Alter Domfriedhof St. Hedwig
Bezirk Mitte, Berlin
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Alter Domfriedhof St. Hedwig

Ältester katholischer Friedhof Berlins selbst dem Tode geweiht

In Berlin gibt es viele laute Orte, wilde Gegenden, Geschichten an allen Ecken und Enden. Dazu gehört auch ein Ort, der einst eigentlich nur der letzten Ruhe gewidmet war. Heute verkörpert der Alte Domfriedhof St. Hedwig wie kaum ein anderes Denkmal der Hauptstadt die Geschichte vor, während und nach der Teilung Berlins. Denn der älteste noch bestehende katholische Friedhof Berlins gibt nicht nur vielen berühmten Namen aus dem 19. und 20. Jahrhundert Ehre, er steht auch als Symbol für den Horror des letzten Kriegs und das zweigeteilte Land der Deutschen. Leider sind die Folgen davon bis heute überall augenscheinlich, denn dieser Friedhof war lange - im wahrsten Sinne des Wortes - dem Tode geweiht.

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Opfer des Mauerbaus

Lorenz Adlon (1849-1921) liegt hier. Das mit viel Efeu und Unkraut umwucherte Grabdenkmal des weltberühmten Hoteliers steht nicht weit von dem des Unternehmerkollegen James Cloppenburg (1877-1926), der das gleichnamige Modeimperium gegründet hat. Auch viele andere Persönlichkeiten wurden hier begraben, so der Maler Carl Joseph Begas (1794-1854). Doch wie unzählige andere Denkmäler fiel auch sein Grab dem Mauerbau zum Opfer, denn genau über den Domfriedhof der St. Hedwigs-Gemeinde lief einst der Todesstreifen. 1961 sicherte die damalige DDR ihre Staatsgrenze unter anderem hier mit einem Doppelmauersystem ab. Reste davon sind bis heute auf dem Friedhof und im Bereich der angrenzenden Liesenstraße erhalten geblieben, obwohl sich längst die Natur in Form von Weiden und Sträuchern das Gelände um Panzer- und Zaunsperren zurückerobert hat. Doch unzählige Grabdenkmäler bleiben durch die Rückversetzung des Friedhofs um 40 Meter für immer verloren, wurden damals größtenteils einfach auf Schutthalden abgeladen. An der Mauer zu den angrenzenden Friedhöfen der Dom- und Französischen Gemeinde wurden lediglich ein paar originale Grabsteine oder neu angefertigte Gedenksteine in einer Art Memorialgarten zur Erinnerung der Verstorbenen aufgestellt.

Verwunschener Ort der Erinnerung

Diejenigen Grabdenkmäler, die erhalten geblieben sind, wirken an diesem verwunschenen Ort dafür doppelt schön und sind von besonderer nationaler kultureller Bedeutung. Der älteste katholische Friedhof der Hauptstadt wurde 1834 geweiht und löste den 1777 gegründeten ersten katholischen Friedhof am Oranienburger Tor ab, der heute nicht mehr vorhanden und von der Katholischen Akademie überbaut wurde. Der Alte Domfriedhof der St. Hedwig-Gemeinde ist etwa zwei Hektar groß. Er entstand hier - wie viele Friedhöfe anderer kirchlicher Gemeinden - damals noch am Rand der stetig wachsenden Metropole, weil andere Friedhöfe längst nicht mehr ausreichten. 1833 wurde das gesamte Gelände umzäunt und ein Totengräberhaus sowie ein Schuppen erbaut. Die Friedhofskapelle wurde 1866/67 in Terrakottaformsteinen unter einem Kupferdach errichtet, als Rundbau in Anlehnung an das Pantheon in Rom. Schon fast verfallen wurde die heutige St. Annen-Kapelle von 1987-91 wiederaufgebaut.

Vom Untergang bedroht

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz setzt sich für den bedingungslosen Erhalt dieses Ortes ein, weil er viel mehr als nur ein Friedhof ist. Natürlich sind solche Bodendenkmale keine Museen, keine Plätze des bloßen Staunens - der Alte Domfriedhof St. Hedwig gehört mit seinen Grabmonumenten, seiner Geschichte und gerade auf Grund seiner speziellen Bedeutung für die Deutsch-Deutsche Teilung zu den bedeutendsten Zeugnissen der Kunst- und Stadtgeschichte - im Besonderen auch der Katholiken Berlins. Elf Grabdenkmäler aus Holz, sieben mit Gittern sowie die Grabstele Ceccardo Gilli mit Aufstellung im Memorialgarten müssen dringend restauriert bzw. notgesichert werden. Denn die Hölzer sind schon verfault, die Gitter verrostet, die Grabplätze vom Verfall bedroht. Bitte unterstützen Sie uns bei diesem Projekt!

Ältester katholischer Friedhof Berlins, eröffnet 1834, Förderung 2015-19

Adresse:
Liesenstr.
10115 Bezirk Mitte
Berlin