Mitten in der nördlichen Altstadt Emdens, direkt an der Boltentorbrücke, steht ein Rundbau, der seit einem Jahrhundert die Fantasie der Stadtbewohner beflügelt: der kleine Pavillon mit dem spitzen Hut. Errichtet wurde der expressionistische Bau 1927 bis 1929 nach Plänen der Stadtarchitekten Walter Heim und Walter Luckau, gemeinsam mit der Brücke und der bis heute erhaltenen Straßenbeleuchtung. Der hübsche Pavillon war ursprünglich ein funktionaler Doppelbau: oben ein Verkaufskiosk, unten eine öffentliche Bedürfnisanstalt. Helfen Sie mit dieses einzigartige Zeugnis expressionistischer Backsteinarchitektur zu bewahren!
Was den Bau bis heute unverwechselbar macht, ist die Verbindung zweier Stilwelten. Zum einen zitiert er die Chinoiserie des 18. Jahrhunderts, eine Epoche, in der Europa die Ästhetik und Kunst Chinas zur Mode erklärte und in Porzellanen, Lackarbeiten, Stoffen und Tapeten festhielt. Diese Vorliebe brachte berühmte Gartenpavillons hervor wie das Chinesische Teehaus in Sanssouci in Potsdam. Die Form des Brückenkiosks mit weit auskragendem Dach, das von einem goldenen, spitzen Kegel samt goldener Kugel gekrönt wird, erinnert an diese Tradition, ohne sie zu kopieren.
Im harmonischen Gegensatz zu dieser lieblichen Verspieltheit steht die Moderne mit ihrer expressionistischen Formensprache. Der Pavillon ist ein Musterbeispiel des Backstein-Expressionismus. Acht gedrehte Klinkersäulen tragen das Dach. Die Backsteine sind so gegeneinander versetzt, dass sie zwar an barocke Korkenziehersäulen erinnern, diesen aber eine vieleckige, scharfkantige Form verleihen. Die Zackenfolge der Säulen findet sich im Zackenfries der umlaufenden Ringbalken wieder, der ein typisches Schmuckelement der Backsteinarchitektur der 1920er Jahre ist. Dazu passen die schmiedeeisernen Schmuckgitter, welche die Treppen und Balkone zum Stadtgraben hin absichern. Diese Mischung aus exotischer Anmutung und moderner Formensprache macht den ehemaligen Funktionsbau zu einem sehr besonderen Bauwerk, das Kunstgeschichte mit dem banal Alltäglichen verbindet.
Die Geschichte des Pavillons spiegelt zugleich die Brüche des 20. Jahrhunderts: 1940 machte Emden Hitler das kupferne Dach als „Geburtstagsspende des Deutschen Volkes“ und damit der Kriegsindustrie zum Geschenk. Das Gebäude wurde notdürftig mit einer flachen Abdeckung versehen und der Abriss geplant. Doch der Rundbau überstand Krieg und Nachkriegszeit, wenn auch jahrzehntelang durch ein flaches Dach entstellt. Erst 1981 erhielt er seinen charakteristischen spitzen Kupferhut mit breiter Krempe und goldener Kugel zurück. Heute gilt der Pavillon als Kleinod der Emder Baugeschichte, und es gibt Pläne, ihn künftig museal und kulturell zu nutzen.
Doch die Zeit ist nicht spurlos an dem markanten Rundbau vorübergegangen. Zunächst muss er instandgesetzt werden: Die hölzernen Fenster und Türen im Inneren sind marode, das Mauerwerk ist durch eindringende Feuchtigkeit bedroht und auch das kegelförmige Dach muss dringend gesichert werden. Mit Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz konnte bereits eine restauratorische Voruntersuchung durchgeführt werden. Nun steht die fachgerechte Sanierung des Kiosks innen wie außen an. Der Innenputz muss abgeschlagen und erneuert werden. Erfreulich ist, dass originale Fliesen erhalten werden können und Fehlstellen durch fachgerechte Replikate ergänzt werden. Nach der Überprüfung der Tragfähigkeit wird ein Teil der alten Dielen und Balken ersetzt. Darüber hinaus soll das Mauerwerk wiederhergestellt werden und die Dachverkleidung aufbereitet werden, um das Bauwerk künftig als Außenstelle des Ostfriesischen Landesmuseums nutzen zu können. Mit Ihrer Unterstützung kann der Brückenkiosk für die kommenden Generationen erhalten werden!
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