wissenschaftlern der Hochschule Koblenz und der RWTH Aachen erhalten. Das Flutgeschehen habe das Flussbett und damit die hydrologische Wirkung der Uferbereiche, deren Befestigungen und Bebauungen völlig verändert. Diese neue Situation müsse gründlich erfasst und ausgewertet werden. Versuche, das alte Flussbett wiederherzustellen oder gar weiter einzuengen sowie andere Einzelmaßnahmen, etwa der Abbruch der Nepomuk-Brücke in Rech, seien – so die Wissenschaftler – ohne umfassende Untersuchungen der Auswirkungen nicht zielführend.

Pressemeldung: Recher Bürger bangen um ihre Brücke und wenden sich an Malu Dreyer vom 16.12.2022

16. Dezember 2022

„Sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin, Sie sind unsere letzte Hoffnung“
Recher Bürger bangen um ihre Brücke und wenden sich an Malu Dreyer

Kurzfassung: Elfriede Mittag, Bürgerin aus Rech an der Ahr, hat sich an die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer als „letzter Hoffnung“ gewandt und die beliebte Politikerin gebeten, sich persönlich für den Erhalt der Nepomuk-Brücke in Rech einzusetzen. Dem Schreiben beigefügt war eine Unterschriftenliste, die über 70 der insgesamt 524 Recher Bürger unterzeichnet haben. „Je weiter das Ereignis zurückliegt, umso differenzierter sehen die Bewohnerinnen und Bewohner unseres Dorfes die Ursachen der Zerstörungen und die Möglichkeiten der Erhaltung dieses besonderen Bauwerkes.“ Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) begrüßt den Einsatz der Bürger vor Ort. Nicht der Brückenabriss sei die Lösung, so die DSD, sondern nur ein überregionales Gesamtkonzept könne auch in Zukunft das Leben der Menschen an der Ahr schützen.

Langfassung: Elfriede Mittag, Bürgerin aus Rech an der Ahr, hat sich jetzt im Namen ihrer Seniorengruppe an die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer als „letzter Hoffnung“ gewandt und die beliebte Politikerin gebeten, sich persönlich für den Erhalt der Nepomuk-Brücke in Rech einzusetzen: „Bitte retten Sie unsere 300 Jahre alte, denkmalgeschützte Brücke, ein einzigartiges kulturelles Erbe unserer Region, vor dem unmittelbar bevorstehenden Abriss“.

Dem Schreiben beigefügt war eine Unterschriftenliste, die über 70 der insgesamt 524 Recher Bürger unterzeichnet haben. Der Beschluss zum Abriss der Recher Brücke war auch im Gemeinderat heftig umstritten. Wohl die Hälfte der Ortsangehörigen möchte wie die Briefschreiberin das Kulturdenkmal gerettet wissen. Mittag fährt fort, dass es „psychologisch verständlich“ sei, dass der Gemeinderat im Jahr der Flut unter dem traumatischen Eindruck der schrecklichen Flutnacht beschlossen habe, die Brücke müsse weg! Als Sündenbock für die verheerenden Verwüstungen im Dorf sei der Gedanke „Ist sie weg, kann uns bei der nächsten Flut nichts mehr passieren“ erklärlich. Doch „je weiter das Ereignis zurückliegt, umso differenzierter sehen die Bewohnerinnen und Bewohner unseres Dorfes die Ursachen der Zerstörungen und die Möglichkeiten der Erhaltung dieses besonderen Bauwerkes.“

Die Unterschriftenliste gebe ein zutreffendes Stimmungsbild. Viele Recher möchten ihre Brücke behalten: „Deutlich wurde das Unverständnis vieler Unterzeichner für das angeblich alternativlose Prüfungsergebnis der zuständigen Behörden, da es mittlerweile verschiedene Expertenmeinungen gibt. Völliges Unverständnis gibt es für die Haltung der Denkmalschutzbehörden, die dem Abriss zugestimmt haben, ohne daß es für uns erkennbar Überlegungen gegeben hätte, das beschädigte Bauwerk, wenn schon nicht als Flußüberquerung, es doch als Denkmal zu sichern, um unsere Geschichte lebendig zu erhalten.“

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz begrüßt den Einsatz der Bürger vor Ort. Mit einem Gutachten, dessen Kenntnisnahme und Diskussion bei den politisch Verantwortlichen ignoriert wird, hat sie jüngst einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Ahrtalbevölkerung geleistet. Nicht der Brückenabriss sei die Lösung, so die DSD, sondern nur ein überregionales Gesamtkonzept könne auch in Zukunft das Leben der Menschen an der Ahr schützen.

Die Unterzeichner des Schreibens an die Ministerpräsidentin bitten nun im Einklang mit den Überzeugungen und Mahnrufen der Denkmalschutzstiftung darum, dass „die Genehmigung der Kreisbehörde zum Abriss kurzfristig zurückgezogen werden könnte, um Zeit für bessere Lösungen zu gewinnen, ehe das Denkmal unwiederbringlich auf dem Schutthaufen landet“.

Pressemeldung: Deutsche Stiftung Denkmalschutz erhält Unterstützung von Wissenschaftlern der Hochschule Koblenz und der RWTH Aachen vom 12.12.2022

12. Dezember 2022

Wissenschaftler fordern Zeit und eine überfällige Koordination im Ahrtal
Deutsche Stiftung Denkmalschutz erhält Unterstützung für bedachtes Vorgehen

In der Diskussion über den zügigen Abriss der Nepomuk-Brücke in Rech erhält die Deutsche Stiftung Denkmalschutz Rückendeckung von Wissenschaftlern der Hochschule Koblenz und der RWTH Aachen. Verbunden mit dem dringenden Appell an die Landesregierung für eine überregionale Koordinierung der Hochwasserschutzmaßnahmen im gesamten Ahrtal verweisen die Professoren Ulrike Kirchner, Dr. Holger Schüttrumpf und Dr. Lothar Kirschbauer des KAHR-Projektes (Klima-Anpassung, Hochwasser und Resilienz) und des Kompetenznetzwerk WfdW (Wissenschaft für den Wiederaufbau) auf die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen – und der dafür nötigen Zeit. 

Durch das Flutgeschehen ist das Flussbett und damit die hydrologische Wirkung der Uferbereiche, deren Befestigungen und Bebauungen völlig verändert worden. Diese neue Situation muss gründlich erfasst und ausgewertet werden. Versuche, das alte Flussbett wiederherzustellen oder gar weiter einzuengen sowie andere Einzelmaßnahmen wie der Abbruch der Nepomuk-Brücke in Rech seien ohne umfassende Untersuchungen der Auswirkungen nicht zielführend. „Wir brauchen eine „Vision Ahrtal 2050“, damit mittel- und langfristige Maßnahmen sinnvoll ineinandergreifen“, so Holger Schüttrumpf. 

Bezogen auf die Abbruchabsichten der Brücke in Rech stellt die private Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) nochmals klar, dass sie bereit wäre, die Notsicherung einschließlich der Fundamente zu finanzieren, um Zeit für die erforderlichen Untersuchungen zu schaffen. Dabei geht es ausdrücklich um die Bewahrung der Ruine der Brücke als Denkmal und Mahnmal, nicht um den Wiederaufbau des verlorenen Brückenbogens.

Auch die denkmalgerechte Bewahrung der Brückenruine würde die Stiftung nach angemessenen Voruntersuchungen erheblich fördern, und die schon von so vielen Verlusten betroffenen Bewohner Rechs bei der Bewahrung ihres Wahrzeichens zu unterstützen.

Die DSD hatte im November Gutachten des Wasserbauers und Ingenieurs Gregor Stolarski zu den vier denkmalgeschützten Ahrtalbrücken vorgelegt, die die konstruktiven Erhaltungsmöglichkeiten belegen. Akut notwendige Maßnahmen sind die Beseitigung der akuten Flutschäden, insbesondere bei der Wiederherstellung der Gründungen, der Fundamentsohlen und des Kolkschutzes. In Verbindung mit den wasserwirtschaftlichen Aspekten der Universitäts-Institute sind die Gutachten eine wichtige Grundlage bei der Diskussion konkreter Nutzugsoptionen in einem Gesamtkonzept.

„Diese fachliche Diskussion muss im Sinne der Bewohner des Ahrtals transparent und öffentlich geführt werden. Nur so kann eine Strategie für das gesamte Ahrtal entstehen, die bestmögliche Sicherheit für die Zukunft Aller statt unkoordinierte Einzelmaßnahmen und ziellose Partikularinteressen zur Folge hat. Die Landespolitik ist hier sehr viel deutlicher als bisher gefragt!“, fordert Stiftungsvorstand Dr. Steffen Skudelny auch in Richtung Landesregierung.

Pressemeldung: Bürgermeister von Rech ignoriert Rettungsmöglichkeit für die Nepomuk-Brücke und unterlässt seit Monaten erforderliche Sicherungsmaßnahmen vom 28.11.2022

28. November 2022

Dringende übergreifende Maßnahmen zum Hochwasserschutz im Ahrtal sind laut DSD weiterhin nicht erkennbar

Die Veröffentlichung des „Bürgerbriefs Drei vom 28.11.2022“ des Ortsbürgermeisters von Rech, Benjamin Vrijdaghs, hat bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) zu Entsetzen geführt. In seinem Bürgerbrief hat der Ortsbürgermeister unrichtige Behauptungen aufgestellt. „Dies sei umso bedauerlicher“, so DSD-Vorstand Dr. Steffen Skudelny, „als unkorrekte Äußerungen die Bevölkerung, die durch die Flut großes Leid erfahren haben, weiter unnötig verunsichern.“

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hatte vor kurzem mit einem Gutachten belegt, dass sich die historischen Brücken im Ahrtal, insbesondere auch die Nepomuk Brücke in Rech, erhalten lassen. Vrijdagh, der Mitte November schon einmal die Entgegennahme des Gutachtens kurzfristig absagte, bat dann aber vor wenigen Tagen die DSD und den von ihr beauftragen Gutachter, Dipl.-Ing. Gregor Stolarski, um einen Informationstermin im Gemeinderat. Nun hat sich der Ortsbürgermeister wohl wieder umstimmen lassen und veröffentlicht in seinem dritten Gemeindebrief unrichtige Behauptungen zum DSD-Gutachten, dessen Vorstellung im Gemeinderat er kurz darauf absagte. Vrijdagh hat gleichzeitig angekündigt, dass die Gemeinde den genehmigten Abriss der Nepomuk-Brücke, des Wahrzeichens des Ortes Rech, nun vollziehen wird.

Für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist das eine äußerst fatale und unseriöse Entwicklung. Gegen gewichtige Argumente eines Gegengutachtens, das man nicht zur Kenntnis nehmen möchte, weil die Ergebnisse möglicherweise nicht gefallen, sollen par ordre de Mufti Tatsachen geschaffen werden.

Bereits vor mehr als einem Jahr haben Taucher in Dümpelfeld und Rech die historischen Ahrbrücken untersucht und ihre Ergebnisse liegen auch den zuständigen Stellen vor. Seitdem ist bekannt, dass die Fundamente der Brücken umgehend notgesichert werden müssen – was ohne Weiteres und zu überaus vertretbaren Kosten machbar ist. Trotz dieses Wissens und trotz konkreter finanzieller Hilfsangebote der Deutschen Stiftung Denkmalschutz wurde jedoch nichts weiter zur Sicherung unternommen.

Mit dem neuen Bürgerbrief nun so zu tun, als sei eine neue Gefahrenlage erkannt worden, die zudem das Gutachten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz „unbrauchbar“ mache, sei „eine Verdrehung der längst bekannten Tatsachen“, so DSD-Vorstand Dr. Steffen Skudelny. Unverständnis äußert auch der LGA-Sachverständige und Leiter Historische Bauwerke, Dipl.-Ing. Gregor Stolarski, der für das DSD-Gutachten verantwortlich zeichnet. Denn im Gutachten wurden die Taucherberichte ebenso berücksichtigt wie der dringende Sicherungsbedarf unzweideutig festgestellt.

Warum die obere Landesbehörde nicht tätig geworden ist, darüber lässt sich nur spekulieren. Im schlimmsten Fall wurden die Arbeiten im Hin und Her des Taktierens um den Abbruch der Brücken bislang nicht umgesetzt. Dabei gehört die Gefahrenabwehr an den Brückenfundamenten zur „obersten Pflicht der Gemeinden,“ bemerkt Brückenfachmann Stolarski. Die zuständigen Stellen hätten – auch unbeschadet der laufenden Anträge zum Abbruch – die Löcher in der Sohle der Brücken längst schließen müssen. Diese Vernachlässigung ist ein außerordentlicher Verantwortungsmangel.

Das von der DSD beauftrage Gutachten verweist hingegen auf die Erhaltungsfähigkeit der Brücke unter Voraussetzung begleitender Maßnahmen des Hochwasserschutzes im gesamten Ahrtal. Denn der Abriss der jahrhundertealten Brücke in Rech sei nicht der Baustein, der sicherstelle, dass künftig keine verheerenden Flutkatastrophen mehr zu befürchten seien. Sehr wohl aber lasse sich im Kontext eines Gesamtkonzepts Hochwasserschutz Ahrtal das regionale Wahrzeichen Nepomuk-Brücke dauerhaft retten. Doch gerade um ein solches Gesamtkonzept kümmere sich zur großen Sorge der DSD derzeit anscheinend niemand. Jedenfalls sei der Abbruch der Ahrtalbrücken nicht die Lösung. Dafür bedürfe es entschlossenen Handelns in den Bereichen Ufer, Auen, Rückhaltetechniken usw., wie sie im Gutachten von Stolarski aufgeführt seien.

Skudelny teilte nach Bekanntwerden des Bürgerbriefs dem Ortsbürgermeister umgehend mit, dass die Rückschlüsse, die in dem Bürgerbrief Drei zu lesen sind, zu widerlegen seien. Der DSD-Vorstand schlussfolgert: „Eine gute Entscheidung für die Region, für den Ort und für die Brücke kann nur stattfinden, wenn alle Erkenntnisse transparent auf dem Tisch liegen und eine zielgerichtete Diskussion erfolgt“.

offene Briefe: Fachgutachten zu den denkmalgeschützten Ahrtalbrücken vom 22.11.2022

Am 22.11.2022 versendete die Deutsche Stiftung Denkmalschutz diesen offenen Brief an zahlreiche Adressaten aus Politik und anderen Verantwortlichen vor Ort:

"Seit der verheerenden Flut im Ahrtal hat sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) als private Stiftung schnell und unbürokratisch bei der Unterstützung der betroffenen Denkmaleigentümer eingesetzt. Entsprechend ihrer Zielsetzung hat sie insbesondere bei der Rettung und Wiederherstellung geschädigter denkmalgeschützter Häuser und Bauten geholfen. Hier halfen wir angesichts der Notlage in erster Linie den Menschen, die ihr Dach über dem Kopf verloren haben. Zudem prägen diese Bauwerke seit Jahrhunderten ganz wesentlich den einzigartigen Charakter des Ahrtals als Kulturlandschaft und touristische Destination – und verdienen daher alle unsere Anstrengungen zu ihrem Erhalt! 

Schon früh haben wir uns auch an der Debatte um den Erhalt und die Rettung der vier denkmalgeschützten Brücken in Dernau, Dümpelfeld, Schuld und Rech beteiligt und für den Erhalt dieser Wahrzeichen des Ahrtals und Symbole der Standhaftigkeit geworben. Nachdem schnell erste Gutachten auf schmaler Grundlage kursierten, die den Abbruch empfahlen, hat die DSD auf ihre Kosten ein Gutachten zu Erhaltungsmöglichkeiten unter Berücksichtigung des Hochwasserschutzes in Auftrag gegeben, um die Ideen eines bewahrenden Umgangs mit den Brücken mit sicheren Erkenntnissen zu unterfüttern. Das Gutachten des Sachverständigen und Brückenfachmanns Dipl.-Ing. Gregor Stolarski haben wir Ihnen am 16.November auf diesem Wege zukommen lassen. Sein erfreuliches Fazit lautet: der Erhalt der Brücken ist unproblematisch, machbar und ökonomisch sinnvoll!

Die fast zeitgleich veröffentlichte Abrissgenehmigung für die Nepomuk-Brücke in Rech scheint uns durch die neuen Ergebnisse des Gutachtens unbedingt überdacht und neu bewertet werden zu müssen. Unsere Stiftung ist bereit, auch weitere Untersuchungsmaßnahmen zur Bewahrung der Brücken sowie die Umsetzung von Instandsetzungsmaßnahmen zu fördern.

Die Diskussion um die Brücken täuscht darüber hinweg, dass nicht diese der Grund für den verheerenden Ausgang des Flut-Unglücks war, sondern übergreifende Maßnahmen des Hochwasserschutzes bislang fehlen. Er muss dort erfolgen, wo er maximalen Nutzen erzielt, ohne die ganze Kulturlandschaft des Ahrtals zu zerstören, deren immanente Bestandteile die historischen Brückenbauten sind.

In den ersten Gesprächen zu den Gutachten vor Ort in Dernau und Rech wurde deutlich, dass es vor Ort eine große Orientierungslosigkeit gibt. Es fehlt an Fachwissen und ganz offensichtlich an einer ausreichenden Kommunikation zu einer übergreifenden Projektplanung für den Hochwasserschutz. Die Fragen des Hochwasserschutzmanagements können nur im gemeinsamen Planen auf überregionaler Ebene beantwortet werden. Diese Fragen dürfen nicht auf die einzelnen Ortsbürgermeister abgeladen werden. Hier besteht dringender Handlungsbedarf an einer umfassenden, organisatorischen, fachlichen und finanziellen Unterstützung durch das Land. Eine solche Strategie, bei der die Ortsgemeinden und ihre Bürger sich mitgenommen fühlen – auch bei möglichweise schwierigen Maßnahmen! – ist auch aus Sicht der Gutachter und Fachleute, die sich bei uns zu Wort gemeldet haben, unbedingt nötig.

Aufgrund der aktuell Fahrt aufnehmenden öffentlichen Berichterstattung wollen wir die kulturellen, denkmalpflegerischen und touristischen Aspekte stärker in die Debatte einbringen und haben daher die Gutachten auf der Internetseite der Deutschen Stiftung Denkmalschutz zugänglich gemacht. Außerdem erlauben wir uns daher, dieses Schreiben als konstruktiven Beitrag zur Diskussion und Kommunikation als „offenen Brief“ an weitere Fachleute, Initiativen und die Presse weiterzuleiten.

Wir stehen gerne für Rückfragen oder Erläuterungsgespräche gemeinsam mit dem Gutachter, Herrn Stolarski, zur Verfügung – gerne auch unter Beteiligung der Ortsgemeinden und ihrer Bürger.

Steffen Skudelny

Vorstand der Deutschen Stiftung Denkmalschutz"

Pressemeldung zum Appell gegen den Abriss der historischen Nepomukbrücke in Rech vom 17.11.2022

17. November 2022

Deutsche Stiftung Denkmalschutz schlägt Alarm
Massive Kritik an Abrissplan der Nepomukbrücke in Rech

Die Abrissgenehmigung der Kreisverwaltung für die historische und denkmalgeschützte Brücke in Rech hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) alarmiert - sie übt deutliche Kritik an dieser „historischen Fehlentscheidung“. Die Zustellung der Genehmigung erklärt jedoch, warum Ortsbürgermeister Benjamin Vrijdaghs kurzfristig einen vereinbarten Termin für den morgigen Freitag mit der DSD absagte, an dem ihm die Leiterin der Denkmalförderung der Stiftung, Annette Liebeskind, das von der Stiftung in Auftrag gegebene Gutachten des Brücken-Fachmanns und Tragwerksplaners Dipl.-Ing. Gregor Stolarski zu den Erhaltungsmöglichkeiten überreichen und erläutern wollte. „Alternative Ansätze will man offensichtlich nicht einmal mehr anhören“, so Stiftungsvorstand Dr. Steffen Skudelny in einer ersten Reaktion. Ohne das Gutachten zu kennen, werde es pauschal abgelehnt.

Die private Deutsche Stiftung Denkmalschutz fordert eine Entscheidung über die ortsbildprägende denkmalgeschützte Brücke erst in Kenntnis aller Fakten und nach deren Abwägung sowie einem transparenten öffentlichen Diskurs. „Die Abrissgenehmigung muss aufgrund des nun vorliegenden neuen Stiftungs-Gutachtens neu bewertet werden. Es wäre töricht, neue Erkenntnisse nicht zu berücksichtigen und die kostengünstigere Wiederherstellung dieses wertvollen und ortbildprägenden Denkmals in einer historischen Fehlentscheidung auszuschließen“, formuliert Skudelny seine Hoffnung. „Der Ortsbürgermeister erhält das Gutachten nun per Post, wenn er es nicht persönlich annehmen und erläutert bekommen will.“

Laut Gutachten beziehen sich notwendige Maßnahmen durchweg auf die Beseitigung der akuten Flutschäden, insbesondere bei der Wiederherstellung der Gründungen, der Fundamentsohlen und des Kolkschutzes durch behutsame Wiederauffüllung der Auskolkungen und Vernadelungen oder Verpressungen. Zur Verbesserung der Ufersituation ist insbesondere die regelmäßige Beseitigung von Verlandung und Hochwasserschotterablagerungen notwendig. Bei allen vier denkmalgeschützten Brücken fehlte bisher ein ausreichend dimensionierter Kolk- und Hochwasserschutz. Das führte unter anderem in Rech zum dramatischen Einsturz der gesamten rechten Brückenpartie. An dieser Schadstelle schlägt das Gutachten einen bewusst neuartig konzipierten Brückenteil ohne Pfeiler vor. Mit den Erfahrungen aus dem Flutgeschehen lassen sich erweiterte Schutzmaßnahmen durch gezielte seitliche Umgehungen oder Öffnungen einrichten.

Pressemeldung zum Erhalt der historischen Brücken im Ahrtal vom 11.11.2022

11. November 2022

Erhalt der historischen Brücken ist machbar
Deutsche Stiftung Denkmalschutz legt Gutachten vor

Der Erhalt der das Ahrtal prägenden denkmalgeschützten Brücken in Dernau, Rech, Dümpelfeld und Schuld ist unproblematisch und machbar. Zu diesem Schluss kommt ein Gutachten des Brücken-Fachmanns und Tragwerksplaners Dipl.-Ing. Gregor Stolarski, das dieser im Auftrag der Deutschen Stiftung Denkmalschutz erstellt hat. Eine akute Bedrohung ist bei keinem der vier Denkmale erkennbar. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz übergibt und erläutert die Gutachten in den nächsten Wochen gemeinsam mit dem Gutachter den Ortsbürgermeistern. Dabei sollen auch weitere Schritte zu einer breiten öffentlichen Diskussion zum möglichen Umgang mit den Brücken erörtert werden.

Notwendige Maßnahmen beziehen sich laut Gutachten durchweg auf die Beseitigung der akuten Flutschäden, insbesondere bei der Wiederherstellung der Gründungen, der Fundamentsohlen und des Kolkschutzes der Bauwerke durch behutsame Wiederauffüllung der Auskolkungen und Vernadelungen oder Verpressungen. Bei einer Wiederinbetriebnahme müssen zur Wiederherstellung der Verkehrssicherheit die Erneuerungen der Rampen, Fahrbahndecken, Rückhaltesysteme für Fahrzeuge und der Geländer erfolgen. Zur Instandsetzung gehört auch die Beseitigung von Eingriffen in die Statik einzelner Brücken durch Versorgungsleitungen. „Die Sanierungen sind mit üblichen technischen Verfahren – Unterwasserbeton, Verpressung, Aufschüttungen – machbar“, so Stolarski.

Um zukünftig gefährliche Aufstauungen an den Brücken in den Orten zu vermeiden, werden Schutzmaßnahmen im Rahmen der Gesamtplanungen des Hochwassermanagements im Ahrtal bereits vor den Ortschaften empfohlen. Zur Reduzierung der Fließgeschwindigkeit können neben ländlicher Retention gezielt und direkt an den Brücken eingesetzte Hochwasserentlastungsbauwerke wie Stollen, Kanäle und Bypass-Lösungen mit die Bauwerke ergänzenden Vorlandbrücken ebenso beitragen wie die Rückgängigmachung seitlicher Einzwängungen des Flussbetts vor und in den Brücken. Zur Verbesserung der Ufersituation ist insbesondere die regelmäßige Beseitigung von Verlandung und Hochwasserschotterablagerungen notwendig. Bei allen betreffenden Brücken fehlte bisher ein ausreichend dimensionierter Kolk- und Hochwasserschutz. Das führte u.a. in Rech zum dramatischen Einsturz der gesamten rechten Brückenpartie. An dieser Schadstelle schlägt das Gutachten einen bewusst neuartig konzipierten Brückenteil ohne Pfeiler vor. Mit den Erfahrungen aus dem Flutgeschehen lassen sich erweiterte Schutzmaßnahmen durch gezielte seitliche Umgehungen oder Öffnungen einrichten.

Die Instandsetzungen der Brücken sind nach Aussage der Gutachten bedeutend wirtschaftlicher als Ersatzneubauten und kommen dem gesetzlichen Schutzauftrag der Denkmale nach. „Der Erhalt und die hochwassertechnische Ertüchtigung der Brückendenkmale ist eine wichtige Investition in die Zukunft des Ahrtales – gerade auch als touristische Destination. Erste Konzepte für eine verbesserte touristische Einbindung der Brücken unter der Überschrift „Das 7 Brücken-Land“ liegen von einer örtlichen Initiative bereits vor,“ so Dr. Steffen Skudelny, Vorstand der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Mit der Vorlage der fundierten Gutachten will die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die Diskussion um den Umgang mit den ortsbildprägenden Brücken um wichtige Aspekte erweitern. Die Brücken seien nicht Ursache der Flutkatastrophe, ihre Beseitigung daher kein sinnvoller Beitrag zur Vermeidung zukünftiger Hochwasserschäden. Dafür müssten insbesondere die Verringerung der Fließgeschwindigkeit der Ahr im Rahmen der Hochwasserschutzmaßnahmen thematisiert werden.


Impressionen aus dem zerstörten Ahrtal

Ansprechpartnerin

Ursula Schirmer

Pressesprecherin, Leitung Abteilung Bewusstseinsbildung

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Ansprechpartner

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Leitung Pressestelle

0228 9091-404