Jagdschloss
Gelbensande, Mecklenburg-Vorpommern

Jagdschloss

Die Rostocker Heide, ein ausgedehntes Waldgebiet an der Küste zwischen Rostock und dem Darß, war jahrhundertelang ein bevorzugtes Jagdrevier der mecklenburgischen Herzöge. Aus dem Jahr 1675 ist ein "Haus in geelen sandt" als Sitz des fürstlichen Jagdaufsehers überliefert, Anfang des 18. Jahrhunderts plante Herzog Carl Leopold ein Jagdschloss. Die Idee verwirklichten 1885 erst Großherzog Friedrich Franz III. und seine Frau Anastasia Michailowna. Architekt war Gotthilf Ludwig Möckel, den der Fürst bereits mit der Restaurierung des Doberaner Münsters betraut hatte. Sein Entwurf für das Jagdschloss war eng an die Architektur englischer Cottages angelehnt. Der auf unregelmäßigem Grundriss errichtete Bau ist im hohen Souterrain und dem Hauptgeschoss darüber massiv aus rotem und gelbem Backstein gemauert. Obergeschoss und Giebel sowie Erkertürmchen und Gauben bestehen aus hintermauertem Zierfachwerk mit verputzten Gefachen, unter reicher Verwendung von gedrechseltem Holz an den Balkonen. Den pittoresken Eindruck verstärken unterschiedlich hohe, zum Teil abgewalmte Satteldächer mit vielgestaltigen Schornsteinen, hohen Wetterfahnen, Laternen, glasierten Ziegeln und Buntglasfenstern. 1887 wurde der Bau mit einer ebenfalls von Möckel entworfenen Ausstattung fertiggestellt. Teile davon wie Treppen, Türen, Wandvertäfelungen und Kamine sowie Wand- und Deckenstuck sind im Hauptgeschoss erhalten. Entsprechend seinem privaten Charakter wurde das Schloss als bevorzugter Sommerwohnsitz genutzt. Nach 1918 blieb es in Folge der Fürstenabfindung im Besitz der herzoglichen Familie und diente dieser bis 1944 als Wohnung. Anschließende Nutzungen, zunächst als Lazarett, bis 1979 als Krankenhaus sowie zu unterschiedlichen kommunalen Zwecken, haben nur geringfügige Veränderungen zur Folge gehabt. Nach 1990 aber nahm der leerstehende Bau zunehmend Schaden. Die seit 1996 von Gemeinde, Bund und Land betriebenen Sanierungsarbeiten hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützt. Das Hauptgeschoss wird seitdem von der Kommune genutzt, unter anderem als Museum, in den Obergeschossen wurden Wohnungen ausgebaut.

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Pittoresker historistischer Backstein- und Fachwerkbau, 1886/87 von Gotthilf Ludwig Möckel, Förderung 1998, 2002

Adresse:
18182 Gelbensande
Mecklenburg-Vorpommern