Dorfkirche

Am Ort eines älteren Vorgängers entstand 1751-53 nach Entwürfen des Bauinspektors Johann Gottlieb Riedel im Auftrag des Landesherrn Graf Heinrich XII. Reuß-Schleiz in Kirschkau eine neue Kirche. Die St. Peter und Paul Kirche aus dem Jahr 1503 war zuvor abgerissen worden, da das Gotteshaus für die Gemeinde zu klein geworden war. Der Graf nahm direkten Einfluss auf die Neugestaltung und Bauausführung der Jesuskirche. Sein besonderes theologische Interesse schlug sich in selbstgeschriebenen Kirchenliedern und Andachtsbüchern nieder. Die Kirche in Kirschkau war ihm derart wichtig, dass er nach seinem Tode sein Herz hinter dem Altar beisetzen ließ. Bemerkenswert ist der ovale Grundriss mit vier nach den Himmelsrichtungen abgehenden, identischen, rechteckigen Anbauten. Damit zeigt sich der Grundriss als Versuch einer Synthese von Oval und Kreuzform. Der nördliche Kreuzarm ist als Turm ausgebildet, der südliche besitzt einen Eingangsvorbau. Die frühklassizistischen Putzfassaden gliedern hohe Rundbogenfenster. Den Innenraum prägt eine Rokokoausstattung der Bauzeit. Eine stuckierte Flachdecke stammt von dem Würzburger Stukkateur Johann Georg Schmidt. Über dem Altar ist das Lamm Gottes auf dem Buch mit sieben Siegeln als Symbol des Neuen Testamentes dargestellt. Über der Orgel befinden sich die Gesetzestafeln Moses als Zeichen des Alten Testaments. Die Decke zeigt auch Stuckarbeiten als Sinnbilder der Taufe, des Abendmahls und der Beichte. Sparsame Blumenranken verbinden die einzelnen Darstellungen. Die umlaufende Empore weist eine Herrschaftsloge auf. Der Kanzelaltar stammt von Philipp Konrad Erhardt, die Orgel aus dem Jahr 1753 von Johann Tobias Hiebe. Die Kirche gilt als herausragendes Beispiel des protestantischen Kirchenbaus im 18. Jahrhundert in Thüringen und verkörpert den stilistischen Übergang vom Rokoko zum Klassizismus. 1950 war der Innenraum der Kirche zuletzt renoviert worden. Doch Anfang des neuen Jahrtausends zeigten sich erneut Schäden am Bau. Aufgrund schadhafter Dachentwässerung konnte das Wasser unkontrolliert in die Fassade laufen und verursachte großflächige Putzschäden und Mauerwerksschäden infolge von Salz- und Schadstoffeintrag. Frost führte darüber hinaus zu Putz- und Steinsprengungen. An der Sanierung und Instandsetzung von Schiff und Turm beteiligte sich auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.

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Ovaler Saal mit kreuzförmig ansetzenden Annexen, 1751-53 von Johann G. Riedel, Förderung 2002/03

Adresse:
07919 Kirschkau
Thüringen