Das historische Fleischergeschäft in der Großen Kirchgasse 2 im sächsischen Wolkenstein lässt Fans des Jugendstils schwach werden. Ein Laden mitsamt Ausstattung, Fliesen und Glasdecke aus der Zeit um 1905 hat sich äußerst selten erhalten! Die Instandsetzung dieses Schmuckstücks konnte auch durch die Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz erfolgen.
Um 1900 stand Fleisch weit oben auf dem Speiseplan der Menschen. Vorausgesetzt, sie konnten es sich leisten! Die Menschen glaubten, ein hoher Fleischkonsum sei gesund. Um 1900 aßen die Menschen im Deutschen Reich im Schnitt 44 Kilo Fleisch pro Jahr – ähnlich hoch wie heutzutage. Bei einem durchschnittlichen Arbeiterlohn von 60 Mark im Monat kostete das Kilo Schweinefleisch 1,50 Mark. Wenn man bedenkt, dass in ärmeren Haushalten selbst der Sonntagsbraten selten auf den Tisch kam, lässt sich vermuten, wie fleischlastig die Ernährung der „besseren Schichten“ aussah. Das waren offensichtlich die Kunden von Paul Oskar Teichert. Der Fleischermeister ließ sich nicht lumpen, als er 1888 das Haus in der Großen Kirchgasse 2 in unmittelbarer Nähe zum Wolkensteiner Schloss und zur Kirche, also in bester Altstadtlage, erwarb.
Der Klinkerbau fällt schon von außen mit seiner reichen Ziergliederung auf. Teichert ließ im Wohn- und Geschäftshaus um 1905 eine Glasdecke mit Hinterglasmalerei und Fliesen der Firma Villeroy und Boch einbauen. Die Fliesen entsprachen den kurz vorher eingeführten neuen Hygienebestimmungen für das Fleischerhandwerk. Die edle Ausgestaltung wurde der Lage und dem eigenen Anspruch gerecht.
Diese Ladenausstattung ist bis heute erhalten und teilweise restauriert – eine derartige Innenausstattung im Originalzustand eines Fleischerladens aus der Zeit ist selten! Doch die wertvollsten Stücke der Ausstattung, die Fliesen und die Glasdecke, zeigten starke Beschädigungen – teilweise führen Risse dazu, dass die Fliesen ganz verloren gingen. An der Glasdecke waren ebenfalls Schäden zu verzeichnen – gefährlich für die schöne Hinterglasmalerei. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützte bereits mehrfach bei Sanierungsmaßnahmen am außergewöhnlichen Denkmal.