Burg Namedy
Andernach, Rheinland-Pfalz
(c) Ernst Hohmann

Burg Namedy

Durch die Liebe zur Musik gerettet

Der Bankkaufmann mit dem klangvollen Namen Prinz Godehard von Hohenzollern arbeitete in München, als er 1988 die völlig marode Burg Namedy, gelegen in der Rheinsenke zwischen Andernach und Brohl am Rhein, erbte. So schnell wie möglich wollte er diesen Klotz am Bein loswerden. Zuerst sollte das Inventar auf einer Auktion verkauft werden, dann das Haus. Als die größte Rumpelkammer endlich leer geräumt war, hatte der musikbegeisterte Prinz eine Idee: Wäre der frühere Spiegelsaal nicht ein wunderbarer Konzertsaal? Er lud Musiker zu einem Probekonzert ein. Als er einem Freund, dem weltberühmten Geiger Yehudi Menuhin, davon erzählte, übernahm dieser spontan die Schirmherrschaft für ein neues Musikfestival - die bis heute jährlich stattfindenden Andernacher Musiktage. Längst ist Burg Namedy als Kulturort aus der Region um Koblenz nicht mehr wegzudenken, jährlich finden im Schloss und Park rund 30 öffentliche Konzerte, Lesungen, Theateraufführungen und Ausstellungen statt. Jetzt muss das Dacht dringend saniert werden!

Bitte helfen Sie Burg Namedy in Andernach!


Mittelalterlicher Ursprung

Das Andernacher Patriziergeschlecht Hausmann errichtete das spätgotische Burghaus als eine von Gräben umgebene Wasseranlage. Ursprünglich bestand die Anlage aus der zweigeschossigen Hauptburg mit einem runden Treppenturm im Südosten und einem dreiviertelrunden Turm im Nordwesten. Das dritte Geschoss des Südostturms, das über einem Kleeblattbogenfries ins Achteck übergeht, stand ehemals frei. Im Jahr 1555 fügte man dem Gebäude einen in gleicher Flucht liegenden Erweiterungsflügel mit einem Treppenturm im Südosten an, der in seiner Gestaltung dem Nordwestturm entsprach. An der Südwestseite des Turms befindet sich ein Rundbogenportal und darüber ein Renaissanceerker mit einer Wappenfigur. Von 1896-98 ließ Freiherr von Solemacher der Burg ein drittes Geschoss aufsetzen. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Flügel zu einer hufeisenförmigen Anlage ausgebaut, die mit hohen Walmdächern gedeckt ist. Südöstlich befinden sich zweigeschossige, im rechten Winkel zueinander liegende Wirtschaftsbauten aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Eine Tordurchfahrt wurde um 1700 errichtet. Die Wassergräben sind heute versandet oder zugeschüttet.

Von der Wasserburg zum Hohenzollernschloss

Im Mittelalter als Wasserburg errichtet, wurde die Anlage 1909 von den Fürsten Henckel-Donnermarck an den Hohenzollernprinzen Carl Anton verkauft. Der hatte seinerzeit keine Lust mehr auf den Militärdienst und soll den Hinweis auf die zum Verkauf stehende Burg beim Haareschneiden von einem Friseur bekommen haben.

Im Jahr 1911 ließ Prinz Carl-Anton von Hohenzollern einen eingeschossigen, fünfachsigen Saalbau mit Flachdach errichten, der von zwei Rundtürmen mit Schweifhauben flankiert wird. Über dem Saal befindet sich eine Terrasse, die von einer steinernen Balustrade gerahmt wird. Die Turmdächer wurden 1919 durch neubarocke Schweifhauben ersetzt. Nach dem Untergang der Monarchie verfiel auch das Schloss immer mehr. Als Prinz Godehard 1988 das Erbe antrat, war von der früheren Schönheit nicht mehr viel zu sehen. Der Spiegelsaal diente als Abstellkammer, Wassereinbrüche hatten Decken und Paneele zerstört. Heizung und Elektrik funktionierten nicht mehr. Die Aussicht auf eine kulturelle Nutzung mobilisierte Freunde und das rheinland-pfälzische Landesamt für Denkmalschutz. Ein Förderverein wurde 1992 gegründet, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz förderte die aufwändige Restaurierung geschädigter Holzpaneele im Spiegelsaal mit einer sechsstelligen Summe.

Kaputtes Dach

Als Prinz Godehard 2001 mit 62 Jahren starb, setzten seine Erben alles daran, seinen Traum von einem Ort für die Musen weiterleben zu lassen. Durch die Ausrichtung von Firmen- und Hochzeitsfeiern gelingt es der Familie, das Denkmal aus eigener Kraft zu unterhalten. Doch bei einer Routinekontrolle stellte sich jüngst heraus, dass das Dach über dem Nordostflügel der Anlage sich in einem desolaten Zustand befindet. Es muss so schnell wie möglich ausgetauscht werden. Sonst würde die darunterliegende Bausubstanz in kurzer Zeit schweren Schaden nehmen. Mit ihrer Spende unterstützen Sie ein Denkmal, dessen Kulturprogramm jährlich tausende von Besuchern aus der Region anlockt.

Hufeisenförmige Anlage mit Wirtschaftshof, im Kern mittelalterlich, Ausbau bis ins 20. Jh., Förderung 2002, 2019

Adresse:
Burg Namedy
56626 Andernach
Rheinland-Pfalz