Dorfkirche Kermen
Zerbst/Anhalt, Sachsen-Anhalt

Dorfkirche Kermen

Dorfkirche im Dornröschenschlaf

Die romanische Dorfkirche St. Petrus und Paulus in Kermen ist ein lange Zeit verstecktes Kleinod: Noch vor kurzer Zeit war dieses Denkmal von dornigen Büschen zugewuchert und dem Gedächtnis der Menschen regelrecht entwachsen. Ab 1937 entstanden hier unerwartete Tatsachen - mit dem Fliegerhorst Zerbst. Als hier im mitteldeutschen Anhalt ab Ende 1944 die vermeintliche Superwaffe, der Strahljäger Me 262, stationiert wurde, war das Schicksal des „mitteldeutsche Rothenburgs“ besiegelt. Ab dem 10. April 1945 rollten Wellen von amerikanischen „Fliegende Festungen“ über die frühere Residenzstadt. Viel wurde unwiderruflich zerstört, am 16. April 1945 schließlich trafen 116 Tonnen Spreng- und 90 Tonnen Brandbomben fast alle Gebäude um das Zerbster Schloss, das einst ein kleines Versailles war. Auf das Bombardement folgte tagelanger Beschuss durch Tiefflieger und Artillerie. Dabei wurde das historische 1.000-jährige Zerbst fast vollständig vernichtet - und südwestlich vom Zentrum beinahe auch eines der ältesten Denkmale, die Dorfkirche St. Petrus und Paulus. Im Wissen um Ihre ursprüngliche Bedeutung wurde sie bis 1952, zu Zeiten der DDR, wieder instandgesetzt. Doch seitdem sind viele Jahrzehnte vergangen - und die herrliche romanische Kirche befindet sich erneut in großer Not!

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Feldsteinbau - um 1300 erbaut

St. Petrus und Paulus entstand um 1300 - ein typischer Feldsteinbau mit halbkreisförmiger Apsis, ein Zeugnis der Christianisierung des Ostens im Heiligen Römischen Reich. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde die Dorfkirche Kermen im barocken Stil überarbeitet. Der Kanzelaltar von 1711 bestimmt in der originalen Farbfassung aus Blau, Weiß und mattem Gold bis heute den flachgedeckten Innenraum mit seiner Westempore. Die Kostbarkeit ist ein Relikt aus der untergegangenen Zeit der fürstlichen Zerbster Barockkunst. Das Inventar mit Patronatsempore im Westen, Gestühl und Predigerstuhl ist noch in Gänze erhalten. 1717 wurde der Bau durch einen prägnanten Dachreiter erweitert, der leider im Zweiten Weltkrieg fiel. Die uralte Dorfkirche war als Ausguck gegen Tiefflieger zum Schutz des Fliegerhorstes genutzt worden.

Sicherung der Sicherung

In den 1950er Jahren konnten dringendste Schäden an der Kermener Dorfkirche repariert werden. Ihre Mauern wurden unter anderem durch provisorische Stützpfeiler mit Ziegeln und Betonmasse gesichert. Doch heute müssen ebenjene Pfeiler selbst gesichert werden. Überall sind offene Mauerfugen und lose und herausgefallene Ziegel zu sehen. Denn mit der Entwidmung der Kirche 1974 geriet das Denkmal aus dem Blickfeld und Bewusstsein der meisten Dorfbewohner. Das änderte sich erst über 30 Jahre später. Seit 2005 kümmert sich der ansässige Pfarrer um dieses romanische Kleinod im Kirchenkreis.

Besteigen verboten!

Es gibt viel zu tun. Überall sieht man die Spuren von Holzwürmern. Das in den 1990er Jahren aufgebrachte Notdach ist undicht - Wasser dringt in das Gebäude ein. Der Altaraufbau, den aufgemauerte Podeste abstützen, ist so instabil, dass der Pfarrer ihn nicht besteigen darf. Das Kunstwerk mit seiner zweigeteilten Mensaplatte stammt noch aus dem Mittelalter, wie die eingeritzten Weihekreuze an den Ecken bezeugen. Die Zeit drängt! Das Gemäuer ist bereits vollkommen durchfeuchtet und gefährdet so natürlich die wertvolle Innenausstattung. An den Wänden haben sich bereits Algen gebildet, überall blättert der Putz ab. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist überzeugt, dass dieses Kleinod in Zerbst gerettet werden kann. Nach der Sanierung des Dachs und einer nachhaltigen Trockenlegung des Denkmals möchte sie helfen, den wertvollen barocken Altar und das Inventar zu erhalten. Helfen Sie uns mit Ihrer Spende, dieses Kleinod zu bewahren!

romanische Dorfkirche; Ursprungsbaujahr ca. 1300; Kanzelaltar von 1711; Förderung 2020

Adresse:
Lepser Str.
39264 Zerbst/Anhalt
Sachsen-Anhalt