Wassermühle Karoxbostel
Seevetal, Niedersachsen
Foto: Wolfgang Klein Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/

Wassermühle Karoxbostel

Imposantes Mühlenensemble der Jahrhundertwende

Vor den südlichen Toren Hamburgs erhebt sich im niedersächsischen Karoxbostel ein Mühlenensemble, wie es Deutschlandweit nur noch selten zu finden ist. Schon 1438 wurde die heute zu Seevetal gehörende Wassermühle erstmals urkundlich erwähnt. Bis 1869 diente die Mühle Karoxbostel als Zwangsmühle für den Landkreis Harburg, die abhängigen Bauern der 14 umliegenden Gemeinden waren gezwungen, ihr Korn hier mahlen zu lassen – ein gutes Geschäft für den Müller, der 1817 zuerst ein neues imposantes Haupthaus errichtete, dann 1893 ein neues Mühlengebäude. Ursprünglich wurde die Mühle durch das zugeleitete Wasser aus fünf bereits im Mittelalter angelegten Fischteichen angetrieben. Heute liefert ein Quellteich das Wasser, welches über den Karoxbosteler Mühlenbach in Richtung Seevekanal abfließt.

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Vollständig erhaltene Originalausstattung

Zum Gesamtensemble der Mühle zählen neben Wohnhaus und Mühlengebäude ein Stalltrakt, eine Sägerei von 1900 sowie das ehemalige Backhaus und ein Schweinehaus. Der Mühlenbau, das Herzstück der Anlage, ist zweigeschossig mit einem flach geneigten Satteldach. In seinem Innern haben sich die Mahlwerke und sämtliches Zubehör wie Elevatoren und Seichter weitgehend erhalten, und stellen so ein hervorragend erhaltenes Beispiel der Technik des ausgehenden 19. Jahrhunderts dar. Auch das oberschlächtige Mühlrad existiert noch und ist voll funktionstüchtig. .

Rechtwinklig zur Mühle schließt sich das dreigeschossige Wohn- und Wirtschaftsgebäude von 1817 an. Es gilt als früher Vertreter der Vierständer-Bauweise typischer Norddeutscher Hallenhäuser und ist reetgedeckt. Besonders die originale Ausstattung des Wirtschaftsteils und des Wohntraktes macht diesen Bau besonders. So finden sich im Wohnbereich der bauzeitliche Kachelofen ebenso wie die originalen Lampen. Auch die Bau- und Konstruktionspläne sowie die Mühlenbücher, die bis 1780 zurückreichen, sind erhalten und bieten einen interessanten Einblick in das Wirtschaftsleben der damaligen Zeit. Aus diesem Grund gilt die Mühle Karoxbostel durchaus als einzigartiges Zeugnis ihrer Art in der Region. Bis 1970, als das Hofgrundstück an die öffentliche Elektrizitätsversorgung angeschlossen wurde, produzierte die Wassermühle nicht nur Mehl, sondern nutzte die Wasserkraft auch zur Stromerzeugung. .

Wachgeküsst aus dem Dornröschenschlaf

Ende der 1970er-Jahre endete die Nutzung des Anwesens als Mühle, seitdem wurde Karoxbostel als reiner Landwirtschaftsbetrieb geführt und die nicht genutzten Teile des Denkmalensembles begannen zunehmend zu verfallen. Nach dem Tod des letzten Besitzers wurden die Gebäude abgeschlossen und standen über Jahre leer. Die Substanz war zu diesem Zeitpunkt bereits stark geschädigt, mangelnde Bauunterhaltung und fehlende Maßnahmen zur Rettung der Substanz hatten die einst bedeutende Mühle in einen Sanierungsfall verwandelt. .

Auf private Initiative hin wurde 2012 damit begonnen, das Ensemble wiederherzustellen. Hieran beteiligte sich auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz: 2013, 2015 und 2017 wurden Mittel zur Innensanierung und Dachdeckung des Haupthauses sowie zur Wiederherstellung von Wasserrad und Mühltechnik zur Verfügung gestellt. .

Hofanlage mit Mühlengebäude, 1898, Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, 1817, sowie im Mittelalter angelegten Teichen, Förderung 2013, 2015

Adresse:
Karoxbosteler Chaussee
21218 Seevetal
Niedersachsen