Wunderblutkirche St. Nikolai
Bad Wilsnack, Brandenburg

Wunderblutkirche St. Nikolai

Wunder gibt es immer wieder

"Wunder" geschahen im Mittelalter schnell. Damals waren Blitz und Donner schon wundersam. Heute sind sie erklärlich - der Wissenschaft und Forschung sei Dank. Dafür ist die heutige Gesellschaft bei weitem weniger gottesfürchtig. 1383 sorgte das Hostienwunder von Wilsnack für Aufsehen, das bis zur Reformation im 16. Jahrhundert anhielt. Bis dahin war die Wunderblutkirche St. Nikolai im brandenburgischen Prignitz das fünftbedeutendste Wallfahrtsziel des Abendlandes. Heute benötigt der mächtige Backsteinbau intensive Pflege, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz half dabei.

Wallfahrtsort zum Heiligen Blut

Nach einem vom Raubritter Heinrich von Bülow gelegten Feuer fand ein Priester1383 in der Kirchenruine drei Hostien auf dem Altar - unversehrt, jeweils mit einem Tropfen des Blutes Christi benetzt. Das "Wunderblut" von Wilsnack wurde bereits im Folgejahr kirchlich anerkannt und legte die Grundlage für diese Wallfahrt. Mehr als 170 Jahre lang wanderten hunderttausende Pilger auf mehreren Wallfahrtswegen nach Wilsnack, um das Heilige Blut zu besuchen. Je eine Meile Weg zur Wallfahrtskirche gab einen Tag Ablass vom Fegefeuer.
Für die Menschen von Wilsnack waren die Wunderbluthostien ein wirtschaftlicher Segen - die Pilger ernährten sie reichlich. Der Kirche wurde nach dem Brandanschlag von 1383 schnell wieder aufgebaut. Die Baugeschichte ist noch nicht abschließend geklärt. Noch vor1400 wurden für den spätgotischen Bau ein neuer Chor und ein Querhaus errichtet. Die beiden Fenster der Querhäuser gehören zu den größten ihrer Art in Europa. Die Bauzeit der wuchtigen, dreischiffigen Hallenkirche im Stil der norddeutschen Backsteingotik erstreckte sich vom Ende des 13. Jahrhunderts durchgängig bis kurz vor der Reformation mit dem Schluss des Langhauses 1525.

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Jähes Ende während der Reformation

1513 erhielt Wilsnack Stadtrecht und Marktgerechtigkeit. Doch die Pilgerbewegung fand im Jahre 1552 ein jähes Ende, als der erste evangelische Pfarrer von Wilsnack, Joachim Ellefeld, die Überreste der Wunderbluthostien verbrannte - ein aus seiner Sicht kirchenpolitischer Akt wider den Aberglauben, der das wirtschaftliche Ende von Wilsnack bedeutete.

Wertvolle Ausstattung - unbedingt erhaltenswert

Neben dem erhaltenen Schrein der drei Wunderhostien befinden sich noch viele kostbare Ausstattungsstücke im Denkmal - ein spätgotisches Taufbecken, zahlreiche Sandsteinplastiken aus dem 14. Jahrhundert, der Fuß eines Osterleuchters und reiche Glasmalereien.
Seit 2002 fördert die Deutsche Stiftung Denkmalschutz gemeinsam mit ihrer treuhänderischen Ernst-Ritter-Stiftung die Sanierung der Kirche, um dazu beizutragen, dieses beeindruckende Zeugnis mittelalterlicher Frömmigkeit zu erhalten!

Gotische Backsteinhalle mit Querschiff und tiefem, polygonal geschlossenem Chor, vermutlich 15. Jh. mit älteren Resten, Förderung 2002, 2009, 2011, 2016-19

Adresse:
An der Kirche
19336 Bad Wilsnack
Brandenburg