Bauhausgebäude
Dessau-Roßlau, Sachsen-Anhalt
Foto: Florian Monheim - Bildarchiv Monheim

Bauhausgebäude

Ideen für eine moderne Gesellschaft

Fällt heute der Name Bauhaus, denkt man oft als erstes an weiße Würfelarchitektur mit Flachdach. Zwar gingen vom Bauhaus entscheidende Impulse für eine Erneuerung der Architektur und auch des Städtebaus aus, hinter der Idee steckte jedoch weitaus mehr. Sein schulisches Metier waren handwerklich durchdachte und künstlerisch gestaltete Gebrauchsgegenstände, die man heute als Design bezeichnet. 1919 gründete der Avantgarde-Architekt Walter Gropius (1883-1969) in Weimar das Bauhaus. In der „Einheitskunstschule“ sollten unter der Federführung der Baukunst die Schranken zwischen den künstlerischen Disziplinen Malerei, Bildhauerei, Grafik und dem Kunsthandwerk aufgelöst werden. Berühmte Künstler wie Paul Klee, Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, László Moholy-Nagy und Oskar Schlemmer brachten ihre avantgardistischen Positionen am Bauhaus ein und leiteten die Werkstätten. Nach dem Umzug aus Weimar bezog das Bauhaus einen 1926 fertiggestellte Neubau in Dessau, der heute als eines der bedeutendsten Denkmale der Klassischen Moderne weltweit gilt und dessen Erhalt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützt.

Wegweisender Architekturstil

Der architektonische Stil des Bauhausgebäudes wurde bereits 1911 vorweggenommen. Walter Gropius und Adolf Meyer entwarfen damals einen Neubau für die Fagus-Werke in Alfeld (Leine). Der gesamte Baukörper wurde in Stahlskelettbauweise errichtet, Vohangfassaden aus Glas ließen viel Licht ins Innere des Gebäudes, dessen Raumaufteilung streng nach funktionalen Aspekten der Produktionsabläufe geplant war. Nicht zuletzt charakterisierte auch eine kubische Bauform den Bau, ein Element, das später den „Internationalen Stil“ maßgeblich mitprägte. Das Bauhausgebäude in Dessau, das am 4. Dezember 1926 nach nur fünfzehn Monaten Bauzeit eröffnet werden konnte, entstand als „gebautes Manifest“ der Bauhaus-Ideen nach Plänen von Walter Gropius. Es reflektiert die schöpferischen Prinzipien des Funktionalismus und steht beispielhaft für das am Bauhaus entwickelte Schulmodell. Gleichzeitig bricht es mit bis dahin traditionellen Bauformen und verzichtet auf einen repräsentativen Charakter zugunsten von modernen Materialen und neuen räumlichen Beziehungen. Die Bedeutung dieser „Ikone der Moderne“ wurde durch die Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste im Jahr 1996 unterstrichen.

Moderne Hochschuleinrichtung

Das Bauhausgebäude besteht aus fünf funktional gegliederten Teilen, die in Flügelform angeordnet wurden. Zwei Schulorganismen, die von einer öffentlichen, mit einem Verbindungstrakt überspannten Straße getrennt werden, sind durch eigene Eingänge und Treppenhäuser erschlossen: Die städtische gewerbliche Berufsschule auf der einen und das Bauhaus auf der anderen Seite. Berühmtester Bauteil ist der Werkstattflügel mit dem markanten Bauhaus-Schriftzug, in dem die Bauhausprodukte entwickelt wurden. Seine Vorhangfassade brach damals mit allen gängigen Ideen von baulicher Ästhetik. Gropius plante die tragenden Stützen des Gebäudes ins Innere zurückgesetzt, somit ließ sich die gesamte Wandfläche des Traktes mit einer Glasfront ausstatten. Diese zieht sich über alle drei Geschosse des Werkstattflügels und scheint über dem Gebäudesockel zu schweben.

Im fünfgeschossigen Atelierhaus, dem sogenannten Prellerhaus, wohnten Studierende höheren Semesters und Jungmeister. Dieser Gebäudeteil war in den ursprünglichen Plänen von Gropius nicht vorgesehen und wurde später hinzugefügt. Jedem Bewohner standen zwanzig Quadratmeter Wohnfläche und fließend kaltes und warmes Wasser zur Verfügung. Dachterrasse und Balkone boten weiteren Platz, neben Gemeinschaftsküchen und Duschräumen verfügte der Bau auch über eine Turnhalle – ein für die damalige Zeit überaus bemerkenswerter Wohnkomfort. Zwischen Atelierhaus und Werkstattflügel befindet sich die Festebene, die als Gemeinschaftsbereich mit Speisesaal, Bühne, Aula und Foyer geplant wurde. Der dreigeschossige, weiß verputzte Nordflügel ist durch horizontale Fensterbänder gekennzeichnet. Im die Straße überspannenden Verbindungstrakt war die Verwaltung der Schule untergebracht.

Die Form folgt der Funktion

Die tragende Konstruktion des Bauhauses, das Stahlbetonskelett, ist im gesamten Gebäude sichtbar und lässt Funktion und Ästhetik in der Architektur zur Einheit verschmelzen. Generell wurde beim Bau mit einer sehr reduzierten Formensprache auf Schmuckelemente verzichtet. Man beschränkte sich auf die Verwendung von wenigen Materialien, arbeitete gezielt mit Licht und Schatten und erzielte hiermit eine beeindruckende Wirkung. An der Ausstattung des Baus waren die Bauhauswerkstätten selbst beteiligt. So entstanden beispielsweise die Decken für die Studentenzimmer in der hauseigenen Weberei.

Auch Oberflächen und ihre Gestaltung hatten für das Bauhausgebäude mit seiner besonderen Transparenz und Fragilität eine besondere Bedeutung. Die originalen Fußböden aus Terrazzo, Steinholzestrich und Triolin prägen mit ihrer Materialität und mit ihren harten und glänzenden Oberflächen sowie ihrer Farbigkeit den Gesamteindruck der Räume noch heute entscheidend mit. Zwischen 1996 und 2006 wurde das Bauhausgebäude generalsaniert, doch bedarf ein solches Denkmal kontinuierlicher Pflege. Unterstützt durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz erhalten die bauzeitlichen Böden ihren alten Glanz zurück. Sie sind durch die jahrzehntelange Nutzung durch massive Risse und Abrieb geschädigt, zudem haben sich Reparaturstellen stark verfärbt.

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Schulgebäude, erbaut 1926 nach Plänen von Walter Gropius, Förderung 2019

Adresse:
Gropiusallee
06846 Dessau-Roßlau
Sachsen-Anhalt