In der Prignitz, zwischen Berlin und Hamburg, steht die Dorfkirche Uenze – ein hochgotischer Feldsteinbau aus dem späten 13. Jahrhundert, dessen mächtiger Westturm zuerst ins Auge fällt. Stufenförmig gestaltete Backsteinportale führen ins Innere, wo die Kirche einen besonderen Schatz beherbergt. Neben einem kunstvollen hölzernen Kanzelaltar von 1753 findet sich hier ein spätgotischer Sakramentsturm aus Holz. Insgesamt sind solche mittelalterlichen Stücke äußerst rar. Unterstützen Sie mit Ihrer Spende an die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, dieses wertvolle Zeugnis spätmittelalterlicher Handwerkskunst zu bewahren!
Die Dorfkirche Uenze vereint mittelalterliche Bauelemente von herausragendem kunsthistorischem Wert. Der Saalbau mit seinem schiffsbreiten Westturm zeigt ursprüngliches Feldsteinmauerwerk, ergänzt durch gotische Backsteinarchitektur des 15. Jahrhunderts. Die oberen, leicht zurückgesetzten Turmgeschosse wurden nach einer dendrochronologischen Untersuchung des verbauten Holzes im Jahr 1492 errichtet. Sie besitzen die für spätmittelalterliche Backsteinturmbauten der Prignitz charakteristischen gekuppelten Schallöffnungen – also paarweise nebeneinanderliegende Klangarkaden, die durch eine gemeinsame spitzbogige Blendrahmung gefasst sind und den Schall der Glocken weit über das Land tragen. Ein Walmdach mit kleinem Dachreiter aus dem späten 15. Jahrhundert schließt den mächtigen Turm nach oben ab. Die vier steilen Backsteinportale – zwei original erhalten, zwei später zugesetzt – zeigen reich profilierte Gewände aus Formziegeln, in denen sich Rundstäbe, Spitzstäbe und Birnstäbe abwechseln. Sie gehören zu den qualitätvoll ausgeführten spätgotischen Portalen der Region und prägen bis heute das Erscheinungsbild des Bauwerks.
Im Inneren befindet sich der spätgotische Sakramentsturm, ein äußerst seltenes, turmartiges Sakramentshäuschen, das aus nur wenigen massiven Holzblöcken geschnitzt und dendrochronologisch auf das Jahr 1502 datiert wurde. Er besitzt vier Eckfialen, ein steiles Pyramidendach sowie Spuren einer intensiven mittelalterlichen Farbfassung. Solche freistehenden Sakramentshäuser dienten der Aufbewahrung des Allerheiligsten – also der geweihten Hostien – und damit einem der wichtigsten liturgischen Zwecke des Mittelalters: der sicheren Verwahrung und ehrfürchtigen Präsentation des eucharistischen Leibes Christi. Während in vielen Kirchen das Allerheiligste in Wandnischen oder im später üblichen Altartabernakel aufbewahrt wurde, entwickelten sich im ausgehenden 14. und 15. Jahrhundert diese architektonisch gestalteten, turmartigen Kleinarchitekturen, die in ihrer Formensprache gotische Kirchtürme zitieren und durch Fialen, Maßwerk und eine betonte Sichtbarkeit die Verehrung der Realpräsenz Christi unterstreichen. Die freistehende hölzerne Form, wie sie in Uenze erhalten ist, gehört zu den seltensten Varianten und findet sich in der Mark Brandenburg nur noch in ganz wenigen Dorfkirchen, etwa in Uenze und Kleinow.
Der spätgotische Sakramentsturm der Kirche in Uenze – eine der seltenen freistehenden turmartigen Kleinarchitekturen der Mark – wird seit der Reformation nicht mehr liturgisch genutzt. Über die Jahrhunderte hat die fehlende Nutzung dazu geführt, dass der hölzerne Aufbau ungeschützt gegenüber Feuchtigkeit, Temperaturschwankungen und natürlicher Materialalterung blieb. Dadurch sind heute vor allem der Standfuß und die tragende Holzsubstanz gefährdet; typische Alterungs- und Feuchteschäden historischer Hölzer haben zu deutlicher Materialermüdung geführt. Gleichzeitig lösen sich an mehreren Stellen die ursprünglichen Farbschichten, sodass die mittelalterliche Fassung und feine geschnitzte Details akut bedroht sind. Um das Objekt, das eine herausragende kunst- und kulturhistorische Bedeutung besitzt, vor weiterem Substanzverlust zu bewahren, sind dringend konservatorische Maßnahmen erforderlich. Bitte unterstützen Sie die Deutsche Stiftung Denkmalschutz dabei, dieses außergewöhnliche und kunsthistorisch wertvolle Kleinod zu erhalten!