Hagen, Niedersachsen

Hermann-Allmers-Haus

Das Dichten und Denken von Hermann Allmers

In der knapp 300 Einwohner großen Ortschaft Rechtenfleth in der Gemeinde Hagen steht ein 1842 erbautes niederdeutsches Hallenhaus, das als „Allmers-Haus“ und authentisch erhaltene Wohnung des bekannten norddeutschen Dichters und Publizisten Hermann Allmers (1821–1902) überregionale Bedeutung hat. Doch das kulturell wertvolle Haus war von Feuchtigkeit und Schimmelpilzen bedroht – mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz konnten restauratorische Arbeiten am Gebäude vorgenommen werden.

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Kunstgenuss für alle!

„ … daß in meinem Vaterlande die Kunst noch zum größten Theile reine Salonkunst ist, nur den Gebildeten und 'anständig Gekleideten' zugänglich, dem Volke aber in unnahbare Ferne gerückt, und wo sie auch öffentlich auftritt, doch nicht aus dem Volke hervorging, vom Volke recht verstanden und genossen wird. Ein ... öffentliches Kunstleben beruht aber in der Mitwirkung und im Mitgenuß Aller, zugleich aber auch in einem warmen und stolzen Heimatsgefühle ...“ ! Das schrieb Hermann Allmers 1869 und beschrieb in seinem Werk „Römische Schlendertage“ sein eigenes Denken über die Volksbildung.

Ende des 19. Jahrhunderts war Allmers ein bekannter Dichter. Johannes Brahms (1833-1897) vertonte sein Werk „Feldeinsamkeit“ – heute sind Name und Werk Hermann Allmers fast in Vergessenheit geraten. Das Allmers-Haus in Rechtenfleth hält beides in Erinnerung und lebendig. Sein Vater ließ es 1842 erbauen, Hermann Allmers gestaltete es 1860 nach einer Italienreise um und erweiterte es. Er plante einen für jeden offenen Ort für Kunst und Kultur. Seine Künstlerfreunde halfen bei der Ausgestaltung.

Kunstvolles Haus dank Künstlerfreunden

Der teilweise figürliche Fassadenschmuck stammt vom Bremer Bildhauer Diedrich Kropp. Im Erdgeschoss richtete Allmers zum Garten hin den sogenannten Antikensaal ein, in dem er seine umfangreiche Sammlung von Abgüssen antiker Bildhauerei und seine auf Italienreisen entstandenen Zeichnungen ausstellte. Der Künstler Arthur Fitger (1840-1909) malte den Saal im Stil eines pompeianischen Wohngemachs aus und schuf zwei Friese an den Schmalseiten. Die Deckenmalerei dominiert im Zentrum ein Medaillon mit dem Kopf Jupiters, der von zwölf weiteren Medaillons mit Bildnissen römischer Götter gerahmt wird.

Im Obergeschoss richtete Allmers den sogenannten „Marschensaal“ ein, den seine Künstlerfreunde Heinrich von Dörnberg, Erwin Küsthardt, Hugo Händler und Arthur Fitger mit Gemälden ausstatteten. Die Arbeiten am Marschensaal dauerten fast 30 Jahre. Bedeutend ist Heinrich von Dörnbergs Alfresco-Marschenfries, der in sechs Szenen das Leben in den Marschen darstellt. Die Restaurierung des Marschensaals wurde im Sommer 2006 abgeschlossen, trotzdem stand eine Gesamtsanierung noch aus, um beispielsweise die Feuchteschäden im Mauerwerk zu beheben und die farbig dekorierten Wandflächen zu erhalten. Dabei konnte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz im Jahr 2023 unterstützen.