Römhild, Thüringen

Schloss Bedheim

Wo Schillers Jugendliebe Charlotte Rühle von Lilienstern lebte

Hoch über dem Ort Bedheim, am südlichen Fuß des Hahnritz, erhebt sich Schloss Bedheim als weithin sichtbare Landmarke. Eingebettet in die Ausläufer der Gleichberge prägt die Anlage seit Jahrhunderten das Ortsbild. Bedheim wurde bereits 1169 urkundlich erwähnt und entwickelte sich früh zu einem regionalen Mittelpunkt. Das Schloss bildet gemeinsam mit Wirtschaftsgebäuden, Ställen, der Zehntscheune aus dem 17. Jahrhundert, der ehemaligen Wache, einem Brauhaus und der kunsthistorisch bedeutenden Pfarrkirche ein geschlossenes historisches Ensemble von überregionaler Bedeutung.

In Schloss Bedheim lebte Friedrich Schillers Jugendliebe, Charlotte Rühle von Lilienstern, geborene von Wolzogen (1766–94). Schiller lernte sie während seiner Zeit in Bauerbach kennen und schwärmte zeitweise für die damals 18-jährige Tochter seiner Gönnerin Henriette von Wolzogen. Nach ihrer Heirat mit dem Schlossbesitzer und Legationsrat August Franz Rühle von Lilienstern im Jahr 1788 auf Schloss Bedheim, wurde das Anwesen ihr Lebensmittelpunkt. In der dortigen Schlosskirche St. Kilian befindet sich noch heute ihre Grabstätte in der Familiengruft. Helfen Sie mit Ihrer Spende, dieses besondere Schloss zu bewahren!

Bitte helfen Sie Schloss Bedheim mit Ihrer Spende!

Ihre Spende kommt an!

Architektur zwischen Renaissance und Barock

Die heutige zweigeschossige Dreiflügelanlage ging aus einer mittelalterlichen Wasserburg hervor. Nach Umbauten im 16., 17. und 18. Jahrhundert wurde Schloss Bedheim unter Prinz Joseph von Sachsen-Hildburghausen (1702–87) prunkvoll im barocken Stil umgestaltet. Viele der repräsentativen Räume im Obergeschoss sind mit kunstvollen Deckenverzierungen geschmückt, auf denen kleine Engel (Putten) zwischen geschwungenen Muschelformen und hängenden Blütenketten tanzen. Besonders beeindruckend ist der große Festsaal: Hier finden sich reliefartige Blattmuster, verzierte Wappenschilde und aufwendig gestaltete Rahmen an Decken und Wänden. Über den Türen thronen runde Bildnisse mit Porträts, und von den ehemals fünf geschmückten Wandfeldern direkt über den Türrahmen sind noch zwei erhalten – eines davon zeigt sogar das Schloss Bedheim selbst.

Schon beim Betreten vermittelt die große Eingangshalle mit ihrer geschwungenen, zweiläufigen Treppe den vornehmen Eindruck des Hauses. Der Nordflügel des Schlosses besitzt in der Mitte der Hofseite einen hervorgehobenen Gebäudeteil, der durch einen runden Giebel betont wird; direkt über dem zweiflügeligen Hauptportal prangt ein kombiniertes Familienwappen, das die Verbindung zweier Adelslinien zeigt. Während der Ostflügel durch einen kunstvoll geschwungenen Giebel und einen Treppenturm mit haubenförmigem Dach auffällt, schließt der wuchtige Westflügel mit einer Wand aus traditionellem Fachwerk ab.

Schloss Bedheim befindet sich seit 1778 im Besitz der Familie Rühle von Lilienstern. Der bedeutende Paläontologe Dr. med. Hugo Rühle von Lilienstern (1882–1946), nachdem sogar ein Dinosaurier „Liliensternus“ benannt wurde, trug dort eine Sammlung zusammen, deren Bestände sich heute im Museum für Naturkunde in Berlin befinden.

Vom Sanierungsstau zur Wiederherstellung historischer Räume

Durch die ungeschützte Lage auf einer Anhöhe war das Gebäude extremer Witterung ausgesetzt, die die Substanz nachhaltig schwächte. Da notwendige Instandhaltungsmaßnahmen während der Nutzung als Schule zu DDR-Zeiten ausblieben, entwickelten sich daraus massive bauliche Mängel. Undichte Dächer verursachten Wassereintritt, Dachräume und Decken wurden geschädigt, Schwammbefall trat auf, im Westflügel stürzte eine Mauer ein. Hinzu kamen Verluste an Stuckdecken sowie Steinschäden an Giebeln, Wappen und bauzeitlicher Zier. Seit Mitte der 1990er Jahre wird Schloss Bedheim schrittweise und substanzschonend instandgesetzt, unterstützt von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Dachkonstruktionen wurden gesichert und neu eingedeckt, Giebel statisch stabilisiert, Fassaden instandgesetzt und bedeutende Stuckräume – darunter der sogenannte Josephsaal – restauratorisch wiederhergestellt. Nach der Instandsetzung der Decke des Speisezimmers im Obergeschoss, steht nun die Wiederherstellung der Wände an – die Räume sollen auf den bauzeitlichen Grundriss rückgebaut werden außerdem sind die Restaurierung historischer Türen, Fenster, Fußböden und der Stuckaturen geplant.

Heute ist Schloss Bedheim wieder belebt: Wohnungen, kulturelle Veranstaltungen, Ausstellungen und ein Gartencafé machen das Ensemble zu einem lebendigen Denkmal und zu einem wichtigen Beispielprojekt für Denkmalpflege im ländlichen Raum. Helfen Sie mit Ihrer Spende, Schloss Bedheim dauerhaft zu erhalten!