Im Münsterland sucht man lange nach bürgerlich-städtischen Wohnbauten aus der Zeit vor 1500 – fündig wird man in der Kirchstraße im nordrhein-westfälischen Steinfurt. Mitte des 15. Jahrhunderts erbaut gilt das Bürgerhaus in Fachwerkbauweise als eines der ältesten der Region und ist ein authentisches Beispiel für die Wohnsituation des Bürgertums im späten Mittelalter.
Schon in den 2000er-Jahren musste man um diesen architektonischen Schatz fürchten. Es bestand akute Einsturzgefahr, Teilabriss drohte. Bis heute ist der Fachwerkbau noch in Gefahr. Besonders Schäden am Dach und seinen Gauben bereiten große Sorgen. Dringend muss gehandelt werden! Helfen Sie mit Ihrer Spende dabei, das bedeutende Zeugnis des Spätmittelalters in Westfalen zu retten!
Im historischen Zentrum des Ortsteils von Burgsteinfurt liegt das Bürgerhaus in einem wertvollen Ensemble aus im Kern spätmittelalterlichen Bauten. Die Anlage in der Kirchstraße besteht aus Vorder- und Hinterhaus.
Dendrochronologische Untersuchungen des im Bau verwendeten Holzes bestätigen für das Vorderhaus eine Bauzeit um 1465 und einen Umbau des Dachwerks über dem Haus im Jahr 1682. Das Vorderhaus zeigt sich heute als giebelständiger, eingeschossiger Bau mit ausgebautem Satteldach. Wesentliche Bauteile des mittelalterlichen Kernbaus, einem Längsdielenhaus in Fachwerk, sind heute noch erhalten. Die übrigen Wände wurden während des 19. und 20. Jahrhunderts in Backsteinmauerwerk erneuert. 1717 kam das Hinterhaus hinzu. Es zeigt sich als zweigeschossiger Fachwerkbau mit steilem Satteldach und überkragendem Obergeschoss an der Südwand. Im Inneren befand sich in jeder Etage ein ungeteilter Raum von ca. 24 qm Grundfläche.
Auch die historische Innenstruktur des Vorderhauses lässt sich bis heute teilweise noch ablesen. An der Traufseite gab es ein schmales Seitenschiff, das vermutlich als Stall diente. Die ursprüngliche Diele wurde wahrscheinlich im 19. Jahrhundert aufgegeben, als der Grundriss durch den Abbruch aller älteren Innenwände verändert wurde. Es entstand ein mittlerer Längsflur mit Türen in den wohl gleichzeitig umgebauten Giebelfronten.
Mit Jahrhunderten in den Mauern und einer bewegten Baugeschichte nimmt das Ensemble Denkmalpfleger und -liebhaber mit auf eine Reise durch die Geschichte. Doch es birgt noch so manches Geheimnis. So sind etwa die Besitzverhältnisse über die Jahrhunderte noch weitgehend unerforscht. Gesichert ist, dass sich hier ab dem 19. Jahrhundert eine Kupferschmiede und später eine Klempnerei sowie Installationsfirma befanden. Davon zeugt das große Schaufenster an der Vorderseite des Vorderhauses, das in den 1930er-Jahren eingebaut wurde.
Der für die Stadtgeschichte bedeutende Bau ist akut gefährdet. Vor allem der lange Leerstand haben dem Gebäude zugesetzt, wovon ein langer Schadensbericht zeugt: Die Außenwände sind stark verformt und beschädigt, die Tragfähigkeit kann nicht gewährleistet werden. Das Dach mit seinen Gauben weist deutliche Schäden auf, eintretendes Wasser hat die Gebäudesubstanz in vielen Bereichen beschädigt. Deckenbalken und Deckenbeplankungen sind teilweise komplett zerstört, das gilt insbesondere für das Vorderhaus. Das Dachtragwerk muss ertüchtigt und der Giebel zum Hinterhaus denkmalgerecht erneuert werden. Eine neue, innenliegende Mauerwerksebene soll die Tragfähigkeit sicherstellen. Helfen Sie mit Ihrer Spende bei der Rettung des jahrhundertealten Ensembles!