Weimar, Thüringen

Goethe-Nationalmuseum

Zu Gast bei Deutschlands größtem Dichter

„Dichter-Titan“ oder „Genie“ wurde er schon zu Lebzeiten genannt, bis heute erzeugt sein Name Ehrfurcht. Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) ist einer der größten deutschen Dichter und Universalgelehrten. Sein Wohnhaus in Weimar ist bis heute so unverändert erhalten, dass es einen fast nicht verwundern würde, wenn Goethe plötzlich erschiene. Fast 50 Jahre lebte der Dichter in dem barocken Stadtpalais, den er selbst umgestaltete. Als Mann von Welt hatte Goethe hier viele große Persönlichkeiten zu Gast – heute zieht es als Museum zahlreiche Besucher an. Durch 18 öffentlich zugängliche Räume lässt sich auf Goethes Spuren wandeln. Antike Skulpturen und klassizistische Bilder spiegeln noch immer eindrücklich die vielen Interessen Goethes, während ein Blick in sein Arbeitszimmer verrät, in welcher Atmosphäre seine zahlreichen Schriften entstanden.

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Von Goethe selbst gestaltet

Geboren in Frankfurt am Main, kam Goethe auf Einladung des jungen Weimarer Herzogs in die kleine Stadt, nicht ahnend, dass er hier sein restliches Leben verbringen würde. Er freundete sich mit dem Herzog an, der ihm nach und nach wesentliche Ämter des Herzogtums und auch die Leitung des Theaters übertrug. Das Stadtpalais am Frauenplan bewohnte Goethe ab 1782 zunächst zur Miete, bis er es zehn Jahre später vom Herzog als Dienstsitz bekam. Erbaut wurde das stattliche Gebäude zwischen 1707 und 1709 von dem fürstlichen Kammerkommissar und Strumpfhändler Georg Caspar Helmershausen (1654-1716), es war wohl von Anfang an als Mietobjekt vorgesehen.

Kurz zuvor von seiner berühmten Italienreise zurückgekehrt und vollkommen beeindruckt von der römischen Architektur und Kunst, begann Goethe, den Palais nach seinen Vorstellungen umzubauen. Er griff dabei in die Struktur ein und verwandelte das enge, kleinteilige Gebäude in ein repräsentatives Stadthaus. Das gelb verputzte Haus mit den vielen weißen Sprossenfenstern ist inzwischen aus dem Stadtbild von Weimar nicht mehr wegzudenken.

Im heutigen Museum nehmen Besucher den gleichen Weg, wie seinerzeit Goethes Gäste: Sie betreten zunächst einen arkadenartigen Gang, an dessen Ende sich eine breite, italienisch anmutende Treppe befindet. Beim Aufstieg in den ersten Stock passiert der Besucher meisterliche Skulpturen in Nischen, bis er zu den repräsentativen Räumlichkeiten des ersten Stockes gelangt. Oben angekommen, begrüßt zunächst der in den Boden eingelassene Schriftzug „Salve“ die Gäste. Sie gelangen in helle Räumlichkeiten, die hintereinander angeordnet und jeweils in einer anderen Farbe und nach ihrer Funktion gestaltet sind. Beispielsweise erheitert heute noch die Farbe gelb den Raum mit dem großen Tisch die Besucher, wo einst berühmte Persönlichkeiten wie Friedrich Schiller (1759-1805) und Johann Gottfried Herder (1744-1803) Platz nahmen, um die Fragen ihrer Zeit zu diskutierten. Sicher wurden auch die naturwissenschaftlichen Sammlungen Goethes besprochen. Für sie entwarf er eigens individuelle Schränke, in denen seine Sammelstücke bis heute sicher, übersichtlich und repräsentativ untergebracht sind. Die Empfangsräume stattete Goethe alle mit antiken und klassizistischen Skulpturen und Bildern aus, die er, je nach Anlass, immer neu ausrichtete. Am Ende der Suite befindet sich Goethes Arbeitszimmer, ein bewusst nüchtern gehaltener Raum, in dem Goethe nichts beim Arbeiten ablenken konnte. Angrenzend befindet sich seine imposante Bibliothek mit 7000 Bänden, die zu seiner Zeit alle wesentlichen Schriften enthielt.

Hilfe für das wertvolle Denkmal

Goethe hinterließ in Weimar viele Spuren, als Minister gestaltete er den Ort maßgeblich mit und machte Weimar zu einem kulturellen Zentrum. Sein ehemaliges Wohnhaus am Frauenplan ist ein einzigartiges Dokument der Lebens- und Arbeitsverhältnisse des deutschen Nationaldichters und seiner Zeit.

Als Museum zieht es jährlich tausende Besucher an – die wiederum ihre Spuren in dem Haus hinterlassen. Vor allem die historischen Holzböden müssen dringend überarbeitet und repariert werden. Auch der Steinfußboden im Vestibül weist starke Schäden auf. Zudem bedarf der Marmorstuck, beispielsweise am Relief im Treppenhaus, einer farblichen Neufassung. Dank einer großzügigen Spende kann die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die behutsame Instandsetzung der Innenräume unterstützen, um das Wohnhaus des großen deutschen Dichters noch lange der Nachwelt zu erhalten.