In Cottbus gehört das Doppelwohnhaus der Brüder Hammerschmidt aus dem Jahr 1929 zu den wenigen Privathäusern der Moderne. Beide Hälften in der Seminarstraße 34/35 sind vollkommen spiegelsymmetrisch angelegt und zeigen mit klaren Formen und sorgfältiger Materialwahl die Prinzipien der Neuen Sachlichkeit. Ihre Erbauer, Hermann und Hans, waren Anwälte in der angesehenen Kanzlei ihres Vaters Abraham Ludwig Hammerschmidt (1858–1933), der als Justizrat zudem Stadtverordneter und Vorsitzender der Fortschrittlichen Volkspartei war. Obwohl die Familie gesellschaftlich anerkannt war, wurde sie aufgrund ihrer jüdischen Herkunft ab 1933 Opfer von Repression, Entrechtung und Enteignung. Hans gelang die Emigration, während Hermann, weitere Geschwister und Familienangehörige im Holocaust ermordet wurden.
Heute zeugt das Doppelhaus der Brüder – dessen Innenausstattung in bemerkenswertem Umfang erhalten ist – nicht nur von der Moderne in Cottbus, sondern auch vom Schicksal der jüdischen Bevölkerung in Deutschland. Helfen Sie mit Ihrer Spende, das Doppelwohnhaus der Familie Hammerschmidt zu bewahren!
Als das Wohn- und Geschäftshaus der Familie Hammerschmidt in der Bahnhofstraße aufgrund der Familiengründungen zu eng geworden war, ließen Hans und Hermann ihre neuen Wohnhäuser nördlich des Altstadtkerns innerhalb eines Wohnquartiers von Architekt Max Hanke (1890–1971) errichten. Der seit 1909 in Cottbus tätige Architekt hatte 1915 das Bauunternehmen Michaelis & Dietrich übernommen und bereits zahlreiche Projekte in der Region verwirklicht. In den 1920er-Jahren wandte er sich der Neuen Sachlichkeit zu, die im streng symmetrischen Doppelwohnhaus der Hammerschmidts besonderen Ausdruck findet. Die beiden Gebäudeteile beruhen auf klaren Grundformen: Auf jeder Seite tritt ein Gebäudeteil bis zum Walmdach vor und besitzt ein Flachdach. Große, hochrechteckige Fenster gliedern die Backsteinfassade. Zur Straße hin begrenzt eine zeitgenössische Einfriedung den Garten. Jeweils an den Außenseiten führt eine Freitreppe zur Haustür, die mit einem Rautenmuster und einem Oberlicht in leicht expressionistischer Formgebung gestaltet ist. Darüber liegen auf beiden Seiten Eckbalkone sowie mehrteilige Treppenhausfenster im Giebel, die das Innere mit Licht versorgen. Die Rückseite prägen halbrunde Altanen – ähnlich einem Balkon, jedoch auf Unterbau stehend – in denen sich jeweils ein Wintergarten befindet.
Das identische Raumprogramm im Inneren ist besonders im rechten Gebäudeteil weitgehend erhalten: Fenster, Türen, Farbfassungen, Einbauten und sogar Sanitärräume stammen aus der Entstehungszeit. Doch ein Wasserschaden hat Risse in Mauerwerk und Putz verursacht, zudem wurden Rohrleitungen unter Putz unsachgemäß installiert. Armaturen und Sanitärobjekte sind defekt, originale Wand- und Deckenleuchten aus Messing funktionieren nicht mehr. Fliesen sind beschädigt und auch die Einfriedung benötigt dringend eine Instandsetzung. Nun müssen Badezimmer, Wintergarten und Garderobe aus der Erbauungszeit dringend restauriert werden. Jede Spende hilft, das wertvolle Zeugnis der Moderne und der jüdischen Geschichte in Cottbus zu erhalten!