Pfarrkirche "St. Marien auf dem Berge"
Boitzenburger Land, Brandenburg
Ostansicht

Pfarrkirche "St. Marien auf dem Berge"

Mitten in Boitzenburg, rund 100 Kilometer nördlich von Berlin in der Uckermark gelegen, thront sie auf einem Hügel: die Kirche St. Marien. Von außen betrachtet, wirkt sie recht passabel. Auch dank der Deutschen Stiftung Denkmalschutz konnte der noch im Jahr 2000 einsturzgefährdete Kirchturm gesichert und ein Großteil der Dächer saniert werden. Aber der Regen, der viele Jahre lang durch die undichten Dächer in die Kirche gelangte, steckt noch im Mauerwerk, in der Decke des Kirchenschiffs und in der Ausstattung. Wenn Touristen heute das Gotteshaus besuchen, erschrecken sie vor der Feuchtigkeit und dem Schädlingsbefall im Innenraum. Solange nicht sämtliche schwer geschädigten Hölzer des Dachstuhls erneuert und das ganze Dach mit neuen Ziegeln dicht gemacht wird, ist St. Marien nicht "über den Berg". Bereits in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts gab es eine Kirche an gleicher Stelle, einen rechteckigen Feldsteinbau, der in den Mauern von St. Marien noch nachweisbar ist. Das belegt eine Urkunde, mit der die Markgrafen Johann, Otto und Conrad ein Zisterzienser-Nonnenkloster in Boitzenburg stifteten und ihm das Patronat über die Kirche übertrugen. Als das Kloster – es ist heute eine Ruine – während der Reformation aufgelöst wurde, bekam die Kirche einen neuen Patron: den Landvogt Hans Georg von Arnim. Bis zu ihrer Vertreibung und Enteignung nach dem Zweiten Weltkrieg lebten die von Arnims auf ihrem Schloss in Boitzenburg und lenkten die Geschicke des Ortes und auch der Kirche. In St. Marien erinnern an sie einige um 1700 gestaltete Wappenfenster, Epitaphien und das marmorne Grabmal Georg Dietloff von Arnims, der hier 1753 beigesetzt wurde. Ihren markanten Turm erhielt die Marienkirche um 1600. Er wurde 150 Jahre später um ein Geschoss und einen barocken Helm erhöht. Um 1840 errichtete man romanisierende Anbauten. St. Marien besitzt eine prächtige Ausstattung aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die jedoch auch nach ihrer Begasung weiterhin vom Holzwurm befallen ist. Die Kirche, die im Zweiten Weltkrieg nicht beschädigt worden war, litt in den Jahrzehnten nach 1945 trotz ihrer markanten Lage inmitten des Ortes an zunehmender Nicht-Beachtung. Notwendige Reparaturen gab es kaum. Die Kirchengemeinde bewirkte aber, dass das schadhafte Dach neu gedeckt wurde – allerdings ohne es wirklich dicht zu bekommen. Als die Kirche 1998 wegen ihres einsturzgefährdeten Turmes gesperrt werden musste, wurde der Förderverein "St. Marien auf dem Berge" ins Leben gerufen. Unermüdlich hat der Förderverein seither zusammen mit Pfarrer Christian Fischer und seinem Nachfolger Martin Zobel Geld für die Sicherung und Sanierung der Kirche gesammelt. Die Mittel kamen vor allem von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die auch dank zweckgebundener Spenden der Rudolf-August Oetker Stiftung für Kunst, Kultur, Wissenschaft und Denkmalpflege bislang 203.000 Euro bereitstellen konnte. Außerdem wurde 2002 die Dr. Johannes und Ruth Schmidt Gedächtnis-Stiftung in der Treuhandschaft der Deutschen Stiftung Denkmalschutz errichtet. Alle Stiftungen möchten dazu beitragen, dass die Sanierung des Kirchendachs möglichst rasch beendet wird. Denn erst dann kann mit der Sicherung des vollkommen durchfeuchteten Innenraums begonnen werden. Welchen wichtigen Platz St. Marien inzwischen bei den Boitzenburgern wieder einnimmt, davon konnte sich auch Brandenburgs Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Professor Dr. Johanna Wanka, am Tag des offenen Denkmals 2005 überzeugen. Schüler einer 9. Klasse der Gesamtschule in Lychen gestalteten unter Anleitung ihrer Boitzenburger Kunstlehrerin und des Glaskünstlers Werner Kothe ein neues Kirchenfenster. Benefizkonzerte trugen ebenfalls dazu bei, dass St. Marien heute wieder für Gottesdienste und Trauungen genutzt werden kann. Und viele Einwohner helfen außerdem mit, dass die Kirche von April bis Oktober für Besucher offen steht.

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Langgestreckter Feldsteinsaal, im Kern 2. Hälfte 13. Jh., Backsteinturm, An- und Umbauten 18. Jh., Förderung 2000-03, 2005-10, 2013, 2015, 2020

Adresse:
Goethestraße
17268 Boitzenburger Land
Brandenburg