Kyffhäuserland, Thüringen

Gut Bendeleben

Adlige Gutsanlage

Gut Bendeleben zählt zu den bedeutendsten und weitestgehend vollständig erhaltenen Gutsanlagen des 18. und 19. Jahrhunderts in Nordthüringen. 1763 bis 1768 entstand durch Johann Jakob von Uckermann auf dem Areal von ehemals fünf Edelhöfen ein neues Schloss mit zugehörigen Wirtschaftsbauten, einem Gasthof, einer Brauerei, einer Mühle, einer Ziegelbrennerei, Unterkünften für die Arbeitskräfte sowie einem Lustgarten nach französischem Vorbild mit Orangerie. Die barocke Anlage wird seit Jahrzehnten liebevoll und denkmalgerecht saniert – auch mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

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Gegründet von einem reichen Heereslieferanten

Johann Jacob von Uckermann (1718–1781), der Erbauer des Schlosses und der Gutsanlage Bendeleben, war Kaufmann, Geheimer Kriegsrat, Geheimer Rat und Generalpostintendant. Und er war reich: Als Heereslieferant machte er im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) enorme Profite. Dem Landgrafen Friedrich II. von Hessen-Kassel konnte er ein Darlehen in Höhe von 40.000 Reichstalern gewähren – eine für damalige Verhältnisse riesige Summe. Der Landgraf zeigte mit allerlei Titeln seine Dankbarkeit und erhob den Kaufmann 1770 in den Reichsfreiherrenstand.

Von 1763 bis 1768 – der Krieg war gerade vorbei – baute er sich im Thüringischen eine barocke Schlossanlage mit umfangreichen Gutsgebäuden. Dieses Gut Bendeleben wurde für Johann Jacob von Uckermann zum Rückzugsort: Nach dem mitverschuldeten Bankrott der Handelskompanie Carlshafen verlor er das Vertrauen des Landgrafen und zog sich nach Thüringen zurück. 1849 endete mit einem Verkauf die Zeit der Familie von Uckermann in Bendeleben. Der wohlhabende Kaufmann Wilhelm von Krause erwarb das Gut. Dieser ließ von 1860 bis 1861 das „Neue Schloss“ im Stil des Historismus errichten und nutzte es fortan als herrschaftlichen Wohnsitz. Nach mehreren Modernisierungen um das Jahr 1920 und der Einrichtung eines spezialisierten Saatzuchtbetriebs in den 1930er Jahren wurde das Gut nach Gründung der DDR schließlich in einen Volkseigenes Gut (VEG) umgewandelt. Nach der Wiedervereinigung begann die kontinuierliche Sanierung der Gutsanlage – seit 1995 unterstützt von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Vom herrschaftlichen Wohnsitz zum touristischen Anziehungspunkt

Bis heute ist Gut Bendeleben mit Uckermannschem Schloss und seinen Stall- und Wirtschaftsgebäuden weitestgehend erhalten. Die einzelnen Bauten verdeutlichen den Funktionszusammenhang einer adeligen Gutsanlage. Der riesige, unter Denkmalschutz stehende Schafstall gehört dazu. Er wurde vermutlich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts errichtet – seit 1760 wurden dort Merino-Wollschafe mit einer besonders edlen Wolle gezüchtet. Über die Jahrhunderte hatte das Gebäude jedoch an Standfestigkeit verloren; die Außenwände waren verformt und die Längswandsäulen in ihrer Stabilität gefährdet. Durch die gezielte Instandsetzung der Holzpfeiler und Steinsockel konnte dieses bedeutende Wirtschaftsgebäude dauerhaft gesichert werden. Auch den Erhalt der Gutsschenke hat die Stiftung unterstützt.

Ein Schwerpunkt der Förderung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz lag auf dem Uckermannschen Schloss: Neben umfassenden Dach- und Fassadensanierungen wurde das Mauerwerk des angrenzenden Inspektorenhauses instandgesetzt. Ein weithin sichtbares Zeichen dieser Restaurierung ist die 2009 neu installierte Turmuhranlage mit ihrem originalgetreuen Zifferblatt. Auch die barocke Orangerie – ein architektonisches Kleinod – konnte durch die Rekonstruktion der historischen Fenster und die Mauerwerkssanierung in ihren bauzeitlichen Zustand zurückversetzt werden.