Friedenskirche
Saarbrücken, Saarland

Friedenskirche

Betsaal für Protestanten, Russisch-Orthodoxe und Altkatholiken

Für Protestanten gebaut, zum „Tempel der Tugend“ und Gymnasium umgewidmet, im Krieg zerstört und wiedererrichtet - die Friedenskirche im Süden Saarbrückens blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Bis 2004 befand sich an der einen Schmalseite des großen Saals eine Ikonenwand, gegenüber ein Altar: russisch-orthodoxe Christen und Altkatholiken beteten dort abwechselnd. Seinerzeit war die Kirche nur selten zugänglich, denn aus Versicherungsgründen mussten die Ikonen der russisch-orthodoxen Gemeinde außerhalb der Gottesdienstzeiten in einem verschlossenen Saal verwahrt werden. Mittlerweile ist die wachsende orthodoxe Gemeinde nach Burbach umgezogen und die Altkatholiken können ihre Vorstellungen von einer offenen Kirche umsetzen. Zentrale Dogmen der römisch-katholischen Kirche lehnen sie ab: Der Pfarrer ist verheiratet, der Papst gilt den Gläubigen keineswegs als unfehlbar, Frauen können in der altkatholischen Kirche Priester werden und Trauungen von Geschiedenen sind ebenso möglich wie Segnungen für gleichgeschlechtliche Paare. br/>

Tempel der Tugend und Gymnasium

Die barocke Quersaalkirche wurde zwischen 1743 und 1751 von Friedrich Joachim Stengel für die neu gegründete Reformierte Gemeinde Saarbrücken errichtet, der Turm war erst 1763 vollendet. Fürst Wilhelm Heinrich stiftete den Bauplatz, das Holz, die Glocken und die Uhr, in England und Holland wurden Kollekten zugunsten der Kirche veranstaltet. Als die Französischen Revolution auf das Saarland übergriff, wurde aus der Kirche 1793 ein „Tempel der Tugend“. Von 1820 bis 1892 war darin das Ludwigsgymnasium untergebracht, das älteste und seinerzeit einzige Saarbrücker Gymnasium. Dafür wurden eine Zwischendecke und Trennwände für Klassenzimmer in den Betsaal eingezogen. Traurige Berühmtheit erreichte es 1871 durch den Amoklauf eines Schülers, der zwei Kameraden niederschoss. 1892 bezog das Gymnasium einen Neubau, die altkatholische Gemeinde übernahm die Friedenskirche und richtete sie wieder als Gotteshaus her. 1944 durch Bomben schwer beschädigt, wurde die Kirche bis 1966 wiederaufgebaut und das Innere modern gestaltet.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützt - auch mithilfe von Spenden - seit 2016 den Erhalt dieses Baudenkmals von überregionaler Bedeutung und damit auch die Anstrengungen der Gemeinde, ihr Konzept einer offenen, den Menschen zugewandete Kirche in die Tat umzusetzen.

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Barocker Quersaal, 1743-51 von Friedrich Joachim Stengel, Turm 1763, rekonstruierend wieder aufgebaut 1961-66, Förderung 2016, 2019

Adresse:
Eisenbahnstr.
66617 Saarbrücken
Saarland