In einer Kirche wird im besten Fall gebetet, gesungen, gelacht, geweint, hier findet man zu sich selbst, hier kommen Menschen zusammen. Doch in Kösseln, einem 180 Einwohner kleinen Dorf im nördlichen Saalekreis, steht die Kirche seit Jahrzehnten leer. Nachdem in den 1970er-Jahren die Gläubigen immer öfter ausblieben, fasste man den Entschluss, den im Kern romanischen Sakralbau abzuschließen. Seine schöne klassizistische Ausstattung blieb vor bewundernden Augen verborgen.
2015 waren die fatalen Folgen des langen Leerstands nicht mehr zu übersehen: Die Nordwand hat sich gefährlich nach außen geneigt, da die schwere Gewölbedecke auf sie drückt. Fast wäre das jahrhundertealte Gebäude verloren gewesen – bis die Dorfgemeinschaft beherzt eingriff und eine Notsicherung der Wand vornahm. Zwar konnte der ehrenamtliche Einsatz das Schlimmste verhindern, doch die Gefahr ist noch lange nicht gebannt. Bitte helfen Sie mit Ihrer Spende bei der notwendigen Dachsanierung – sonst ist die Dorfkirche Kösseln für immer verloren!
Entstanden ist die in Bruchstein gemauerte Saalkirche vermutlich um 1250. Sie weist einen quadratischen, oben achteckigen Westturm mit Pyramidendach auf. Der nach Osten gerade abschließende Bau liegt in der Dorfmitte, umgeben von einem weiten Friedhof mit einer Mauer aus Ziegelstein, in die an der Südseite barocke Grabsteine eingelassen sind.
Die Jahrhunderte sind an der Kirche ablesbar, mehrfach wurde sie erweitert. 1798 wurde im Osten die Sakristei – ausgeführt in Fachwerk – angebaut, an der Südseite kam Ende des 19. Jahrhunderts ein Anbau hinzu und an der Nordseite des Schiffs wurde vermutlich Anfang des 20. Jahrhunderts ein vermauerter neogotischer Eingang ergänzt.
Ihre imposante klassizistische Ausstattung stammt aus dem späten 18. Jahrhundert – ein Gesamtkunstwerk aus Kanzelaltar, hufeisenförmiger Empore und einem Stuckfries an der Decke, an dem sich Bezüge zur Innenausstattung des nahe gelegenen Schloss Wörlitz erkennen lassen. Heute wird die Pracht von einer dicken Schmutzschicht verborgen, Putzteile aus der Decke liegen auf dem Boden, aus dem Stuckfries sind Stücke herausgebrochen. In der Mitte des Kirchenschiffs steht ein Gerüst, das die hölzerne Gewölbetonne hält. Sonst würde diese weiterhin ungehindert auf die Außenwände drücken. Außen an der Kirche sollen sechs Metallstützen weitere Verformungen der Nordwand verhindern.
Auch wenn die Dorfkirche seit den 1970er-Jahren verschlossen ist, wurde die Sakristei in den Folgejahren sporadisch für Trauerfeiern oder Gottesdienste genutzt. Die heutigen Schäden entstanden größtenteils ab den 1990er-Jahren. Wasser suchte sich den Weg in das Kirchenschiff, die Balkenköpfe im Dachstuhl faulten weg – der Grund für die heutige Problemlage. Es besteht akute Einsturzgefahr! Nicht nur für die Mitglieder des 2017 gegründeten Dorfvereins zur Rettung des Sakralbaus wäre der Verlust unermesslich, die Gemeinde würde eines der ältesten Gebäude im Dorf und ein ortsbildprägendes Wahrzeichen verlieren.
Die Notsicherung der Nordwand und auch eine in den 1990er-Jahren erfolgte partielle Dachneueindeckung schafften nur temporär Abhilfe. Dringend müssen daher jetzt Reparaturen am Dachstuhl erfolgen. Dabei möchte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz gemeinsam mit ihrer treuhänderischen Ernst-Ritter-Stiftung unterstützen. Dann kann das Dach auch wieder eine vollständige Ziegeleindeckung erhalten. Ursprünglich war es mit Biberschwanzziegeln gedeckt, die zur Entlastung aber durch leichte Bitumenwellplatten ersetzt werden mussten.
Dass heute die Kirchenglocken nach Jahrzehnten der Stille wieder regelmäßig erklingen, ist ein Hoffnungsschimmer für die Zukunft: Lesungen, Konzerte, Feiern und Gottesdienste sollen dem reich geschmückten Innenraum bald wieder Leben einhauchen. Doch damit dieser Wunsch Wirklichkeit wird, braucht es Ihre Hilfe – bitte spenden Sie für die Rettung der Dorfkirche Kösseln!
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