Benediktinerabtei St. Bonifaz
München, Bayern
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Benediktinerabtei St. Bonifaz

Kind des Königs von Bayern

Die Benediktinerabtei St. Bonifaz in München ist das geistige Kind von Ludwig I. (1786-1868). Schon 1818 plante der Kronprinz - 1825 zum König von Bayerns gekrönt - eine Basilika in der Form einer frühchristlichen Apostelkirche. Denn die ersten Kirchen gingen aus dem Tempeln der bekehrten Römer hervor - noch zu Zeiten des römischen Reichs. Ludwig dachte groß, vor allem, wenn er seinem Land als Bauherr dienen durfte. München sollte weithin als Stadt der Künste gelten. Nach der Säkularisation unter Napoleon (1803) waren alle Klöster enteignet worden. Diese feste Konstante des Glaubens fehlte längere Zeit in Bayern. St. Bonifaz ist deshalb Ausdruck des Strebens eines Königs nach geistigem und kulturpolitischem Leben.

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1850 vollendet: Historismus pur

Ludwig wählte die Südseite des Königsplatzes als Standort. Seine Vorstellungen entsprachen in Gänze dem romantisch-historistischen Zeitgeist der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Wie bei den meisten klassizistischen Bauten Bayerns sollte sein Hofarchitekt Leo von Klenze (1784-1864) den Entwurf ausführen. Doch dann entschied der König neu: Unter dem Eindruck der römischen Basiliken entzog er Klenze den Auftrag und schickte stattdessen 1827 den jungen Friedrich Ziebland (1800-73) nach Italien - für zwei Jahre! So entstand von 1835-50 ein fünfschiffiger, rötlicher Backsteinbau mit heller Kalksteingliederung. Die offene Vorhalle mit korinthischen Säulen prägt die Hauptseite - Historismus pur. Das zugehörige Benediktinerkloster selbst wurde ab 1838 nördlich der Apsis errichtet, als reiner Backsteinbau mit zwei Innenhöfen.

Herrlicher Gemäldezyklus

Den umfangreichen Wandgemäldezyklus im Inneren führte anschließend Heinrich Maria von Heß (1798-1863) aus. Auch er hatte 1821 in Rom die antiken Meister studiert. Sein Förderer Ludwig I. hatte St. Bonifaz schon zu Lebzeiten als Grablege bestimmt. Wenige Tage nach seinem Tod wurde der König am 9. März 1868 in dem für ihn vorgesehenen Sarkophag beigesetzt - ohne Namen auf der Grablege und in einer bayrisch-blauen Generalsuniform, so wie er das wollte.

Schwerstens getroffen im Krieg

Im Weltkrieg wurde St. Bonifaz zweimal voll getroffen. Sprengbomben legten April 1944 und Januar 1945 große Teile der Anlage nieder. Hans Döllgast (1891-1974) stellte den Bau bis 1950 wieder her. Sein schöpferischer Umgang mit der Ruine ist dabei ein weiteres Merkmal des Denkmals geworden. Denn er verwendete die alten hellen Ziegel beim Wiederaufbau, machte so Bruchkanten und Zerstörungen des Krieges bis heute sichtbar. Döllgast konnte etwa 32 Meter des ursprünglich 82 Meter langen Gebäudes retten, setzte ihm ein neues Dach auf. Seitdem hat die Kirche einen nahezu quadratischen Grundriss. Neben der Alten Pinakothek und dem Alten Südfriedhof, die Döllgast ebenfalls gerettet hat, bildet St. Bonifaz ein wichtiges Beispiel für diese Form des Wiederaufbaus.

Historistische Basilika im Stil frühchristlicher Kirchen, 1835-50 nach Plänen von Georg Friedrich Ziebland, Wiederherstellung bis 1950 unter Hans Döllgast, Förderung 2016, 2019

Adresse:
Karlstr.
80333 München
Bayern