Der vom Bremer Luftfahrtpionier Henrich Focke (1890-1979) und seinen Söhnen um 1960 eigenhändig errichtete Umlaufwindkanal mit offener Messstrecke ist ein außergewöhnliches Denkmal der Technikgeschichte. Das Bauwerk, versteckt in einem Hinterhof in der Bremer Innenstadt gelegen, nutzte der international bedeutende Konstrukteur Focke als eigenes Aerodynamik-Labor bis zu seinem Rückzug aus der Forschung in den späten 1970er Jahren. Mit seiner nahezu vollständig erhaltenen technischen Ausstattung ist Fockes Windkanal ein bedeutendes Zeugnis der Fluggeschichte, das bis heute das Werk des einflussreichen Ingenieurs authentisch erlebbar macht. Um dieses bedeutende Denkmal für die Zukunft zu sichern, übernahm es die Deutsche Stiftung Denkmalschutz im Jahr 2019 in ihr Eigentum und trägt so gemeinsam mit ihrer treuhänderischen Stiftung Focke-Windkanal dauerhaft Verantwortung für seinen Erhalt.
Henrich Focke, der als der „Vater des Hubschraubers“ gilt, unternahm schon mit 19 Jahren erste kurze Flüge mit einem selbstgebauten Gleiter. 1924 gründete er mit seinem Freund Georg Wulf (1895-1927) die „Focke-Wulf Flugzeugbau GmbH“. Damit legte er den Grundstein für Bremens Luft- und Raumfahrtindustrie.
Da er sich 1933 den Machthabern widersetzte, wurde er aus seiner Firma gedrängt und widmete sich fortan der Entwicklung des Hubschrauberflugs. 1936 gelang ihm in Bremen mit der FW-61 der weltweit erste Start eines voll flugfähigen Helikopters. Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-45) entwickelte er zunächst für Frankreich, die Niederlande und Brasilien neue Hubschrauber. Anschließend kehrte er nach Deutschland zurück, wo er 1956 den zweisitzigen Hubschrauber Kolibri für den Autoindustriellen Carl F. W. Borgward (1890-1963) konstruierte, dessen Unternehmen sich in den 1950er Jahren zu einem der größten in Bremen entwickelte. Der Konkurs der Borgward-Werke 1961 besiegelte auch das Schicksal von Fockes Hubschrauberbau.
Bereits ein Jahr zuvor baute sich Focke im Hinterhof eines Privathauses sein Labor als flach gedeckte Erdgeschosshalle in Massivbauweise. Bis ins hohe Alter von 85 Jahren untersuchte der Ingenieur hier das Stabilitätsproblem des Hubschraubers und die Langsamflugeigenschaften verschiedener Tragflächenprofile. Das Labor besticht durch seine authentische Atmosphäre und den aus heutiger Sicht simplen, aber meisterhaft konstruierten mechanischen Messapparaturen. Dabei handelt es sich um Instrumente und Gerätschaften aus handelsüblichen Werkstoffen, die Focke selbst entwickelte und baute. Lediglich die Turbine wurde nach seinen Plänen fremdgefertigt.
2004 unterstützte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz Sanierungsarbeiten an den äußeren und inneren Oberlichtern, den Türen, den Fenstern, der Treppe sowie bei Bodenbelagsarbeiten, die 2005 abgeschlossen werden konnten. Um den Windkanal dauerhaft zu erhalten und zu pflegen, errichtete Dr. Siegrid Hopf, die Tochter des Luftfahrtpioniers, 2018 die Treuhandstiftung Focke-Windkanal in der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Die Treuhandstiftung unterstützt insbesondere die Finanzierung der Betriebskosten, d.h. überwiegend Reparatur- und Instandhaltungsmaßnahmen. Sie versteht sich als Aufbaustiftung, die für weitere Zustiftungen offen ist. 2019 übertrug Sigrid Hopf das Labor an die von ihr gegründete treuhänderische Stiftung. So ist der Henrich Focke-Windkanal auf Dauer gesichert.