Lübeck, Schleswig-Holstein

Bürgerhaus (Mengstraße 40)

Nicht nur das äußere Stadtbild Lübecks mit seinen historischen Häusern und dem mittelalterlichen Stadtgrundriss stellt ein Kulturgut ersten Ranges dar, auch im Innern vieler Häuser verbergen sich noch kulturhistorische Schätze. Dabei geht es um historische Raumausstattungen vom Mittelalter bis zur Neuzeit, die aufgrund des speziellen Lübecker Baurechts, das den Abriss der Brandwände zwischen den Häusern über Jahrhunderte blockierte, noch heute unter Tapeten und anderen Verkleidungen erhalten sind. Von besonderer kunsthistorischer Bedeutung sind dabei die Wandmalereien, die sich oft in mehreren Schichten übereinander vor allem auf den Brandwänden, gelegentlich jedoch auch auf den raumteilenden Wänden, noch erhalten haben. Sie wurden mit Kalkfarben direkt auf die gekalkten Backsteinwände aufgetragen. Das Spektrum der Motive reicht dabei von dekorativen Mustern, Blüten und Ranken bis zu figürlichen Darstellungen mit profanen und religiösen Themen. Die Malereien legen Zeugnis ab für das bürgerliche Selbstbewusstsein einer seit dem frühen Mittelalter reichen und unabhängigen freien Reichsstadt. Als führende Hansestadt und freie Reichsstadt konnte sich in Lübeck schon früh ein eigenständiges stadtbürgerliches Bewusstsein entwickeln, das in den meisten anderen Städten erst im Zuge der Emanzipation von kirchlicher oder fürstlicher Lokalmacht möglich wurde. Im Vergleich zu Zeugnissen des höfischen oder kirchlichen Selbstverständnisses sind sie weniger erforscht und oft auch schlechter überliefert. Mit den noch über 40 erhaltenen figürlichen und über 200 ornamentalen Wandmalereien in Lübeck würde sich eine einmalige Chance bieten, diese historischen Quellen zu sichern, zu erforschen und auszuwerten. Das zweigeschossige Giebelhaus in der Mengstraße 40 stammt aus dem 13. Jahrhundert, sein Seitenflügel wurde etwas später zugefügt. Die Häuserzeile zwischen Fernhandelshafen und Rathaus war – wie das Haus Mengstraße 40 – von reichen Großkaufleuten bewohnt. In einer Nische des Seitenflügels wurde 1967 eine Malerei der Marienkrönung aus der Zeit um 1325 freigelegt. Bei der Restaurierung 2002 wurde unter der Darstellung noch eine Vorhangmalerei freigelegt, die einen pelzbesetzten Saum zeigt. Die Restaurierung, welche die Deutsche Stiftung Denkmalschutz förderte, ist abgeschlossen.

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