Die Gläubigen im kleinen Ort Cunewalde in Sachsen hatten Anfang des 17. Jahrhunderts ein großes Problem. Ihre alte Kirche – vermutlich schon Ende des 15. Jahrhunderts errichtet – war baufällig und zu klein. Die Gemeinde wurde immer größer und die Sitzplätze in der Kirche immer rarer. Schon 1588 erklärte man zudem die alte Kirche für baufällig, doch erst 1780 begann der Neubau am heutigen Standort. Aber das Geld war knapp. Die Einwohner waren kreativ, sie finanzierten den Bau mit 14.000 Lotterielosen – der Zweck heiligt die Mittel. In der Adventszeit 1793 konnte der Sakralbau geweiht werden. Platznot spielt zwar heute zwar keine Rolle mehr, doch Schäden gibt es leider wieder. Dringend müssen Feuchtigkeitsschäden an der Decke behoben werden. Bitte helfen Sie mit Ihrer Spende dabei!
Die Dorfkirche Cunewalde zeigt sich als verputzter Bruchsteinbau auf rechteckigem Grundriss. Der Chorabschluss im Osten hat abgeschrägten Ecken, die Achsen sind durch farbig hervorgehobene Lisenen – ein leicht vortretendes, senkrechtes Element auf Fassaden ohne unteren oder oberen Abschluss – optisch getrennt. Hohe Flachbogenfenster durchbrechen die Längsseiten des Bauwerks.
Wo heute prachtvolle Kronleuchter aus böhmischem Kristall, eine mit floral und geometrischen Ornamenten verzierte Holzdecke und schmuckvoll gestaltete Logen die Besucherblicke auf sich ziehen, war ursprünglich wohl deutlich weniger zu sehen. Der Innenraum war zur Bauzeit recht schlicht und vermutlich in gedeckten Farben gehalten. Unter der Führung des Architekten Christian Friedrich Arnold (1823-90) erfolgte ab 1887 eine umfassende Neugestaltung des großen Saals mit seiner außergewöhnlichen dreigeschossigen Emporenanlage, die den Altarraum beidseitig einfasst. Der Bauherr schuf ein einheitliches Gesamtkunstwerk, welches überwiegend auf helles Holz und umfangreiche Verzierungen setzt. Nicht nur die harmonische Gestaltung macht die Dorfkirche zu einem architektonischen Juwel, in ihr finden sich auch viele wertvolle Ausstattungsgegenstände. Dazu zählen etwa der klassizistisch gestaltete Altar mit Dreiecksgiebel und drei bunte Bleiglasfenster, die für leuchtende Farbenspiele im Innern sorgen. Der Taufstein im Altarraum sowie die Kanzel stammen noch aus der alten Kirche.
Vielleicht als Lektion aus der Vergangenheit, vielleicht aus besonderer Gottesfürchtigkeit – zu klein ist die heutige Dorfkirche Cunewalde nicht. Der Innenraum verfügt über 2632 gebaute Sitzplätze! Damit darf sie sich „die größte evangelische Dorfkirche in Deutschland“ nennen.
Umgeben von den für die Oberlausitz typischen sogenannten Umgebindehäusern – Holzbauten mit den namensgebenden Umgebindebögen im Erdgeschoss – fällt der imposante Kirchenbau mit seinen 45 Metern Länge und 18 Metern Breite auf. Zum 100. Kirchgeburtstag bekam sein Turm ein höheres Zwiebeldach – nun ist er über 60 Meter hoch. Das bedeutende Bauwerk im Cunewalder Tal ist ein beliebtes Ausflugsziel und wichtiger Versammlungsort für die Gemeinde. Regelmäßig finden hier neben Gottesdiensten auch Konzerte statt. Doch in den schmuckvollen Innenraum dringt Wasser ein – dies hat bereits Schäden und sogar Ablösungen an der Decke hervorgerufen. Bereits seit 2019 sind daher zur Sicherheit Netze unterhalb der Decke gespannt. In mehreren Abschnitten soll der Kirchenraum umfassend saniert werden. Bitte helfen Sie mit Ihrer Spende dabei!