Ev. Stadtkirche St. Martini
Südharz, Sachsen-Anhalt

Ev. Stadtkirche St. Martini

Symbol vom Anfang einer Ära und Ende eines Traums

Die Stolberger Kirche St. Martini gehört zum einen zu den wichtigsten Denkmalen der Reformation - zum anderen lagen hier Anfang und Ende des Traums eines Mannes, der für die einfachsten Menschenrechte kämpfte - das nackte Überleben des armen Mannes samt seiner hungernden Familie. Doch als der Stolberger Thomas Müntzer (1489-1525) die Führung der Bauernaufstände übernahm, stellte sich gerade Martin Luther (1483-1546) gegen seinen früheren Anhänger und predigte gerade in Müntzers Heimatkirche St. Martini „wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern […] man soll sie zerschmeißen, würgen, stechen, heimlich und öffentlich, wer da kann, wie man einen tollen Hund erschlagen muss.“ Die Bauern verloren und Müntzer im Mai 1525 seinen Kopf. Die Kirche selbst wurde zu Zeiten der DDR lange vernachlässigt und wird - seit 2009 mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz - Stück für Stück wieder instand gesetzt .

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Dreischiffige Basilika ausdem 13. Jahrhundert

Stolberg, einer der ältesten Orte im Südharz, wurde um das Jahr 1000 als Bergmannssiedlung gegründet. Eine erste urkundliche Nennung findet sich 1252. Anno 1300 erhielt Stolberg das Stadtrecht. In dieser Zeit entstand der bis heute unveränderte, an die landschaftlichen Gegebenheiten angepasste Grundriss der Stadt im engen Tal, von Schloss und Martinikirche auf halber Berghöhe überragt. Die dreischiffige Basilika geht auf eine romanische Kirche aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts zurück, von der noch die unteren Geschosse im querrechteckigen Westturm erhalten sind.

Ab 1485 wurde über einer kreuzgratgewölbten Krypta der langgestreckte spätgotische Chor samt südlichem Sakristei-Anbau errichtet. Aus dieser Bauphase stammen auch das Glockengeschoss und der spitze Helm des Turms sowie ein Bibliotheks- und Archivanbau im Nordwesten. Aufgrund der Hanglage weist die Kirche unterschiedlich hohe Umfassungsmauern auf, Strebepfeiler im Süden und Osten dienen als zusätzliche Stützen.

Den Innenraum schmücken an der Nordwand Reste um 1500 datierter Wandmalereien: Sie zeigen das Kreuz als Lebensbaum. Zur wertvollen Ausstattung gehören ein kostbarer Taufstein aus Marmor und Alabaster von 1599, der barocke Orgelprospekt über der zurückschwingenden Empore sowie die klassizistische Kanzel von 1831. Der spätbarocke Altaraufsatz rahmt eine Darstellung der Erweckung des Lazarus, die 1883 nach Rubens geschaffen wurde. Die Buntglasfenster im Chor sind ebenfalls eine Zutat des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

Schwere Schäden durch Wasser

Feuchtigkeitsschäden in der Dachkonstruktion und die Steilhanglage hatten zu statischen Schäden geführt. Starke Risse waren vom Grablegebereich bis hin zur Dachlinie zu finden. Seit 2009 beteiligte sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz an der Sanierung der Fundamente, seit 2012 auch an den Arbeiten am Dach und den Fassaden.

Bruchsteinbau einer Pseudobasilika mit langgestrecktem Chor und Westturm, 2. Hälfte 15. Jh. über Teilen des 12./13. Jh., Umbau 1883-85, Förderung 2009-14, 2017, 2019/20

Adresse:
Am Markt
06547 Südharz
Sachsen-Anhalt