Gera, Thüringen

Ev. Johanniskirche

Von Johannes dem Täufer zu Johannes dem Evangelisten

Die Johanniskirche ist mit ihrem 70 Meter hohen Turm die größte Kirche im thüringischen Gera. Der Vorgängerbau der heutigen Kirche wird um 1200 erstmals erwähnt. Über die Jahrhunderte von Krieg und Feuer gezeichnet, wurde sie 1824 endgültig abgerissen – eine Nachfolgerin musste her. Die „neue Johanniskirche“, nun nicht mehr Johannes dem Täufer, sondern dem Evangelisten Johannes geweiht, konnte 1881 bis 1885 dank Spenden aus der Bevölkerung gebaut werden.

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Ein Politikum

„Jetzt wollen die streng kirchlich Gesinnten in Gera die Johanniskirche mit zur Hauptkirche erhoben wissen, wogegen die freisinnigere Partei wegen der dadurch entstehenden Mehrausgaben an Besoldungen für Geistliche ec. polemisieren und lieber eine freie Volksschule eingeführt sehen möchte.“

So berichtete das Hannoversche Tageblatt vom 14. August 1880. Der Neubau war ein Politikum, doch am Ende setzten sich die Kirchenbefürworter durch. Gera war durch die Industrialisierung in kurzer Zeit stark gewachsen. Beim Gottesdienst wurde der Platz knapp, für 30.000 Menschen gab es nur eine große Pfarrkirche. Ein Neubau musste her, der mit Spenden finanziert wurde. 1885 wurde die in neogotischer Formsprache erbaute Kirche geweiht. Doch nicht nur die alte Johanniskirche litt durch Krieg und Feuer: Im Zweiten Weltkrieg wurden Dach, Fenster und Glasrosetten des neuen Baus zerstört. Erst rund 30 Jahre später konnten Sanierungen durchgeführt werden.

Der repräsentative, stark gegliederte Backsteinbau mit vorgeblendeter Klinkerfassade erhebt sich als Hallenkirche auf kreuzförmigem Grundriss. Auffallend ist im Inneren die dreiseitige Empore und der verbreiterte Abstand zwischen den umlaufenden Säulen im Osten des Innenraums. Das große, über der Orgel liegende Radfenster mit Maßwerk belichtet den Innenraum. Drei Buntglasfenster mit der Darstellung der vier Evangelisten im Chor stammen ebenfalls noch aus der Erbauungszeit, der Altar und die Kanzel wurden 1974 erneuert. Auch die von außen den Chor flankierenden Kirchtürme sowie der Südwestturm mit spitzem Sandsteinhelm sind charakteristisch für die Johanniskirche. Von außen wird sie durch Strebepfeiler, spitzbogige Maßwerkfenster aus Sandstein, Sandsteingesimse und Bauzier aus Elbsandstein gegliedert.

Unter Staub und Ruß verborgen

Heute ist St. Johannis immer noch die Hauptkirche der Stadt, wird aber auch für Ausstellungen und Konzerte genutzt. Die Fassade hat in den letzten Jahrzehnten deutlich gelitten. Staub, Ruß, Öl bilden eine schwarze Filmkruste, auf den Ziegeln sind teils großflächige Salzausblühungen zu sehen. Die Oberflächen der Mauerziegel lösen sich durch die Salzsprengungen und die damals geringe Qualität der genutzten Ziegel ab. Der verbaute Sandstein verwittert zusehends. Vor über 130 Jahren konnte die Kirche dank der Spenden aus der Bevölkerung gebaut werden – heute konnte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die Sanierung der Fassade unterstützen.