Die evangelische Frauenkirche hat ihren Ursprung in einer kleinen Rivalität. In der eigentlichen Stadtkirche durfte die Bürgerschaft nämlich nicht bestimmen, wer dort Geistlicher war und die Messe las. Das Sagen hatte stattdessen das Domkapitel von Speyer. Das fand mit der Zeit immer weniger Anklang bei den Esslingern, woraufhin diese kurzerhand den Bau einer eigenen Kirche beschlossen. Am 26. Mai 1321 forderte der Rat die Bürgerschaft zum Bau der Kirche „zu unseren lieben Frauen“ auf. Doch bis die Esslinger entscheiden konnten, wer ihre Messe las, verging einige Zeit. Fast 200 Jahre – nämlich bis zum Jahr 1516 – dauerte es, bis das Gotteshaus vollendet war. An der Errichtung waren die beiden bekannten Baumeisterfamilien Ensinger und Böblinger beteiligt. Als Standort wurde der Platz der alten Liebfrauenkapelle am Fuße der Neckarhalde gewählt. Neben dem 72 Meter hohen Turm fallen vor allem die Glasfenster im Chor ins Auge. Die wertvollen Fenster wurden von Hans Gottfried von Stockhausen eingebaut. Im Inneren über den beiden Prachtportalen auf der Südseite sind bildliche Darstellungen des Weltgerichts sowie aus dem Marienleben erhalten. Die Esslinger Frauenkirche gehört zu den bedeutendsten Baudenkmälern Baden-Württembergs, weil sie als die früheste gotische Hallenkirche in Südwestdeutschland gilt. Als sich der Turm der Kirche vor einigen Jahren als sanierungsbedürftig herausstellte und einige Teile herunterzustürzen drohten, beteiligte sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz finanziell an der Restaurierung. Dabei wurden Trageelemente ausgetauscht und schadhafte Turmhelmrippen erneuert.