Die Gemeinde Wilster erlebte im späten 16. Jahrhundert eine Zeit wirtschaftlicher Blüte, als sie Getreidehandel mit Hamburg betrieb und ihre Waren mit einer eigenen Flotte bis nach Schottland und Portugal ausführte. So konnte sich der kleine Ort einen aufwändigen Rathausneubau leisten, der 1585 am Straßenmarkt "Op de Göten" errichtet wurde. An der Stelle eines nur wenig älteren Vorgängers entstand ein traufständiger Renaissancebau auf längsrechteckigem Grundriss mit einem hohen Untergeschoss in Backstein und vorkragendem Fachwerk-Obergeschoss. Seine stark durchfensterten Fassaden sind reich gegliedert, und variantenreich gemusterte Mauerverbände prägen die Füllungen der Gefache. Die Straßenfront ist durch einen leicht aus der Mittelachse versetzten Dacherker mit Uhr betont, neben dem auf dem First eine überdachte Ratsglocke sitzt. Dass das Alte Rathaus die Funktion eines Versammlungs- und zugleich eines Lagerhauses hatte, ist noch heute unschwer zu erkennen – etwa an den Lastenaufzügen, mit denen Speicherräume unter dem Dach bestückt wurden. Die große Diele im Erdgeschoss, in der einst die Ratswaage stand, beherbergte ursprünglich Teile des Wochenmarktes. Bei einer Restaurierung des Rathauses im Jahr 1914 veränderte man neben einigen Räumen auch den Außenbau – das korbbogige Eingangsportal und die Dielenfenster etwa entstanden in dieser Zeit – und in die Ratsweinstube wurde in den 1960er Jahren eine Wilstermarsch-Stube eingebaut, die Zeugnis regionaler Wohnkultur des frühen 18. Jahrhunderts gibt. Mit dem Ratssaal und der Gerichtsstube im Obergeschoss sind Beispiele der originalen Raumausstattung erhalten. Besonders prächtig ist das Portal zur Gerichtsstube gestaltet: Die Tür wird von zwei schlanken, kannelierten Säulen flankiert und ist mit einem Türaufsatz versehen, der das von zwei Kriegerfiguren bewachte dänische Wappen zeigt. Konstruktive Schäden am Tragegerüst des Rathauses ließen in den 1990er Jahren eine akute Gefährdung des Baubestandes befürchten, das Kellergeschoss, das Fachwerkobergeschoss und der Dachstuhl waren dringend sanierungsbedürftig. Die Stadt Wilster beantragte 1994 eine Förderung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, um die Instandsetzung des Dachstuhls sowie die Dacheindeckung bestreiten zu können.