Malerisch vom Wasser umgeben erhebt sich das Herrenhaus Gnemern in Jürgenshagen auf einer Flussinsel – ein toller Anblick mit den Wasserspiegelungen. Das Herrenhaus wurde auf den Resten einer mittelalterlichen Wasserburg gebaut. Als Einzeldenkmal gehört Gnemern zu den wenigen noch erhaltenen Wasserschlossanlagen in Mecklenburg. Diesem Vorgängerbau können große Teile des Außenmauerwerks und der Kapelle zugeordnet werden. Trotzdem lag das pittoreske Schloss jahrelang im Dornröschenschlaf und zerfiel zusehends. Mit einem neuen Eigentümer begannen auch die Sanierungsarbeiten, dabei wurden zum Beispiel frühbarocke Deckenmalereien gefunden.
In einigen zeitgenössischen Veröffentlichungen findet sich die „Mär“ dass der Feldherr und Generalissimus Wallenstein (1583-1634) im Dreißigjährigen Krieg im Herrenhaus Gnemern geheiratet hat. Wenn, dann müsste das im Juni 1623 gewesen sein. Wallensteins zweite Frau war die deutlich jüngere Isabella Katharina, eine Tochter des Reichsgrafen Karl von Harrach (1570-1628). Ob das stimmt? Die Wasserburg wird im 14. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. 1661 und 1676 brannte das Gebäude, 1685 entstand das jetzige Herrenhaus und wurde 1888 nach leichteren Brandschäden im Stil des Historismus umgebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das historische Gebäude als Gaststätte und Gemeindebüro genutzt, nach der Wende wurde es sogar zum „Herrenhaus“ für zahlungskräftige Männer und käufliche Frauen. Die Zwangsversteigerung rettete es. Den Zuschlag bekam Helmuth von Maltzahn - ein bekannter Name, wenn es um die Rettung historischer Bausubstanz in der Provinz geht.
Innen zeugen auf dem ersten Blick Kamine, Wandnischen und -paneele, Fensternischen und Alkoven auf die letzten großen Baumaßnahmen im 19. Jahrhundert. Von außen prägt die Zeit des Frühbarock das Erscheinungsbild des Wasserschlosses. Auf dem massiven Erdgeschoss sitzt das Obergeschoss mit Fachwerk. Eckquaderungen, Profilgesimse und Fenstereinfassungen sind erkennbar. Das Eingangsportal trägt einen Schmuckgiebel mit Wappenstein (1681) sowie das Wappen der Erbauer (von Meerheimb/von Oertzen). Bis 1945 war Gnemern Stammsitz der Familie von Meerheimb. Zu tun ist viel. Noch zu DDR-Zeiten gab es unsachgemäße Sanierungsversuche. Die Folgen der mangelnden Bauunterhaltung waren beispielsweise feuchte Wände.