Simonetti-Haus
Coswig (Anhalt), Sachsen-Anhalt

Simonetti-Haus

Bedeutender Künstler des Früh- und Hochbarock

Geboren in Graubünden, galt der Baumeister Giovanni Simonetti (1652-1712) seinerzeit als einer der bedeutendsten Stuckateure. Seine qualitativ äußerst hochwertigen Arbeiten gelten noch heute als Meisterwerke des Früh- und Hochbarock im mitteldeutschen Raum und brachten ihm zahlreiche Aufträge ein. Zu seinen Hauptwerken gehörten unter anderem die Dekorationen des Stadtschlosses Berlin, der Leipziger Handelsbörse und des Zerbster Schlosses. Kriegsbedingt wurden viele, wie ein Großteil seines übrigen Schaffens, zerstört. Umso bedeutender ist daher ein Denkmal im anhaltinischen Coswig.

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Stuck vom Feinsten im Adelssitz

Das sogenannte Simonetti-Haus ist ein zweigeschossiges, barockes Fachwerklandhaus mit einem originalen typischen Walmdach. Der Bau wurde nachweislich 1699 als Adelssitz vor den Toren der Residenzstadt Coswig errichtet. Später diente das Haus als Wohnung des Coswiger Amtmannes. Im Zusammenhang mit der Nutzung als Gartenlokal "Zum Adler" entstand 1888 auf dem rückwärtigen Grundstück ein Tanzsaal in imposanter Holzfachwerkkonstruktion. Das Ensemble aus Wohnhaus, Nebengebäuden und Saalbau diente zu DDR-Zeiten ab 1950 als Altenwohnheim. Nach der Wende wurde die Einrichtung geschlossen, nur wenige Räume wurden kurzzeitig als Büro und Werkstatt genutzt, bevor das Anwesen gänzlich leer stand. Aufgrund des schlechten Bauzustands und des weiteren Verfalls drohte der Anlage der Komplettabriss, bis sie 2007 durch einen Verein übernommen und auch mit Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gerettet werden konnte.

Die originalen Stuckdecken des Hauses sind von besonderer Bedeutung und werden Giovanni Simonetti zugeschrieben, Hofmaurermeister und Stuckateur am kurfürstlich-brandenburgischen, später königlich-preußischen Hof sowie Hofbaumeister am Anhalt-Zerbster Fürstenhof. Dargestellt sind Szenen der griechischen Mythologie. Die Kunstwerke im Erdgeschosses und Obergeschoss entstanden wohl Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhunderts. Dargestellt werden Szenen der griechischen Mythologie.

Rettung für einen einmaligen Schatz in Anhalt

Aufgrund des fortgeschrittenen Verfalls des Hauses gestaltete sich auch die Restaurierung der Stuckdecken als besonders aufwändig. Im Erdgeschoss wurden Absenkungen des sehr massiven Stucks hinterfüllt und teilweise auch hochgedrückt. Vorher wurde die Zimmerdecke durch seitliches Verstärken der Deckenbalken statisch ertüchtigt . Die eingeschobene Schalung, die auch die Stuckdecke hält, wurde zusätzlich befestigt. Nach der konstruktiven Sanierung der Stuckdecke erfolgte der restauratorische Teil. Dabei mussten zunächst immens dicke Farbschichten, bestehend aus Öl, Kalk, Leim, Lack und neuzeitlichen Dispersionsfarben entfernt werden. Dort, wo die Ornamentik verletzt war, wurde sie wieder ergänzt, Risse wurden geschlossen und abschließend mit weißer Leimfarbe coloriert. Im oberen Geschoss konnten die sogenannte „Amorettendiele“ sowie die Räume "Vierjahreszeiten" und "Hermes" - benannt nach den jeweiligen Motiven - instandgesetzt werden.

Der Raum mit dem Motiv der vier Jahreszeiten weist eine Besonderheit auf: Rund zehn Jahre nach der Gestaltung der Stuckdecke um 1698/1700 nahm man Teile des Gipsputzes ab und ersetzte diesen durch einen Kalkputz, der Grundlage für ein Deckengemälde wurde. Die Vorzeichnung für das Gemälde wurde in Fresco-Technik eingebracht; anschließend wurde in Secco weitergemalt. Große Teile dieses nachträglichen Werks gingen infolge der Schädigungen durch das defekte Dach leider verloren und wurden in einem entsprechenden Putz ergänzt.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz förderte die Sanierung der Stuckdecken 2010, 2011, 2013 und die Fassadensanierung an der Süd- und Westseite des Baus 2018.

Zweigeschossiger barocker Fachwerkbau, 1699, Stuckdecken von Giovanni Simonetti, Förderung 2010/11, 2013

Adresse:
Zerbster Straße
06869 Coswig (Anhalt)
Sachsen-Anhalt