Heidelberg ist die Stadt, in der Luther am 26. April 1518 erstmals öffentlich seine Theologie präsentierte. Das „ehemalige Lutherhaus“ erinnerte daran, als es von 1926 bis 1928 für die evangelische Gemeinde gebaut wurde. Es befindet sich unweit des Neckars in der Heidelberger Weststadt und ist durch den Architekten Philip Hettinger aus verputztem Sandstein im expressionistischen Stil errichtet worden – in Heidelberg nur sehr selten zu finden! Die reiche Ausstattung aus den 1920er Jahren ist noch original vorhanden. Helfen Sie mit Ihrer Spende, sie zu erhalten!
Bei der straßenseitigen Gestaltung der vierstöckigen Fassade orientierte sich Hettinger an klassizistischen Stilelementen, die er expressionistisch abwandelte: Die Säulen, die rechts und links den Eingang schmücken, haben spitz zulaufende Grate und stehen halb auf der vorletzten Treppenstufe und halb auf dem Treppenpodest. Anders als vergleichbare klassische dorische Säulen verjüngen sie sich nicht und wirken so sehr wuchtig unter dem flachen Vordach, dessen ungewöhnliche Trapezform mit der längeren Seite an der Fassade diesen Effekt verstärkt. Die Eingangstreppe ist mit vier flachen, breiten Stufen in einer rechteckigen Grundstruktur etwas breiter angelegt als das Vordach.
Hohe Rundbogenfenster, die mit mehreren Bögen in die Fassade eingearbeitet sind, prägen das erste Stockwerk, während sich darüber schlichte Fenster mit steinernen Simsen befinden, die immer genau über den Rundfenstern angeordnet sind. Sie sind mit Rollläden versehen, die eine Vorrichtung haben, mit der der untere Teil abgeknickt werden kann, sodass er wie eine Markise wirkt. Auffällig an der Fassade ist auch der Attikafries – das gestaltete Band unterhalb des Daches –, das in einem eckig wirkenden antikisierenden Mäander mit stilisierten Schmuckelementen auf schwarzem Hintergrund gestaltet ist.
Im ersten Stock befinden sich der Johannes-Brahms-Saal mit einer hervorragenden Akustik sowie ein Kammermusiksaal. Beide sind zur Straße ausgerichtet. Zusammen mit vielen kleineren Zimmern dienen sie seit einer Sanierung, die vor allem dem Schallschutz gewidmet war, der Musik- und Singschule Heidelberg.
Im Inneren ist noch die originale Ausstattung des Hauses mit Stuckdecken, Holzlampen, Böden aus Parkett, Steinfliesen oder Holzdielen und historischen Treppen vorhanden. Die Bleiverglasungen der farbigen Bleiglasfenster im ersten Geschoss, die mit Persönlichkeiten der Kirchengeschichte und Ornamenten gestaltet sind, müssen dringend überarbeitet werden! Auch die originalen Beschläge und Knäufe der Türen aus den 1920er Jahren brauchen eine Sanierung. Helfen Sie mit Ihrer Spende, das außergewöhnliche ehemalige Lutherhaus zu erhalten!