Fleischhof
Quedlinburg, Sachsen-Anhalt

Fleischhof

Einsturzgefahr im Zentrum eines Welterbes

Quedlinburg ist eine Augenweide: mittelalterliche Kirchen, Fachwerkhäuser aus sechs Jahrhunderten und der alles bekrönende Schlossberg - in Deutschland gibt es nur wenige Altstädte, die ein so geschlossenes und gut erhaltenes Stadtbild besitzen. Stundenlang kann man als Besucher durch die historischen Gassen der Welterbestadt schlendern und sich daran erfreuen, wie dieses historische Zeugnis von unschätzbarem Wert in den vergangenen Jahrzehnten restauriert wurde. Doch nur ein paar Schritte vom Marktplatz entfernt befindet sich ein bedeutendes Bauwerk in einem katastrophalen Zustand. Der Fleischhof gilt als einer der größten historischen Hofkomplexe in der Quedlinburger Altstadt und liegt malerisch zwischen Stadtmauer und Mühlengraben. Doch dringt seit Jahrzehnten Wasser ins kaputte Dach des Westflügels und schädigt die gesamte Substanz. Wenn nicht bald gehandelt wird, droht das Denkmal einzustürzen!

Bitte helfen Sie dem Fleischhof in Quedlinburg!


Bedeutendes Renaissancedenkmal

Der Name Fleischhof rührt vermutlich daher, dass die Fleischergilde, deren Haus in der Nähe stand, die kühlen Gewölbe der Hofanlage schon im Mittelalter zur Lagerung nutzte. Erstmals urkundlich erwähnt wird der Fleischhof 1316. Vom 15. Jahrhundert an befand er sich nachweisbar im Besitz des Quedlinburger Stifts und wurde in dieser Zeit an verschiedene Adelsfamilien verpachtet. Der Westflügel ist hierbei der wertvollste und älteste Gebäudeteil. Das hübsche Sandsteinportal trägt die Jahreszahl 1567. Das Erdgeschoss ist massiv aus Naturstein, der darüber liegende Stock ist in der für Quedlinburg so typischen Fachwerkbauweise errichtet. Drei Zwerchhäuser aus der Renaissance ragen aus dem Dach – eine Seltenheit, weil viele dieser Dachaufbauten in der Barockzeit entfernt wurden. Im Inneren lässt sich trotz einiger Umbauten der originale Grundriss nachvollziehen. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts gehörte das Anwesen der Samenhändler-Familie Ziemann/Sperling. Als diese 1948 ihren Stammsitz in Quedlinburg aufgeben musste, begann der schleichende Verfall des Ensembles.

Feuchtigkeit und massive Schäden

Noch heute ist Westflügel das Sorgenkind des Fleischhofs. Seit Jahrzehnten dringt Wasser in das kaputte Dach und setzt Wänden und Decken zu. Der Echte Hausschwamm, der gefährlichste Pilz für verbaute Hölzer, hat sich im Fachwerk breitgemacht und schon manchen Balken zersetzt. Als Folge ist die gesamte Holzkonstruktion instabil. Besonders auf der Wetterseite ist die Lage dramatisch. Man kann von Glück reden, dass die sich zur Seite neigenden Zwerchhäuser noch nicht herabgestürzt sind. Einige wenige, dafür umso wichtigere Ausstattungstücke, etwa der große Kamin und zwei wunderschön geschnitzte Stützen, heben sich angesichts des vielen Bauschutts und des bröselnden Putzes besonders ab. Es scheint noch mehr erhalten zu sein: Die Bauforscher gehen davon aus, dass unter den vielen Farbschichten weitere kostbare Malereien und Baudetails aus dem 16. und 17. Jahrhundert schlummern. Doch nun muss schnellstens mit der Sanierung des Baus begonnen werden. Mittelfristig wird das Haus aufgrund zahlreicher verformter Hölzer des Fachwerks keine Standfestigkeit mehr haben. Ein großes Problem ist auch die angespannte Haushaltslage, die Stadt Quedlinburg kann die erforderlichen Mittel alleine niemals aufbringen. Dabei bietet gerade die geplante Hilfe für den Fleischhof eine Menge Potenzial: Wenn es an die Arbeit geht, möchten die Stadt und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz den Fleischhof zu einer offenen Baustelle machen, auf der die Restauratoren, Handwerker, Studenten, Lehrlinge und Jugendbauhüttler Hand in Hand arbeiten. Als „Erlebniswelt Denkmal“ soll hier ein lebendiger Ort zum Lernen, Mitmachen und Schauen entstehen, der auch allen Förderern der DSD offensteht. Dazu passt die angedachte öffentliche Nutzung als Welterbezentrum. Bitte helfen Sie dabei, das erhaltene Ensemble des ehemaligen Fleischhofs zu retten und damit ein bedeutendes Stück der Quedlinburger Altstadt zu bewahren.

Unmittelbar an die ehemalige Stadtmauer angrenzende, geschlossene Anlage um einen weiten Hof mit Wohn- und Wirtschaftsbauten, massiv und in Fachwerk, 16.-18. Jh., Förderung 2009, 2012, 2019

Adresse:
Wordgasse
06484 Quedlinburg
Sachsen-Anhalt